Handball-Fieber in Franken: das große Trainer-Interview

Die drei Top-Teams Nordbayerns haben sich in Deutschland einen Namen gemacht. Ein Trainer-Gespräch über die Saisonziele und die Chancen für die Region.
Gemeinsamer Besuch bei der Mediengruppe Oberfranken in Bamberg (von links): die Trainer Jan Gorr (HSC Coburg), Matthias Obinger (DJK Rimpar Wölfe) und Robert Andersson (HC Erlangen).  Fotos: Matthias Hoc
 
von CHRISTIAN PACK
Zwei Teams in der "stärksten Liga der Welt", ein ambitionierter Zweitligist: Mit dem HC Erlangen, dem HSC 2000 Coburg und der DJK Rimpar Wölfe bekommen die Fans in Franken echten Spitzenhandball geboten. Grund genug, Robert Andersson, Matthias Obinger, und Jan Gorr kurz vor dem Saisonstart an einen Tisch zu holen.

Die Vorbereitung neigt sich dem Ende. Wie lautet das Fazit?
Robert Andersson: "Es lief nach Plan. Bis auf den Kreuzbandriss von Uros Bundalo gab es bei uns keine schwere Verletzung. Wir haben aber mit Stanko Sabljic schnell eine gute Lösung gefunden. Auch die Ergebnisse haben gepasst, das Zusammenspiel mit den neuen Spielern klappt schon ganz gut. Wir sind auf einem guten Weg."
Matthias Obinger:"Wir hatten keine Verletzten, was einen als Trainer immer freut. Da hat sich die Arbeit im präventiven Bereich bezahlt gemacht. Ein Highlight war sicher das Testspiel gegen Erlangen. Trotz der knappen Niederlage haben wir gegen einen Hochkaräter eine sehr gute Leistung gezeigt."
Jan Gorr: "Es war bei uns alles dabei, was man in so einer Vorbereitung braucht: Durchaus gute Ergebnisse, aber auch wichtige Erkenntnisse, dass noch nicht alles perfekt läuft. Wie beispielsweise bei der 23:28-Niederlage gegen Eisenach. Aber auch solche Momente sind wertvoll."

Am Wochenende sind alle drei Teams bei Pokalturnieren im Einsatz. Kai Wandschneider von der HSG Wetzlar bezeichnet den Modus als "Schnapsidee".
Gorr: "Es ist definitiv nicht einfach, Zuschauer in die Halle zu bekommen. Letztes Jahr waren am ersten Tag gerade einmal 400 Fans vor Ort. Das ist für uns massiv unterdurchschnittlich. Die Idee finde ich aber grundsätzlich gut. Es geht ja darum, sozusagen einen Spieltag zu sparen, damit der Terminkalender entzerrt wird. Einen Kompromiss fände ich deshalb nicht schlecht: In der ersten Runde bleibt alles beim Alten und anschließend wird das Pokalturnier gespielt."
Obinger: "Der Flair des Pokals, bei dem auch der Underdog die Halle voll bekommt, geht dadurch etwas verloren. Für uns als Zweitligist ist das Turnier aber eine Reifeprüfung. Wir spielen gegen einen Ligakonkurrenten und dann im möglichen Finale gegen Göppingen. Dann hat man vor Saisonstart zwei richtig gute Spiele."
Andersson: "Da kann ich meinen Kollegen nur zustimmen. Der alte Modus hatte seinen Charme, die neue Variante finde ich aber auch okay."





Eine neue Regel wurde bei Olympia von einigen Mannschaften erstmal getestet: der siebte Feldspieler ohne Leibchen. Wie bewertet ihr diese Neuerung?
Obinger: "Für uns birgt es durchaus neue Möglichkeiten, weil wir so gegen stabile Abwehrreihen eine Überzahl erreichen können. Ich glaube aber, dass einige Teams diese Variante nur punktuell einsetzen."
Andersson: "Ich bewerte die Neuerung nicht so positiv. Ich bevorzuge den Handball von früher: Sechs gegen Sechs, und wenn ein Team eine Strafzeit erhält, dann ist eben Überzahl. Bei Olympia haben einige Mannschaften mit der neuen Regel angefangen, es aber wieder verworfen. Ich denke, dass die Neuerung eher Unruhe bringt. Wir haben auf jeden Fall nicht die Spieler, die das dauerhaft spielen können und wollen."
Gorr: "Wir bereiten uns wie alle auf diese neue Regel vor. Ich persönlich sehe aber auch die Gefahr, dass der Charakter unserer Sportart komplett verändern werden könnte. Dann würde ein anderes Spiel entstehen. Und das aus meiner Sicht ohne Not."

