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1. Handball-Bundesliga

HSC wieder mal in der Zeitschleife

Strafwürfe, Comebacks und Emotionen: Am Ende ist für die Coburger alles wie schon so oft, denn auch gegen Wetzlar reichte es beim 27:28 nicht zu Punkten
Stefan Lex feierte zehn Wochen nach seinem Mittelfußbruch mit vier Treffern ein starkes Comeback Foto: Timo Geldner
 
von RALPH BILEK
Die Partie des HSC 2000 Coburg gegen die HSG Wetzlar hatte etwas von "Und täglich grüßt das Murmeltier". Denn wie schon so oft in dieser Saison haben die Coburger sich mit einem etablierten Erstligisten auf Augenhöhe präsentiert, die Punkte aber gingen mit einem 27:28 an den Gegner. Vorstandssprecher Stefan Apfel wollte gar kein Statement abgeben, sagte nur schmunzelnd: "Nimm eins der Interviews der letzten Wochen, das passt."

Es passte wirklich so vieles - da waren die im Vergleich vielen Strafwurfpfiffe, die gefühlten Benachteiligungen aufgrund unterschiedlicher Regelauslegungen, die mehreren Aufholjagden der Coburger, die sie sich aber auch immer wieder selbst zunichtemachten und natürlich das bittere Ende.


Hattrick zum 700. Tor

"Mich hat ein Spiel selten emotional so mitgenommen", musste selbst Jan Gorr nach der Partie zugeben. Einer Partie, die auch zeigte, was hätte sein können, wären die Coburger einigermaßen verletzungsfrei durch die Saison gekommen oder wie es Gorr formulierte: "Beide Langzeitverletzte, Wetzel und Lex, haben angedeutet, was mit ihnen als dauernde Alternative möglich gewesen wäre." Stefan Lex zeigte nur zehn Wochen nach seinem Mittelfußbruch ein glänzendes Comeback, spielte im Angriff fast komplett durch. Neben ihm wirbelten Wetzel, Büdel und Kirveliavicius, nicht immer fehlerfrei, aber mit ungeheurem Engagement. Ein Comeback nach seiner Bauchmuskelzerrung gab es nach der Halbzeitpause für Florian Billek, der im zweiten Durchgang fünfmal traf. Darunter ein lupenreiner Hattrick innerhalb von 104 Sekunden zum 27:28 in der Schlussphase. Gleichzeitig war sein letzter Treffer das 700. Erstligator des HSC.

Der Verlauf der Partie hätte eine gute Vorlage für einen spannenden Krimi geben können. Die 2.561 Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Apropos Krimi: Unter den Besuchern war auch Kommissar Sebastian Fleischer alias Andreas Leopold Schadt aus dem Franken-Tatort. Der erlebte mit, wie der dritte Offizielle Thorsten Zacharias gegen die traditionell im Zugang zu den Umkleiden hinter dem Kampfrichtertisch stehenden Florian Dotterweich, Steffen Ramer, Thomas Krug und Hakan Balkan ermittelte und diese von dort verbannte, weil "in unserer Gruppe einer eine kleine emotionale Eskalation hatte, was dem dritten Offiziellem missfiel", formulierte es HSC-Geschäftsführer Florian Dotterweich nach dem Spiel.

Gleich vier Spieler ließ Jan Gorr aufgrund deren Verletzungen passiv auf den Spielberichtsbogen schreiben - Adnan Harmandic, Florian Billek, Stefan Lex und Girts Lilienfelds.


HSC in Trauerflor

Nach einer Gedenkminute für das verstorbene HSC-Gründungsmitglied und den langjährigen Vorstandsfunktionär Jürgen "Wallus" Walter, der nach schwerer Krankheit verstorben war, begann eine intensiv geführte Partie, in der die Coburger mit Trauerflor spielten. 0:2 stand es nach vier Minuten, an beiden Toren der Wetzlarer war Jannik Kohlbacher beteiligt, einmal holte er den Strafwurf raus, das andere Mal traf er selbst. Jan Gorr hatte im Vorfeld ausdrücklich vor seinen Fähigkeiten gewarnt. Die HSC-Fans mussten lange sechs Minuten auf den ersten Treffer ihrer Mannschaft warten, auch weil Markus Hagelin es zentral frei am Kreis mit einem Heber über Buric im Wetzlarer Tor versuchte, und man sonst kaum Lücken in der HSG-Abwehr fand. Das nutzten die Gäste um sich auf vier Tore abzusetzen. Ausgerechnet in Unterzahl folgte dann die bis dahin beste Phase der Coburger, die mit einem Mann weniger zwei Treffer erzielten. Doch in der Folge reihte sich ein Ballverlust fast an den anderen. Wetzlar bedankte sich dafür mit einfachen Kontertoren und zog auf fünf Treffer davon.


