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2. Handball-Liga

Nie geführt, trotzdem nicht verloren

Der HSC 2000 Coburg muss sich in Wilhemshaven mit einem 25:25-Unentschieden begnügen. Florian Billek vergibt mit der Schlusssirene den Siegtreffer.
Markus Hagelin setzte sich in Wilhemshaven mehrmals erfolgreich am Kreis durch.  Foto: Iris Bilek
 
von RALPH BILEK
Die Defizite im Rückraum des HSC 2000 Coburg sind derzeit unübersehbar - so auch beim Gastspiel beim Wilhelmshavener HV am Samstagabend, das in einem glücklichen 25:25-Unentschieden mündete. "Auf den ersten Blick ist es schwer zu sagen, ob es ein Punktverlust oder Punktgewinn ist. Nach dem Spielverlauf ist es gut, dass es noch ein Punkt geworden ist, aber unterm Strich ist es ein Punkt zu wenig. Wir haben uns 60 Minuten von der Hektik anstecken lassen", zeigte sich Coburgs Trainer Jan Gorr enttäuscht.

Zu keinem Zeitpunkt der Partie hatte Coburg in Führung gelegen und mit ein bisschen Glück hätten sie trotzdem noch den Siegtreffer erzielt: Mit der Schlusssirene traf Florian Billek allerdings nur den Pfosten. Doch kurz zuvor hatte der Rechtsaußen zwei Riesenmöglichkeiten liegengelassen und sparte deswegen auch nicht mit Selbstkritik: "Wir kommen ran und ich mache zwei Dinger nicht. Das muss ich mir ankreiden, deswegen kann ich nicht zufrieden sein"

Zwei Punkte wären auch zu viel des Guten gewesen, aber Gorr meinte: "In ein paar Wochen fragt keiner mehr, wie das zustande gekommen wäre. Fakt ist, es ist gut dass wir nach dem Spielverlauf einen Punkt haben, aber ich erwarte mehr von meiner Mannschaft. Unsere Baustellen, die wir heute gesehen haben, müssen wir abstellen. Auch im Gegenstoßverhalten können wir noch mehr Potenzial rausholen." Gorr hätte den designierten Neuzugang Marko Neloski gerne dabei gehabt, musste sich aber damit arrangieren, dass es nicht geklappt hatte.

Wilhemshavener HV -
HSC Coburg 25:25 (13:13)

Gleich im ersten Angriff ging Romas Kirveliavicius der Ball verloren und zudem kassierte er eine Zeitstrafe, weil er den Ball nicht regelgerecht abgelegt hatte. Gorr brachte den zusätzlichen Feldspieler, doch die Fehler mit dem vielleicht zu harzigen Ball setzten sich fort. Im nächsten Angriff brachte Stefan Lex das Spielgerät nicht richtig weg und prompt stand es 2:0. Einem frühen Rückstand hinterzulaufen wollte Gorr eigentlich unbedingt vermeiden. Im Angriff fehlte die Abgeklärtheit, so vergab Felix Sproß nach einem Ballgewinn frei vor dem Heimkeeper Dennis Doden. Auch in der Deckung passte es bei den Coburgern noch nicht so richtig. Immer wieder kam der WHV mit kluger und übersichtiger Spielanlage frei im Rückraum zum Wurf oder der Kreisläufer stand frei. Gorr reagierte, Riehn und Linhart kamen und Coburg zwischenzeitlich auf einen Treffer heran.

Das Spiel der Vestestädter wirkte nun etwas geordneter. Denn die auf die linke Rückraumseite des HSC versetzte 5:1-Deckung der Gastgeber sorgte schon für Probleme im Spielaufbau bei den Coburgern. Dann war es Torhüter Oliver Krechel, der mit dem 9:9 den erstmaligen Ausgleich erzielte, als das Tor der Gastgeber für einen zusätzlichen Feldspieler verwaist war. Ab diesem Zeitpunkt ließ Coburg nicht mehr locker, ging jedoch nie selbst in Führung. Bei zwei Treffern in der Schlussphase der ersten Halbzeit hatte der WHV Glück.

Erst sprang ein von Krechel parierter Strafwurf dem Werfer direkt wieder in die Arme, der sich die Chance nicht nehmen ließ. Vor dem 13:12 war Daniel Andrejew klar durch den Kreis hinter den Coburger Deckungsspielern gelaufen.

Nach dem Wechsel hätte Wilhemshaven nach 40 Sekunden mit zwei Toren führen müssen, nutzte aber eine Großchance nicht. So blieb es beim seit der 24. Minute andauernden Spielverlauf: Der WHV legte ein Tor vor, der HSC macht den Ausgleich. Doch Coburg hatte weniger die Option, in Führung zu gehen. Vielmehr hatten die Gastgeber Möglichkeiten wieder auf zwei Tore vorzulegen, was dann beim 17:15 (40.) passierte.