Bis auf den TV Großwallstadt sah es in Bayern, was den Spitzenhandball betrifft, die letzten Jahrzehnte eher mau aus. Mittlerweile hat sich speziell in Franken Einiges getan. Kann sich im Norden Bayerns etwas Größeres entwickeln?
Andersson: "Ich glaube ja. Es wird natürlich für alle Teams ein langer, harter Weg. Aber es gibt hier gute Voraussetzungen und man sieht, dass hier Vieles richtig gemacht wird."
Obinger: "Ich denke, die Etablierung hat schon längst stattgefunden. Die Strukturen in Erlangen und Coburg sind ja schon länger top und auch wir wollen uns zukunftsfähig aufstellen. Durch die Entfernung und die unterschiedlichen Philosophien kommen wir uns auch nicht in die Quere. Außerdem belebt die Konkurrenz das Geschäft."
Gorr: "Die drei Vereine haben es geschafft, sich in den deutschen Top-Ligen zu etablieren. Entscheidend ist aber immer, wie man mit seinen Möglichkeiten längerfristig umgeht. Erlangen hat das schon gut vorgemacht. Sie haben von den drei Mannschaften aktuell die besten Rahmenbedingungen. Wichtig ist es, die Nachwuchsarbeit und damit das Fundament zu stärken."





Die Aufsteiger aus der zweiten Liga werden von Jahr zu Jahr konkurrenzfähiger. Woran liegt das?
Obinger: "Das hat viel mit der Eingleisigkeit der zweiten Liga zu tun. Seit der Einführung ist das Niveau rasant gestiegen. Ich glaube, dass Erlangen, Minden und Coburg den Klassenerhalt schaffen können. Ich wünsche mir, dass alle drei Aufsteiger drin bleiben."
Gorr: "Die Tendenz geht dahin. Aber ich finde, dass es noch lange nicht so ist, dass die Aufsteiger eine Klasse höher immer sofort konkurrenzfähig sind. Da gab es in den letzten Jahren bei einigen Vereinen auch häufig schon ein Kommen und Gehen."

Die sechs Derbys waren letzte Saison für alle drei Teams ein Highlight. Wie problematisch ist es für die DJK, dass Coburg und Erlangen aufgestiegen sind?
Obinger: "Es fehlt schon etwas. Alleine schon, was die Emotionalität betrifft, das waren alles tolle Spiele. Außerdem war unsere Halle auch immer voll."

Dann muss Rimpar wohl nachziehen?
Obinger: "Wir haben ja das "Projekt 2020" ausgerufen. Das heißt allerdings nicht, dass wir bis dahin aufgestiegen sein müssen. Aber natürlich wollen wir irgendwann in der zweiten Liga oben mitspielen. Dafür wurde zuletzt viel Kraft in den Unterbau investiert, um ein vernünftiges Fundament zu schaffen. Aber wir werden nichts über das Knie brechen."

Wie groß ist die Konkurrenz der Fußballer und Basketballer in Würzburg?
Obinger: "Alleine vom Sponsoring müssen wir das Einzugsgebiet Würzburg bedienen. Mit den beiden Vereinen gibt es aber keine Probleme. Wir kommen uns nicht in die Quere."





Beim HC Erlangen war der Umzug in die Arena in Nürnberg ein Glücksgriff.
Andersson: "Bis jetzt klappt das einfach super. Die Halle ist toll, die Heimspiele sind immer ein Event. Und auch wenn wir nur in Erlangen trainieren, haben sich die Spieler in Nürnberg sofort wohl gefühlt."

In Coburg ist die Euphorie immer riesig. Wie ist die Stimmung aktuell?
Gorr: "Die Aufstiegseuphorie ist nach wie vor zu spüren. Ich bin gespannt, ob sich die Fans mit unserer neuen Rolle anfreunden können. Die Erwartungshaltung war zuletzt ja immer immens bei uns. Und jetzt starten wir auf Platz 18, haben eine Außenseiterrolle. Es wird darauf ankommen, dass die Halle bei Heimspielen, in denen wir auf Augenhöhe sind, zum Hexenkessel wird - auch wenn wir vielleicht davor ein paar Spiele verloren haben."

Alle drei Vereine haben Eines gemeinsam: ein sehr schweres Auftaktprogramm Anfang September.
Gorr: "Wir treffen auf Melsungen und die Rhein Neckar Löwen. Wir freuen uns riesig auf diese Spiele, auch wenn es zwei echte Hausnummern sind. Die Spiele werden auch sehr interessant, weil wir sehen können, was fehlt und wo wir stehen."
Obinger: "Die Auswärtsspiele in Wilhelmshaven und Aue sind ganz schön sportlich. Wir wollen aber punkten, ein guter Start ist wichtig. Denn eines ist klar: Wir wollen einen besseren Tabellenplatz als im Vorjahr erreichen."
Andersson: "Wir spielen gegen Flensburg und Melsungen. Das sind schwere Herausforderungen. Aber wir wollen uns genau mit diesen Teams messen. Wir können ohne Druck spielen, wollen aber Selbstvertrauen tanken. Denn dann kommen Lemgo und Stuttgart. Und da müssen wir bereit sein."
Das Gespräch führte Christian Pack.

zum Thema "Sport in Franken"






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