Kohlbacher nicht zu halten

Auch sonst stand die Abwehr des HSC gerade gegen Kohlbacher anfangs nicht gerade sattelfest, der sich aber oft nicht gerade fair Platz verschaffte, so dass der dritte Offizielle Jan Gorr höflich zur Ruhe ermahnte. Der versuchte sein Team in einer Auszeit, neu einzustellen. Das war danach irgendwie präsenter, nahm die Gangart der HSG-Deckung an. Zudem zwang sie Gorr durch das Spiel mit einem zweiten Kreisläufer zu einer defensiven Abwehrvariante. Im Ergebnis konnte der HSC bis zur Pause den Abstand kaum verkürzen, aber dies spiegelt nicht den interessanten Spielverlauf wieder, mit vielen Optionen für, aber auch unglücklichen Pfiffen gegen den HSC. Denn Strafwürfe die den HSClern vor dem gegnerischen Tor verwehrt wurden, gab es vor dem eigenen Gehäuse zuhauf, fünf bis zum Pausenpfiff. Die Unparteiischen wurden daher mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine begleitet.

Zuvor hatte Oliver Krechel den finalen Strafwurf mit der Pausensirene allerdings pariert. Doch die Aufholjagd scheiterte auch an den Coburgern selbst. Als beim Stand von 10:12 ein Konter aufs HSG-Tor zurollen sollte fand der Ball nicht den Weg zu Lukas Wucherpfennig sondern prallte unglücklich an den Rücken von Markus Hagelin. Damit begannen dessen unglückliche fünf Minuten. Denn erst stand er bei einem Torerfolg im Kreis, wenn auch nur ganz knapp, und wenig später scheiterte er frei am Kreis. Zwischendurch versuchte es Lukas Wucherpfennig vergeblich Torhüter Buric zu überlisten, zwei Würfe trafen zudem nur den Pfosten. Fazit: Eine Halbzeit wie viele in der Saison.


Auch im zweiten Durchgang war gleich zu spüren, dass sich die Coburger nicht kampflos geschlagen geben würden. Zwar brachten sie Philipp Weber und Kohlbacher nie richtig unter Kontrolle, hatten sie aber immer besser im Griff. Dann war da noch der mit sehr viel Übersicht agierende Mirkulovski, der auch unter Druck noch in der Lage war, den riskanten, aber richtigen Pass zu spielen. Doch da konnte auch der HSC mithalten. Denn oft wurden sie von der Wetzlarer Abwehr in ein Zeitspiel gezwungen, bewiesen mit dem 14:17, dass sie in der Lage sind, dies auf spielerisch höchstem Niveau zu lösen. Vier Pässe von erlaubten sechs waren bereits gespielt, als der Ball zu Stefan Lex kam. Zunächst sah es so aus, als ob der HSC-Halbrechte aufs Tor ziehen würde. Im richtigen Augenblick passte er aber auf den von rechtsaußen in den Kreis springenden Billek, der dieses Zuspiel vollendete - ein Kempa-Trick vom Allerfeinsten. Allerdings versuchte auch er es wenig später erfolgslos mit einem Heber.

Doch wenig später hatte Wetzlar den alten Abstand wiederhergestellt und es war viel Platz auf dem Feld. Philipp Barsties und zwei HSGler saßen auf der Strafbank. Das nutzte Steffen Coßbau zum 17:20. Geschickt spielte Wetzlar die Zeit in Unterzahl herunter, hielte den Abstand auf drei Tore, auch weil mit Tom Wetzel der vierte HSCler mit einem Heber an Buric scheiterte. Doch jetzt war auch auf der Wetzlarer Bank viel mehr Unruhe als noch vor der Pause. Und Glück hatte Weber, dass er nach einem technischen Fehler und Freiwurf für den HSC keine Zeitstrafe bekam, weil er den Ball nicht sofort ablegte, wie es das Regelwerk vorsieht und somit einen HSC-Konter verhinderte. HSG-Trainer Kai Wandschneider spürte, dass die Partie durchaus kippen könnte, nahm eine Auszeit, stellte die Abwehr um. Trotzdem fanden die spielerisch inzwischen gut aufgelegten Coburger immer wieder Lücken, weil mit viel Übersicht agiert wurde. Da tauchte dann sogar Romas Kirvelivicius am Kreis auf, eine Position die er im österreichischen Nationalteam spielt und auch der sonst nur in der Abwehr eingesetzte Philipp Barsties traf von dort.

