TSH dreht erst am Ende richtig auf

Zur Pause lag die TS Herzogenaurach mit drei Toren zurück, holte sich im ersten Saisonspiel der Bayernliga aber einen Sieg mit zehn Treffern Vorsprung.
Corinna Merz (li.) und Amelie Theobald (re.) waren mit der forschen Herangehensweise der Ismaningerinnen anfangs überfordert, fuhren letztlich aber einen deutlichen Auftaktsieg ein. Fotos: herzopress
 
Aller Anfang ist schwer. Diese Phrase wurde für die TSH-Frauen bei ihrem Auftaktspiel der Handball-Bayernliga gegen den TSV Ismaning zumindest 50 Minuten lang erkennbare Realität. Der 32:22-Heimsieg lässt nicht im Ansatz erkennen, wie schwer sich die neu formierten Gastgeberinnen über den Großteil der Spielzeit hinweg taten - gegen eine körperlich deutlich unterlegene, aber bemerkenswert engagierte und technisch wie erwartet gut ausgebildete Mannschaft aus dem Großraum Münchens.


Ismaning klar überlegen

Speziell in den ersten 30 Minuten war von einer Favoritenrolle nichts zu erkennen. Die blutjungen Akteure des TSV zeigten sich in allen Belangen überlegen. Bei Würfen von den Außenpositionen, vor allem aber über den Kreis waren die Gäste schlichtweg effektiver und hatten zudem sogar im Tor klare Vorteile, wo Henriette Leicher sofort ins Spiel fand und lange Zeit heftig das Nervenkostüm der Gastgeberinnen strapazierte. Warum das Team von Trainer Hans-Jürgen Kästl zwei Drittel der Begegnung nur Stückwerk zustande brachte, ist höchstens damit zu erklären, dass es die erste Drucksituation der Saison war.


TS Herzogenaurach - TSV Ismaning 32:22

Die TSH rannte den Gästen ergebnismäßig lange hinterher, über 1:5 (8. Minute) und 3:7 nach 14 Minuten trauten die heimischen Anhänger ihren Augen nicht angesichts der vielen technischen Fehler bei den Auracherinnen sowie der unbekümmerten Spielfreude auf Seiten der Gäste. Nach 15 Minuten hatte die TSH gerade mal vier Tore erzielt, bis dahin aber schon fünf, sechs glasklare Chancen versiebt. Kurios: Ausgerechnet als Janka Kräck zwei Minuten Strafzeit absitzen musste (17.), ging ein kräftiger Ruck durch das Team. In Unterzahl gelang es ihm, mit kraftvollen Einzelaktionen von 5:8 auf 8:8 (19.) auszugleichen.
Wer nun glaubte, dass die Turnerschaft Mittel und Wege gefunden hatte, das Geschehen an sich zu reißen, sah sich enttäuscht. Erneut kam der TSV mit bewährten Mitteln primär über den Kreis oder von den Außenpositionen zu einfachen Treffern. So war die Ismaninger 14:11-Pausenführung eine logische Folge und nicht unverdient. "Von der 1. Halbzeit bin ich sehr enttäuscht, zu inkonsequent im Angriff, in der Abwehr fehlte die Absprache", monierte Kästl.
Kurz vor dem Pausenpfiff gab es aber eine Situation, die der Grundstein für den TS-Sieg werden sollte: Kästl brachte Annika Bernhardt für die an diesem Tag nicht ins Spiel findende Martina Ebersberger zwischen die Pfosten. Innerhalb von drei Sekunden wehrte diese zwei unhaltbar erscheinende Würfe auf ihr Tor spektakulär ab. "Annika war unser Matchwinner gegen einen sympathischen Gegner, der aber in dieser Formation nicht viel ausrichten wird", analysierte ihr Coach.


Bernhardt wird zum Rückhalt

Dank dieser Erfolgserlebnisse wuchs die junge Torfrau nach dem Wechsel über sich hinaus und war speziell von der 31. bis zur 50. Minute mit starken Aktionen der Rückhalt in einer immer noch nicht ausreichend aufeinander abgestimmten Abwehr. Ihre Vorderleute schafften nämlich erst in der 42. Minute erstmals die Führung, die sie nicht mehr abgaben.
Im Gegenteil: Plötzlich fand Herzogenaurach über den nie ermüdenden Kampf mit ständigen Tempogegenstößen zum zählbaren Erfolg. Hier zeigte sich speziell ab der 51. Minute (21:20), wie wertvoll die Neuzugänge sind, denn Kästl, der den Gegner mehrfach mit taktischen Maßnahmen unter Druck setzte, konnte immer wieder frische Akteure einwechseln. Derart überfordert, brach der TSV in den letzten neun Minuten völlig ein, wodurch es zum Zehn-Tore-Vorsprung bei Abpfiff kam.
"Wir konnten einen klassischen Fehlstart gerade noch abwenden", sagte Kästl hinterher erleichtert. Bei der TSH überzeugte neben Bernhardt erneut die junge Laura Wedrich mit ihrem schnörkellosen und mutigen Spiel. Saskia Probst, anfangs völlig von der Rolle, zeigte nachhaltig, wie wertvoll sie für ihr Team ist. Nach 15 Anfangsminuten voller Pech und Pannen erzielte sie zehn Tore. Und dann war da noch die routinierte Kreisläuferin Lena Mergner, die zwar noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist, aber in brenzligen Situationen eingewechselt wurde und die jungen Münchnerinnen sofort vor Probleme stellte.
Aufgrund personeller Ausfälle konnte man keine Galavorstellung erwarten, die TSH muss erst in die Saison hineinfinden. Umso wichtiger war es, als Sieger vom Feld zu gehen, auch wenn die Höhe die Startprobleme nicht widerspiegelt.
TSH: Bernhardt, Ebersberger - Kräck, Stephan (5), Theobald, Wedrich (7/1), Probst (10), Friedl (1), Mergner (3), Küffner (3), Lang, Merz (1 ), Erdmann (3)





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