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Querläufer (147)

Eingeholt von der Vergangenheit

Jochen Brosig vom FSV Großenseebach erzählt in seiner FT-Kolumne diesmal von der Zeit im Nach-Achillessehnen-Jahrzehnt.
Jochen Brosig  Foto: privat
 
Samstag. 14 Uhr. Weisendorf. 23 Grad. Der Querläufer steht an der Startlinie des 31. Hochstraßenlaufs. An den Füßen seine Adidas-Rennschlappen von damals. Auf der Haut die alte Funktionskleidung. 2002, bei seinem ersten Start in Weisendorf brandneu, jetzt blättert die Schrift ab. Auf der Nase seine alte Sonnenbrille. Das rechte Glas hat einen Sprung. Wie ihr Träger war sie damals noch strahlend frisch. Jetzt löst sich die Farbe ab. Der Läufer damals noch im besten Saft, heute im Nach-Achillessehnen-Jahrzehnt. Retro-Läufer.

Es ist quasi wie bei Rockkonzerten mit den Größen von damals. Da stehen sie vor den Konzerthallen in Ganzkörper-Jeans-Bekleidung. Die Haare lang, aber ergraut. Oben spielt Genesis, Jethro Tull oder die "Stones". Manchmal wackeln sie mit dem Fuß, dann wieder mit dem Kopf. Und wenn einer fragt, ob sie ein Bier wollen, antworten sie: "Nein, ich muss noch fahren." Die Retro-Jugend beamt sich gerade in der Zeit zurück.

Vom Startschuss werden wir auf die Strecke geschickt. Keine 500 Meter flach, da geht es auch schon bergauf. Der Hochstraßenlauf ist noch eine ehrliche Veranstaltung. Keine überhöhten Startgelder. Groß und Klein kommt für das gemeinsame Hobby zusammen. Die Zeiten werden zwar nicht handgestoppt, aber es funktioniert alles im kleinen Rahmen. Die Teilnehmer müssen nicht durch brennende Reifen springen, über Hindernisse klettern oder durch Wildbäche marschieren. Am Start stehen nicht Zehntausende, sondern lediglich etwas mehr als Hundert. Man kennt sich. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre.

Der Retro-Läufer gelangt über einen kurzen Anstieg zur Hochstraße. Weiter geht es. Retro-Läufer und Retro-Jugend haben einiges gemeinsam. Sie gucken alte Filme mit Hubschraubern oder Bruce Willis. Kommt das Wochenende, haben sie keinen Bock auf die digitale Welt. "Ehrlich" ist das Zauberwort für alles, was damals gut war. Rockmusik, Autos, Filme. Die alte Strecke des Hochstraßenlaufs war aber auch wirklich besser, oder?

Vorbei am Waldmeierhof und am Museum laufen wir über Reuth in den Wald, Richtung Großenseebach. Alles auf Schotterwegen. Ein Zehner wie früher. Weg vom Start, rein in den Wald. Ohne Zuschauer, nur der Querläufer und sein Gegner. Mann gegen Mann. Oder der Querläufer allein, weil die Gegner schon vorne weg sind. Ein "ehrlicher" Zehner eben. Ein Mann, das Gelände und sein Widersacher. Das klingt fast wie aus einem Western mit John Wayne. Das waren noch Filme. Die Zeit jedoch hat sich weiterbewegt. Die Kassettenrekorder-Menschen sind alt geworden.

Am "Ziegelhaufen" biegen wir links ab. Der Wurzelweg führt uns zurück nach Reuth. Bei meinen Retro-Rennschlappen löst sich die Sohle. Damals, 2002, bei meinem ersten Start auf der Hochstraße, war ich gefühlte zehn Minuten schneller unterwegs. Die Zeiten ändern sich. Früher haben wir die Band-Namen mit Kugelschreiber auf die Federmappen gekritzelt. Manchmal kommen sie heute noch in die Stadt. "Was, die leben noch?", denke ich und kaufe Eintrittskarten.

So wie über mein Staunen über die ewig tourenden Bands wundere ich mich über meine zweite Luft. Am Reuther Spielplatz setze ich zum Zielspurt an. Überhole noch einen Jungspund vor mir. Natürlich fair vor dem Zielkanal. Er trabt locker weiter zum Wasserstand.
Ich lehne wild keuchend am Geländer. "Das ... schnauf ... war ... schnauf ... knapp ... schnauf." Mit dem Gedanken ist das kurze Gefühl, noch einmal jung zu sein, auch schon wieder verflogen.

Run happy and smile!
Euer Querläufer

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