1. FC Nürnberg - Greuther Fürth: Risikospiel für Polizei und Alois Schwartz

Beim Derby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth setzt die Polizei auf starke Präsenz. Besonders der Club steht dabei unter Druck.
Die Club-Fans hoffen beim Frankenderby gegen die SpVgg Greuther Fürth auf den ersten Saisonsieg. Foto: sportpress
 
Den Gang ins Derby hatten sich Club wie Kleeblatt sicher ganz anders vorgestellt. Sowohl der 1. FC Nürnberg (4:5 in Bochum) als auch die SpVgg Greuther Fürth (0:3 gegen Würzburg) kassierten reichlich Tore. Das kann ja was werden, im 261. Aufeinandertreffen am heutigen Dienstag. Da passt die seltsame Anstoßzeit von 17.30 Uhr wie die Faust aufs Auge.

Für die Polizei bedeutet der Anpfiff am frühen Dienstagabend wohl etwas mehr Entspannung, denn das Stadion wird bei weitem nicht ausverkauft sein. Dennoch setzt die Polizei beim Risikospiel auf mehr Einsatzkräfte. Dazu werden die Fans der beiden fränkischen Rivalen wie üblich strikt getrennt, denn auf beiden Seiten gibt es gewaltbereite Fans. Außerdem sollen die Zuschauer Rucksäcke und Taschen möglichst nicht mit ins Stadion nehmen. Bei den Gästen werden rund 3000 die kurze Fahrt nach Nürnberg antreten, einige von ihnen wollen gemeinsam in einem Buskonvoi anfahren.
Für beide Mannschaften kann die Devise nur Frustbewältigung heißen, auch wenn weiterer Frust vorprogrammiert scheint: Denn nur ein Sieg brächte die Nürnberger weg vom vorletzten (!) Platz, nur ein solcher würde die Fürther auf Tuchfühlung mit den angepeilten Spitzenrängen halten.


Vergleichsweise ruhige Fans

Den größeren Druck verspürt der FCN: "Wir wissen, dass dieses Spiel die Region elektrisiert. Wir können dort etwas gutmachen", sagt Mittelfeldakteur Kevin Möhwald - wohlwissend, dass den selbst nach dem 1:2 gegen 1860 München noch vergleichsweisen ruhigen Fans bei einer Derby-Pleite die Hutschnur hochgehen wird. Und die Luft für Trainer Alois Schwartz schon dünner würde.

"Wenn die Ergebnisse ausbleiben, hat man keine Sympathien", sagte Schwartz nach dem 4:5 von Bochum. Zwei Punkte aus fünf Spielen sind eine Bilanz, die trotz der anhaltenden Verletztenmisere schwer zu vermitteln ist. 15 Gegentore sind aktuell einsamer Ligarekord. "Das ist sicher auch ein Punkt, an dem man ansetzen muss", sagte Sportvorstand Andreas Bornemann, der Schwartz derzeit aber noch stützt. "Das Derby ist für uns eine Riesenchance, ein paar Dinge wieder geradezurücken und uns Selbstvertrauen zu holen", gibt sich Schwartz zuversichtlich.
Dem früheren Coach des SV Sandhausen wird die Schwierigkeit seiner Mission immer deutlicher: "Ich habe gewusst, dass es kompliziert werden kann. Aber dass wir nach dem fünften Spieltag mit nur zwei Punkten und 15 Gegentoren auf dem vorletzten Tabellenplatz stehen, damit habe ich nicht gerechnet." Und nun fehlt ihm mit Schäfer, Margreitter, Alushi, Eseev, Gislason, Erras und möglicherweise auch Mühl und Möhwald eine halbe Mannschaft. Wenigstens ist Stürmer Guido Burgstaller nach abgesessener Sperre wieder dabei.

Ja, das Derby. Auch im Ronhof kennen sie kaum ein anderes Thema. 0:3 gegen einen Aufsteiger hinten liegen und die Fans singen fröhlich "wir woll'n den Derbysieg" - das gibt's auch nur in Fürth. "Das Derby kann gar nicht früh genug kommen", war auch SpVgg Manager Ramazan Yildirim schon kurz nach dem Freitagspiel gegen die Kickers auf Nürnberg fokussiert.
"Da wollen wir uns die heute verlorenen drei Punkte zurückholen." Währenddessen erging sich Kleeblatt-Kapitän Marco Caligiuri in Phrasen: "Das wird ein 50:50-Spiel, ein offener Schlagabtausch. Derbys haben ihre eigenen Gesetze."

Auf Caligiuris Erfahrung wird es erneut ankommen, denn vor dem Innenverteidiger laufen reichlich Jungspunde auf wie Kirsch oder Steiniger. Mit Zulj und vermutlich auch Gjasula fehlen die krativen Köpfe.
Trainer Stefan Ruthenbeck balanciert zwischen Trotz und Vorsicht: "Wir haben keine Krise, aber wir fahren auch nicht gestärkt nach Nürnberg."

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