Reihenweise fanden überhastete Würfe der Coburger nicht ihr Ziel. Der HSC mühte sich mehr schlecht als recht und kam nie so richtig in die Partie. Das fand auch Till Riehn: "Man hat gesehen, dass wir im Angriff limitiert sind, da passt noch lange nicht alles."

Trotzdem wäre fast noch der Punkte-Doppelpack möglich gewesen, denn die Hausherren mussten dem kräfteraubenden Spiel nach und nach Tribut zollen. Davon profitierte Coburg, die den Rückstand, der zwischenzeitlich vier Tore betrug, Stück für Stück abknabberten. Endlich klappte auch mal ein Konter, denn meist war das Rückzugsverhalten von Wilhelmshaven vorzüglich und Florian Billek abgeschirmt. Gorr dazu: "Es gibt noch eine andere Seite." Billek vergab aus der Mittelposition vom Kreis, nachdem er seinen Gegenspieler umkurvt hatte. Nur zwei Minuten später wird er auf außen frei gespielt und wieder bleibt Doden im WHV-Tor der Sieger. Aber in der Deckung ließen die Coburger in den letzten sieben Minuten nur einen Treffer zu - die Grundlage für den Punktgewinn, auch wenn die Gastgeber über die gesamte Spielzeit gesehen auch da Vorteile hatten. "Wilhelmshaven hat eine unheimlich aggressive Deckung gespielt, mit der wir nicht zurechtgekommen sind. Es zeichnet uns aber schon seit Jahren aus, dass wir uns selten geschlagen geben", so Dominic Kelm.



Stimmen zum Spiel:

Jan Gorr (HSC-Trainer): "Wilhelmshaven hat es gut gelöst, extrem lange gespielt. Wir waren bis zum Ende nicht geduldig genug und haben noch unnötige Tore zugelassen in der Abwehr. Noch deutlicher hat man das im Angriff gesehen. Viele Aktionen waren zu hektisch, da erwarte ich mir mehr Abgeklärtheit, da müssen wir schlauere Lösungen finden."

Florian Billek (HSC-Rechtsaußen): "Ich bekomme das bei den Kontern nicht so mit und denke es waren ein zwei Situationen, wo wir es hätten riskieren können, den langen Ball auf mich zu spielen, obwohl meine Gegenspieler mit zurücklaufen. Mit dem einen Punkt bin ich gar nicht zufrieden. Es ist mir egal, dass wir die komplette zweite Halbzeit zurückliegen."

Dominic Kelm (HSC-Kreisläufer): "Da wir nie selbst in Führung gelegen haben, ist das Ergebnis leistungsgerecht. Ein Sieg wäre nach dem Spielverlauf nicht verdient gewesen, auch wenn wir den gerne mitgenommen hätten."

Till Riehn (HSC-Kapitän): "Wenn man den Spielverlauf sieht, ist das Unentschieden gerecht. Phasenweise war Positives zu sehen, wie wir miteinander spielen. Das müssen wir steigern und unsere Alternativen werden irgendwann auch wieder größer."





Wilhelmshavener HV - HSC 2000 Coburg 25:25 (13:13)


HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel (1); Philipp Barsties, Markus Hagelin (3), Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (1), Dominic Kelm, Petr Linhart (2), Sebastian Weber, Stefan Lex (1), Benedikt Kellner, Florian Billek (8/2), Till Riehn (2), Tobias Varvne (7), Romas Kirveliavicius
Trainer: Jan Gorr

Wilhelmshavener HV: Dennis Doden, Frederick Lüpke; Rutger Ten Velden, Sebastian Maas (3), Fabrice Lehmann, Lukas Kalafut (4), Kay Smits (7/4), Duncan Postel (3), Evgeny Vorontsov (3), Janik Köhler, Jonas Schweigart, Matej Kozul, Tobias Schwolow (3), Daniel Andrejew (2)
Trainer: Christian Köhrmann
SR: Frederic Linker / Sascha Schmidt
Spielfilm: 2:0 (4.), 4:2 (9.), 5:2 (12.), 6:3 (14.), 6:5 (16.), 8:5 (19.), 8:7 (21.), 9:9 (24.), 10:10 (25.), 11:11 (27.), 13:13 - 14:14 (32.), 15:15 (35.), 18:15 (41.), 19:17 (44.), 21:17 (45.), 21:18 (47.), 23:20 (49.), 23:21 (51.), 24:22 (53.), 25:23 (54.), 25:24 (55.), 25:25
Zuschauer: 1137
Strafminuten: 10 (Köhler, Vorontsov 4, Kalafut, Maas) - 4 (Kirveliavicius, Kelm)
Siebenmeter: 3/4 (Smits scheitert an Krechel)- 2/2
Beste Spieler: Schwolow, Smits - Varvne, Riehn

zum Thema "HSC 2000 Coburg"

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