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Mach' mal Pause vom Laufen!

Wer bei Läufen startet, erlebt einiges - auch abseits der Strecke. Jochen Brosig erzählt davon. Diesmal: Für zwei Wochen auf kalten Entzug.
Querläufer Jochen Brosig: In den nächsten zwei Wochen hat die Gartenarbeit klar Vorrang.  Foto: privat
 
Laufpause? Warum braucht der Querläufer eine Laufpause, werdet ihr jetzt denken. Also, der Querläufer hat gelernt. Aus Schmerzen gelernt. Etliche Wettkämpfe: Hamburg-Marathon, Rennsteiglauf, zehn Kilometer in Kemmern, ein schneller Halbmarathon in Heroldsbach. Die Achillessehne zittert, mein linkes Knie meckert und im Rücken spür' ich auch schon etwas. Ich will kein zweites Jahr der Qualen. Ob ich eine Laufpause brauche? Und ob!

Zwei Wochen Schonung habe ich mir auferlegt. Zwei Wochen ohne einen Laufmeter. Das erste Mal seit 16 Jahren. Vernünftig, sagt die Läuferfrau. Ich nenne es kalter Entzug. Sie hat schon eine To-Do-Liste für mich erstellt. Zwischen Rasenmähen und Heckeschneiden soll ich schnell noch einkaufen und den Schriftverkehr am PC erledigen. Online-Banking, E-Mails checken, danach den Keller aufräumen. Anschließend Spülmaschine ausräumen, die Hausordnung ist zu erledigen und fast hätte ich noch den Apfelsaft vom Discounter vergessen. Also los, bevor er schließt. "Aber naturtrüb!", schickt sie mir eine WhatsApp hinterher.

Aus der Schufterei im Haushalt kann sogar Wellness werden. Die Läuferfrau schlägt vor: "Bei schönem Wetter die Wäsche auf dem Balkon oder im Garten aufhängen. Erstens duftet dann die Wäsche besser und zweitens bist du in der Sonne." Eigentlich wollte ich doch einen langen Spaziergang machen. Wo bleibt da die Zeit für mich? Die Dreifachbelastung zwischen Familie, Arbeit und Hausarbeit lässt für mein Hobby keinen Raum. Studien sagen, dass Männer inzwischen eine höhere Belastung haben als Frauen - Haushalt inklusive. Und für mich gibt es ein besonderes Problem. Die Schwierigkeit des Querläufers. Sein Hobby hat gerade Pause. Laufpause.

Der Tag nach dem Halbmarathon in Heroldsbach ist für mich kein Problem. Am Tag nach einem Zielwettkampf wird sowieso nicht gelaufen. Auch der Montag war ganz entspannt. Ein bisschen Schwimmen in der Therme und anschließend ab in die Sauna. Das war Entspannung pur. Radfahren am Dienstag und Mittwoch dann Rumpf-stabi. Donnerstag früh hatte ich die Laufschuhe schon in der Hand. Mit zitternden Händen wanderten sie zurück ins Schuhregal zu den zwanzig Anderen.

Was macht der Querläufer um sich abzulenken? Vielleicht Shopping im Sportgeschäft. Laufschuhkauf. Doch Laufschuhe kaufen ohne zu Laufen ist langweilig. Der Querläufer nörgelt rum. An jedem Paar hat er etwas auszusetzen. Das erste Mal in seiner aktiven Läuferkarriere geht er ohne ein paar Laufschuhe aus dem Laden. Er ist ein bisschen "depri".

Am Abend versuche ich mich mit Lesen abzulenken. Etwas besser. Schon der Buchtitel ist ansprechend. "42,195", das ist eine Ansage. Sehr unterhaltsam und es beruhigt. Aber nur kurz. Am Küchenschrank finde ich einen gelben Klebezettel. Müll rausbringen, Frühstück machen, denk an den Ölwechsel und am Abend noch die Küche aufräumen und Steuern machen. Wo bleibt da die Zeit für die Regeneration?

Die meisten Aufgaben sind gerade so mit "Ach und Krach" zu schaffen. Aber ein Mann ist kein Mann, wenn er nicht mit seinen Aufgaben wächst. Er läuft stundenlang durch die Gegend, sammelt Dinge, die andere weggeworfen haben, oder baut ein Gartenhaus nebenher. Und dann wird es wirklich eng mit den 24 Stunden, die ein Tag hat. Nachdem die Hecke geschnitten war, bin ich statt zur Arbeit wegen der Rückenschmerzen zum Orthopäden gegangen. Dann schickte mich der Orthopäde zu einem Allgemeinmediziner. Der checkte mich von Kopf bis Fuß durch, um die Wurzel dieser seltsamen bleiernen Müdigkeit zu finden. Dann schickte er mich zu einem Internisten und was der machte, dass wollt ihr nicht wissen. Der Internist wiederum hat mich zu einem Coach geschickt, der eigentlich ein Psychologe ist. Aber das sage ich nicht so gerne öffentlich, weil sonst alle denken, dass ich irre bin. Dabei mache ich nur eine Laufpause.

Der Coach attestiert mir eine ausgewachsene Laufsucht. "Schreiben Sie doch einfach mal auf, welche Projekte sie gerade angefangen haben, die sie nicht beendet haben." Offene Projekte, wenn der wüsste. Die Läuferfrau hat genug Projekte für die nächsten Monate. Ach was, Jahre. Und plötzlich kommt mir die Lösung in den Sinn. Ich muss nur die Pause beenden. Also Laufschuhe an und raus.

Bevor die Tür schließt, höre ich noch: "Du solltest öfters eine Laufpause einlegen. Dann bekommen wir Haus und Garten in den Griff."

Run happy and smile!
Euer Querläufer

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