Ein Elend auf der Elendrunde

Jochen Brosig trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal hat es ihm die Bergwelt in Kärnten angetan.
Querläufer Jochen Brosig absolvierte die Elendrunde in Kärnten - unter anderem mit Gernot Reiter (Bild). Zudem waren Manfred Rattner und Brigitte Bärnreuther auf dem 22 Kilometer langen und mit fast 1000 Höhenmetern gespickten Wanderweg dabei. Fotos: privat
 
Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der trifft interessante Menschen. Heute bewegt sich der Querläufer Jochen Brosig mit den Bergläufern Gernot Reiter und Manfred Rattner sowie Brigitte Bärnreuther abseits von jeglichem Wettkampfstress auf der "Elendrunde" in der Region Lieser-Maltatal in Kärnten. Klingt furchtbar, ist aber in Wahrheit eine landschaftlich großartige Wanderung. Der Lohn aller Mühen, so wird uns jedenfalls versprochen: Ein fantastischer Ausblick über die Schwarzhornseen auf die Hochalmspitze.

Querläufer:Elendrunde. Wer hat sich den Namen ausgedacht? Und ist die Tour wirklich so schlimm?
Gernot Reiter: Des mit dem Namen wiss' mer ned, aber a Elend is scho auf der Runde. Wirst schon seh'n.

Aha, denkt sich der Flachlandtiroler. Das kann ja heiter werden. Wir starten am Parkplatz Kölnbreinsperre, den wir über die Maltatal-Hochalmstraße erreicht haben. Vom Parkplatz führt ein relativ ebener Weg an der Seite des Kölnbreinspeichers entlang. Aber was ist in Kärnten schon flach? Eingerahmt von den Bergspezialisten setzen wir uns in Bewegung. Für die Tour haben wir bestes Wetter abgepasst. Kein Wölkchen am strahlend blauen Himmel. Wir laufen bis zur Einmündung ins Kleinelendtal.
Vor der Kleinelendbrücke zweigen wir rechts ab, nach kurzer Zeit erreichen wir den Enzaboden mit der Kleinelendhütte. Nun folgen wir dem Almweg in Richtung Talschluss. Weiter geht es vom Mitterboden kurz ansteigend zum Steinkarboden. Dort überqueren wir die Brücke über den Kleinelendbach.

Querläufer:Wie geht es weiter? Der anstrengendste Teil steht ja noch bevor oder?
Manfred Rattner: Stimmt. Erst geht es etwas mühsam durch Blockschuttfelder bis zum höchsten Punkt der Tour - der Zwischenelendscharte. Hier sind erhöhte Aufmerksamkeit und Trittsicherheit gefordert. Der Aufstieg wird sich etwa eine Stunde hinziehen.

Das Geröll nimmt und nimmt kein Ende. Immer wieder müssen wir auf wackeligen Steinen ausbalancieren. Die rot-weiße Markierung zeigt uns den Weg. Ohne sie wäre kein Pfad erkennbar. Die Luft wird dünner, das Atmen fällt schwer. Laufen ist natürlich längst nicht mehr möglich. Große Steine, kleine Steine, es wird immer steiler. Doch dann haben wir es geschafft. Der höchste Punkt (2692 Meter) ist erreicht. Vor uns liegt der Schwarzhornsee. Dahinter die Hochalmspitze, die sich im See spiegelt.

Querläufer: Für dich war der Anstieg nach all deinen Bergläufen wahrscheinlich kein Problem.
Brigitte Bärnreuther: Du bist auch immer zu Scherzen aufgelegt. Tatsächlich bin ich gut vorbereitet. Nebelhorn-Berglauf und Großglockner-Berglauf sind auch kein Pappenstiel. Doch diese Tour geht ganz schön in die Beine. Es fühlt sich jetzt schon nach Muskelkater an.

Ein anspruchsvoller Abstieg über Geröllfelder steht uns noch bevor. Und es wird noch steiler. Dann sind wir am unteren Schwarzhornsee. Wir folgen dem Weg entlang des Ufers, das Großelendtal überblickend. Wir nehmen den Weg zur Osnabrücker Hütte. Dafür müssen wir eine sehr steile Stufe hinab ins Tal bewältigen. Vorsicht! Vor allem beim Wasserfall Fallbach. Die Stelle ist mit Seilen gut gesichert. Am Fuße des Wasserfalls laufen wir über Almweiden zur Hütte. Hier stärken wir uns, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Von hier aus geht es über einen breiten, relativ ebenen Weg entlang des riesigen Kölnbreinspeichers zurück zum Ausgangspunkt. Aber was ist in Kärnten schon eben?

Fazit: Die Elendrunde ist eine landschaftlich großartige, aber Ausdauer erfordernde Route über die knapp 2700 Meter hohe Zwischenelendscharte. 22 Kilometer, also ungefähr ein Halbmarathon, mit 970 Höhenmetern. Die Tourdauer ist für Wanderer mit sieben Stunden angegeben. Wir waren in vier Stunden zurück am Ausgangsort. Wo es möglich war, sind wir gejoggt. Gutes Wetter und Erfahrung sind Pflicht. Trekkingschuhe sind empfehlenswert. Hinterher ist im Gasthof Kölnbreinstüberl für Stärkung gesorgt.

Run happy and smile!
Euer Querläufer

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