In Poxdorf geht's um die Apfelschorle-Flatrate

Spielerisch kann Lutz Reinhold keinen Einfluss auf das Derby nehmen. Die Kersbacher müssen eine Überdosis Apfelschorle ihres Trainers allein verhindern.
In hoch gelegenen Wichsenstein kassierten Fabian Kistner (re.) und die DJK Kersbach vergangene Saison ein 0:5. Nach Poxdorf hat es der Tabellendritte am Sonntag nicht so weit. Ein gutes Omen?  Foto: Hühnlein
 
von LEO HÜHNLEIN
Der "InFranken-Kick" erzählt am Wochenende gleich mehrere Geschichten. Wenn das Wetter am Sonntag mitspielt, dürften sich wohl einige Fußballwanderer aus dem nur zwei Kilometer entfernten Kersbach Richtung Poxdorfer Sportplatz auf den Weg machen. Denn um 15 Uhr startet das prestigeträchtige Nachbarschaftsderby, das für die Kicker und Anhänger beider Lager schon immer wesentlich mehr war als ein Fußballspiel.


Kreisklasse 2 ER/PEG: SV Poxdorf (5.) - DJK-TSV Kersbach (3.)

Manchem der Fans aus den Nachbarorten dürfte der 25. Juni 2014 in Erinnerung sein. Es war ein Mittwoch, als die Rivalen im Relegationsspiel vor 1200 Zuschauern in Weilersbach aufeinandertrafen. Kersbach setzte nach dem Zwangsabstieg aus der Bezirksliga zur Jahrtausendwende als Kreisklassenzweiter zum Sprung ins Oberhaus an und verpasste ihn mit 0:2, trotz leichter Favoritenstellung - ausgerechnet gegen Poxdorf. Der SV, der in seiner vorletzten Kreisliga-Saison als 13. dem Abgrund entgegentrudelte, nutzte die letzte Chance durch Tore von Alexander Tully und Fabio Hegyi zum Klassenerhalt, stieg aber im Folgejahr nach sechs Spielzeiten in der Kreisliga ab.

Lutz Reinhold stand damals in seiner ersten Saison als spielender Co-Trainer für Kersbach im Kader, nach dem verpassten Aufstieg nahm Chefcoach Jörg Welker seinen Hut und gab das Zepter an Reinhold weiter. Der 32-Jährige erinnert sich: "Der Stachel saß tief. Etwas Linderung brachten die beiden Siege im Vorjahr in den ersten Punktspielen gegen Poxdorf nach langer Zeit. Denn in Kersbach gilt ein einfaches Gesetz: Dieses Derby muss gewonnen werden."

Die DJK hopst nach sechs Spieltagen als ungeschlagener Dritter leicht favorisiert nach Poxdorf. Der SV steht als Fünfter mit 13 Punkten zwar nur drei Zähler dahinter, die erst ein Mal überwundene Abwehr der Gäste ist jedoch das Maß aller Dinge. Dessen ist sich Reinhold bewusst, für den die Hinrunde praktisch gelaufen ist: Aufgrund eines Innenbandrisses im Knie kam der Polizeibeamte nur zu einem Einsatz und wird kaum vor Oktober wieder spielen können: "Die Jungs machen es auch ohne mich prima. Wir haben versucht, unser Spiel in der Defensive gegen den Ball zu verbessern und momentan klappt es ganz gut. Nicht so gut ist der Ausfall von Markus Winkler nach der Roten Karte in Schlaifhausen und für Phillip Fischer ist es nach dem Bruch des Schienbeinkopfs noch zu früh."


Poesdorf vom SVB zum SVP

In Poxdorf coacht seit dieser Saison Florian Poesdorf, dessen größte sportliche Erfolge die beiden Landesliga-Aufstiege mit Erlangen-Bruck (2004) und dem SV Buckenhofen (2011) waren. Beim SVB stand er seit 2006 im Kader und coachte das Team in den vergangenen beiden Spielzeiten als Spielertrainer: "Ich hatte mich zuvor bereits als Jugendtrainer in Buckenhofen herangetastet. Poxdorf ist meine zweite hauptamtliche Station", erklärt der 34-Jährige.

Er ersetzt Christoph Reck, der nach drei Jahren im Traineramt kürzer treten und nur noch als Spieler im Heimatverein auflaufen wollte. Zuletzt mutierte Reck binnen einer Woche vom Pechvogel zum Glückspilz. Erst zog sich der 33-Jährige nach seinem Führungstor gegen Hausen einen Vollabriss des Muskelbündels zu und wird vier bis sechs Monate ausfallen. Am vorigen Sonntag wurde er zum ersten Mal Vater und kann die Genesungszeit als frischgebackener Papa von Palina sinnvoll nutzen.


Mit Lutz Reinhold gekickt

Poesdorf, der mit Reinhold von 2008 bis 2010 in Buckenhofen spielte, schwant "poeses": "Mit Reck und und dem urlaubenden Kapitän Lukas Riedel fallen die besten Torjäger aus und Stammtorwart Stefan Wirth steht noch in der Schwebe." Bei aller Rivalität wollen die Ex-Kameraden nach Abpfiff auf jeden Fall in die dritte Halbzeit. Da Reinhold keinen Alkohol trinkt, gibt ihm der Erlanger eine Apferschorle aus: "Wenn wir gewinnen, dürfen es auch zwei oder mehr werden", schmunzelt Poesdorf. Der Verletzte schaut seiner DJK ungern beim Verlieren zu, "aber zur Not nehme ich die Apfelschorle-Flatrate an", sagt Reinhold kompromissbereit.

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