Dann eben auf eigene Faust

Weil sein Laufpartner von Muskelkrämpfen geplagt war, machte Jan Mueller einfach alleine weiter - und beendete die Alpenüberquerung als Individual Finisher.
Jan Mueller  Fotos: privat
 
von DANIEL RUPPERT
Wer nach der Aufgabe seines Laufpartners, einer Entzündung im Knöchel und einem blutüberströmten Knie noch von einem Super-Wettkampf spricht, dürfte das Klischee des seltsamen Extremsportlers bestens erfüllen. Jan Mueller aus Forchheim hat an sieben Tagen nicht nur die Alpen von Nord nach Süd, sondern auch im übertragenen Sinne Höhen und Tiefen durchquert. Bei seiner dritten Teilnahme am Transalpine-Run kam der 47-Jährige als "Individual Finisher" ins Ziel in Südtirol.


Muskelkater stopp Laufpartner

"Andi hatte so schlimmen Muskelkater, dass ich ihm aus dem Bett helfen musste", erzählt Mueller, der ab der dritten Etappe ohne Andreas Müller-Niggemann weiterlief. Doch auch der Erfahrenere der beiden kam nicht unbeschadet aus den ersten 70 Kilometern vom Startort Garmisch-Partenkirchen über Lermoos bis Imst. "Mein linker Knöchel hat sich entzündet", sagt Mueller. Dennoch machte der gebürtige Darmstädter weiter. Auf der dritten und mit knapp 50 Kilometern längsten Etappe schloss er sich einem relativ langsamen Team an. "Als ich bei der Zeitmessung auf meine neuen Partner wartete, habe ich einen Streckenposten aufgezogen, der genüsslich in der Sonne saß. Daraufhin konterte er, warum ich denn so gemütlich rumstehe", berichtet Mueller. Am Ende des Gesprächs stand die Erkenntnis, dass der Wahlfranke als Einzelkämpfer auf niemanden warten müsse, sondern sein eigenes Tempo laufen könne.

Gesagt, getan. Auf der vierten Etappe zog Mueller an, bis sein lädierter Knöchel an einem Stein hängen blieb. Um sich vor größeren Sturzfolgen zu schützen, bremste er mit Knie und Ellenbogen. "Ich musste mich kurz schütteln und sortieren", sagt Mueller. Blutüberströmt setzte er das Rennen fort und belohnte sich mit der Aussicht vom fast 3000 Meter hohen Rettenbachjoch. Die restliche Strecke der 247 Kilometer überstand Mueller unbeschadet, weshalb er zu dem Fazit kam: "Es war geil, die Route war sehr schön."

Für den Hessen steht eine weitere Teilnahme außer Frage, und sogar Müller-Niggemann, der als erholter Gastläufer die siebte und letzte Etappe absolvierte, kann sich vorstellen, einen zweiten Anlauf zu nehmen. "Er fiel den anderen Startern wegen seines gequälten Gesichtsausdrucks auf, aber er ist nicht abgeneigt", sagt Mueller. Ob der Forchheimer mit ihm, seiner Lebensgefährtin Ira oder seinem früheren Laufpartner in die Alpen zurückkehrt, steht noch nicht fest. "Vielleicht bilde ich mit einem Kumpel ein Adidas-Nike-Team", spekuliert Mueller. Für die Entscheidung hat er noch viele Stunden bei Ultraläufen Zeit.





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