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In fünf Minuten zu Ruhm und Ehre

Lukas Kohl greift in Stuttgart nach dem WM-Titel. Im Interview gewährt der Athlet der Concordia Kirchehrenbach tiefe Einblicke.
Lukas Kohl greift nach dem größten Titel: Der Kirchehrenbacher zählt bei der Kunstrad-WM in Stuttgart an diesem Wochenenede zu den Titelfavoriten im 1er-Kunstrad Foto: Wilfried Schwarz/DieSportFotografen.de
 
Viele tausend Zuschauer werden bei der Hallenradsport-WM am Wochenende in der Stuttgarter Porsche-Arena für voll besetzte Ränge und eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen. Bei den Titelkämpfen sind die deutschen Teilnehmer die haushohen Favoriten. Seine Premiere auf dem WM-Parkett feiert Lukas Kohl (Concordia Kirchehrenbach). Er zählt neben dem Titelverteidiger und zweifachen Weltmeister Michael Niedermeier (Bruckmühl) zu den Favoriten auf den WM-Thron.

Im Interview spricht der "Lukinator", wie Lukas Kohl im Kunstradteam Bayern genannt wird, über die Faszination des Sports, seinen schärfsten Widersacher Michael Niedermeier - und seine Aussichten bei den Titelkämpfen.

Frage: Herr Kohl, wie kamen Sie zum Kunstradsport? Männer sind in dieser Sportart doch die Exoten...
Antwort: Mein Heimatverein in Kirchehrenbach hatte damals Radball und Kunstrad angeboten, heute gibt es die Radballabteilung leider nicht mehr. Ich habe mir dann ein Radball-Training angeschaut und beschloss, dies auch zu machen. Auf Raten der Trainer begann ich zuerst mit dem Kunstrad, um eine bessere Rad- und Körperbeherrschung zu bekommen.

Was macht die Faszination Kunstrad für Sie aus?
Da gibt es viele Punkte. Beim Kunstrad hilft jeder jedem. Das ist wie eine große Familie. Ich glaube nicht, dass im Fußball ein Bayern-Spieler einem Dortmunder die Schuhe ausleiht. Bei uns wird schon mal ein Vorderrad ausgeborgen, damit der Konkurrent auch starten kann. Mir gibt der Sport sehr viel. Er ist sehr vielseitig, erfordert Koordination, Disziplin, ist Motivation und Akrobatik. Es kommt in meiner Sportart auf alles an und das innerhalb von fünf Minuten, so lange dauert ja der sportliche Vortrag. Fehler können nicht mehr rückgängig gemacht werden, während man in Ballsportarten diese unter Umständen wieder begradigen kann. Man darf in dieser kurzen Zeit den Kopf nicht ausschalten und muss nach einem Fehler trotzdem ruhig weiterfahren.

Was kostet so ein Rad eigentlich?
Es ist zwar nicht viel dran, aber je nach Ausführung kostet so ein Sportgerät zwischen 2000 und 3000 Euro.

Ist es problematisch, den Sport zu finanzieren?
Das ist eine schwierige Frage, es kommt auf den Verein darauf an. Mein Verein stellt mir das Kunstrad zur Verfügung, bezahlt die Kosten für die Nutzung der Trainingshalle. Für mich fallen Fahrtkosten zu den Wettkämpfen, Sportausrüstung und Übernachtungen an. Zum Glück übernehmen das meine Eltern.

Das soll nicht despektierlich klingen: Kann man Sie als einen Profi bezeichnen?
Auf der einen Seite ja, da ich viel Zeit in den Sport investiere und fast täglich trainiere, auf der anderen Seite aber ein nein. Unter einem Profi verstehe ich, das man seinen Sport hauptberuflich ausführt. Für mich ist das eine Art Nebenbeschäftigung, neben meinem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Erlangen/Nürnberg.

Wie läuft eine Hallenrad-WM eigentlich ab?
Da es für mich die erste WM-Teilnahme ist, kenne ich die Abläufe nur vom Hörensagen. Die komplette Mannschaft hat sich am Mittwoch um 11 Uhr in der Porsche-Arena getroffen. Dann ging es ins Hotel und am Mittag zum ersten Training. Am Donnerstag war ein ganz frühes Training angesetzt. Anschließend hatten wir eine Führung bei Porsche, dann wieder Training. Am Freitag und Samstag ist ein individuelles Programm für jeden angesagt. Ob ich im Hotel, in der Halle oder bei den Zuschauern sein werde, weiß ich noch nicht, da lasse ich mich überraschen. Der Sonntag beginnt für mich mit Training. Die Vorrunde startet gegen 12.50 Uhr, dann hoffe ich, ins Finale zu kommen. Dazwischen liegen nur rund zwei Stunden Pause, sodass dies ein anstrengender Wettkampf werden wird.

Haben Sie sich speziell auf die WM vorbereitet?
Das Training war wie immer. Viel Ausdauer und Handstände, in den letzten Wochen noch einen Tick mehr, damit ich am Sonntag in Topform bin. Das Gefühl ist gut, körperlich bin ich top vorbereitet. Ich freue mich riesig auf die WM.

Ihr schärfster Konkurrent um den Titel ist Weltmeister Michael Niedermeier, heuer haben Sie ihn aber schon mehrfach geschlagen. Wie ist das Verhältnis untereinander?
Wir kennen uns schon lange durch das Training im Kunstradteam Bayern, einer privaten Trainingsgemeinschaft. Wir helfen uns gegenseitig. So auch beim Wettkampf. Ab dem Einfahren und bis Ende der 1er-Disziplin sind wir Konkurrenten, ansonsten aber sehr gute Freunde. Wir fahren zwar gegeneinander, aber wir gewinnen und verlieren gemeinsam.

Wer sind neben Niedermeier die ärgsten Konkurrenten?
Da sind der Schweizer Yannick Martens, Wong Chin To aus Hongkong und Martin Schön aus Ungarn zu nennen. Ein Aussetzer bei unserem schwierigen Programm genügt und der Vorsprung ist weg. Das hat man bei der DM in Moers oder letztes Jahr bei der WM in Malaysia gesehen. Wir dürfen dieses Trio nicht unterschätzen.

In diesem Jahr wurden Sie Bezirksmeister, Bayrischer Meister und Deutscher Meister in der Elite. Und am Sonntag folgt dann der Weltmeister-Titel?
Da lasse ich mich überraschen. Mein Ziel ist, das Finale zu erreichen. Dort ist von Platz 1 bis 4 alles möglich. Ich brauche niemanden etwas beweisen und kann ohne Druck an den Start. Eine Medaille wäre natürlich schön, aber schon die WM-Teilnahme ist für das Jahr 2016 die Krönung. Das ist mehr, als ich mir ausgemalt hatte.




So sehen Sie Lukas Kohl

Alle wichtigen Entscheidungen der Kunstrad-WM können live und kostenlos unter sportdeutschland.tv angesehen werden. Außerdem berichtet das SWR-Fernsehen am Sonntagabend zwischen 23 und 23.30 Uhr von den Titelkämpfen aus Stuttgart.





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