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Mainbernheim und der Fluch des Erfolgs

Ohne Niederlage waren die Mainbernheimer vor einem Jahr in die Kreisklasse aufgestiegen. Die bärenstarke Meistersaison könnte sie nun den Klassenverbleib kosten.
Einen Schuss mehr Abgeklärtheit wünscht sich Mainbernheims Spielertrainer Kai Siemers.
 

Der Fußballtrainer Kai Siemers hätte sich in der vergangenen Saison von seiner Mannschaft gewünscht, dass sie öfter mal verliert. Er hätte sich erhofft, dass sie auf dem Weg zur Meisterschaft auch mal stolpert. Denn wer stolpert und hinfällt, muss sich auch wieder aufrichten. Es ist ein Lernprozess, der den Spielern des TSV Mainbernheim nicht geschadet hätte.

Ohne Niederlage waren sie durch die A-Klasse gerauscht, erfolgsverwöhnt zogen sie in ihre neue Umgebung ein: mit viel Selbstvertrauen, aber ohne jede Erfahrung im Krisenmanagement. Siemers schwante Ungemach. „Ich habe so etwas geahnt“, sagt er heute, ein Jahr nach dem Aufbruch zu neuen Ufern, der neben viel Lust auch großen Frust brachte. Nach acht Spielen ohne Sieg war nicht viel geblieben von der Begeisterung, mit der Mainbernheim die Kreisklasse gestürmt hatte. „Wir alle“, sagt Siemers, „hätten uns natürlich mehr Ruhe gewünscht.“

Dass den TSV nun vor dem letzten Spieltag noch Abstiegssorgen plagen, ist vor allem dem miserablen Start geschuldet. Im Winter hatte es bei neun Punkten aus dreizehn Spielen heikel ausgesehen. Erst eine Rückrunde, in der Mainbernheim im Durchschnitt 1,4 Punkte pro Spiel erwischte, hielt die Hoffnung auf ein glückliches Ende aufrecht. Jetzt steht der Aufsteiger wieder zwei Punkte über dem ominösen Strich, der die Abstiegszone markiert.

Eine ganze Halbserie brauchte das Team, um sich mit der Situation zu arrangieren und von all den Rückschlägen zu erholen. „Wir wussten ja gar nicht mehr, wie sich Niederlagen anfühlen und wie man damit umzugehen hat“, sagt der Trainer über den Fluch des Erfolgs. Und: „Wir mussten uns erst wieder dran gewöhnen, dass man sich anstrengen muss, um Spiele zu gewinnen.“

Die A-Klasse hatte sie in der Saison vielleicht zwei-, dreimal herausgefordert. Jetzt waren sie gezwungen, in jedem Spiel bis an ihre Leistungsgrenzen zu gehen. Das ist eine Erfahrung, die auch andere in dieser Spielklasse gemacht haben: der SV Gelchsheim, der FC Winterhausen, ebenfalls Aufsteiger und vor dem letzten Spieltag noch akut vom Abstieg bedroht. Die Klasse nimmt keine Rücksicht auf die Neuankömmlinge.

Mit ihrer komprimierten Leistungsdichte verzeiht sie kaum Ausrutscher und längere Misserfolgsserien. Nur sechs Punkte trennen den ASV Ippesheim, der als einziger Klub bereits sicher abgestiegen ist, vom Tabellenzwölften Mainbernheim, dessen Trainer die Lage irgendwo zwischen „entspannt“ und „angespannt“ erlebt.

Erwin Klafke hat sich in dieser Hinsicht deutlicher positioniert. Er sehe Mainbernheim „als gerettet an“, sagt der Trainer, der mit dem FC Hopferstadt am Sonntag in der Stadt des Bären aufkreuzt und gerne reiche Beute machen möchte. Um den zweiten Tabellenplatz gegen die Angriffe des SV Bütthard zu sichern und die Teilnahme an der Relegation zu buchen, sind drei Punkte wohl Pflicht. „Das Gute ist“, sagt Klafke, „wir haben es selbst in der Hand.“

Ein Sieg wäre auch ein Erfolg über alle Zweifler, die es vor einigen Wochen noch zuhauf gab. Die Hopferstadt nach der verpassten Teilnahme im vorigen Jahr auch diesmal prophezeit hatten zu scheitern. Mitte März lag der FC schon sieben Punkte hinter Bütthard. „Wir waren fast abgeschrieben“, sagt Klafke, der bald 53 wird und dem Fußball einige schöne Stunden verdankt.

Zu gern würde er noch mal die flirrende Atmosphäre der Relegation genießen, wo sich die Handlung einer Saison wie unter dem Brennglas verdichtet. Ein paar hundert Zuschauer, ein Spiel um alles oder nichts, Sternstunden des Fußballs. „Man hat nicht oft die Gelegenheit, so etwas zu erleben“, sagt er. Er wird das auch seinen Spielern klarmachen, viele jung und unerfahren, aber gerade deshalb neugierig genug auf ein Abenteuer.

Vorige Woche schien die Aufgabe noch zu groß für sie. 1:3 verloren sie zu Hause gegen Gülchsheim, einen der ewigen Rivalen, der für dieses Jahr raus ist aus dem Rennen – und Hopferstadt trotzdem nichts schenkte. „Kompliment an Gülchsheim“, sagt Klafke, „sie waren einfach besser. Das muss man akzeptieren.“

Siemers wäre es lieber gewesen, die Hopferstädter hätten die Sache letzte Woche klargemacht. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert, und Mainbernheims Trainer hofft gegen stürmische Gäste auf die ein oder andere Konterchance seiner Mannschaft. Ein Tor, ein Punkt, vielleicht würde das schon genügen.

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