Gerade als es beim Stand von 20:22 so richtig spannend hätte werden können, bekam Coburg wieder zwei diskussionswürdige Pfiffe gegen sich und Steffen Coßbau scheiterte mit einem Strafwurf - wenig später stand es 21:26. Doch abermals bewiesen die Coburger eine unglaubliche Courage, ackerten und kämpften bis zur letzten Sekunde. Zwei Spieler ließ Gorr nun vorgezogen decken, völlig offen dann sogar in der Schlussminute.

Der HSC machte nach dem 23:28 vier Tore in Folge, stand aber wieder mit leeren Händen da. Das gegen einen designierten Europapokal-Teilnehmer, dessen Trainer ob des Ausgangs erleichtert war: "Zum Glück hatte ich in dieser Schlussphase noch meine dritte Auszeit." Fazit: Ein ganzes Spiel so symptomatisch für diese Saison.



Stimmen zum Spiel:

Gemeinsam mit seinem Gegenüber Kai Wandschneider ging Jan Gorr nach der Pressekonferenz vor den Sportlereingang: "Eine rauchen, das habe ich noch nie gemacht, aber ich glaube das brauche ich heute." Alleine das zeigt wohl die ganze Emotionalität dieser höchst intensiven Erstligapartie, aber trotzdem ist Gorr am Ende auch diesmal "überzeugter Nichtraucher geblieben", hatte nur geflachst. Aber deutlich anzumerken waren ihm die vorausgegangenen 60 Spielminuten allemal.

HSC-Trainer Jan Gorr:
"Es war sehr interessant, was beide Teams taktisch im Laufe der Partie so machten. Da sind viele Dinge passiert, keiner hat dem anderen etwas geschenkt. Trotzdem bin ich nicht ganz zufrieden, weil wir uns zu viele technische Fehler erlaubt und Bälle vom Kreis vergeben haben."

HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer: "Wir haben ein kampfbetontes Spiele erlebt, in dem wir uns wieder einmal nicht belohnt haben. Ich bin aber froh, dass wir endlich einmal vollzählig auf der Platte stehen konnten."

HSC-Linksaußen Steffen Coßbau: "Wir haben uns toll verkauft und waren wieder nah dran, hatten aber Pech mit der ein oder anderen Entscheidung. Wetzlar war nicht besser als wir, aber wir stehen ohne Punkte da. Wenn ich den Siebenmeter rein mache, gibt es wenigstens ein Unentschieden."

HSC-Comebacker Stefan Lex: "Wir haben uns bei dieser ärgerlichen Niederlage immer wieder selbst ein Beinchen gestellt, zu viele Bälle weggeworfen. Da wäre mehr drin gewesen. Persönlich für mich hätte ich nie gedacht nach zweieinhalb Monaten wieder auf dem Feld zu stehen und im Angriff fast durchzuspielen."

HSC-Geschäftsführer Florian Dotterweich: "Der Mannschaft kann man heute erneut keinen Vorwurf machen. Es war toll was sie kämpferisch geleistet hat, auch wenn es wieder nicht zu Punkten gereicht hat."

HSG-Trainer Kai Wandschneider: "Unsere Abwehr hat Kiwi an die Leine genommen und technische Fehler beim Gegner provoziert. Wir wussten, dass wir viele einfache Tore brauchen. Coburgs Entwicklung ist daran erkennbar, dass sie ein deutlich besseres Spiel gezeigt haben als noch im Hinspiel."

HSG-Geschäftsführer Björn Seipp: "Mit dem Behaupten des sechsten Platzes haben wir alles übertroffen was wir uns in den kühnsten Träumen erwartet hatten. Unser Ziel ist es jetzt einen neuen Punkterekord aufzustellen und wir sind auf einem guten Weg dahin."



HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (1 Gegentor, 0 Paraden), Oliver Krechel (27 Gegentore, 6 Paraden); Philipp Barsties (1), Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm, Sebastian Weber (2), Stefan Lex (4), Steffen Coßbau (8/2), Florian Billek (5), Till Riehn, Nico Büdel (3), Tom Wetzel (1), Romas Kirveliavicius (3)
Trainer: Jan Gorr
HSG Wetzlar: Benjamin Buric (27 Gegentore, 7 Paraden), Nikolai Weber(0 Gegentore, 1 Parade); Stefan Kneer, Kristian Björnsen (9/4), Filip Mirkulowski (1), Philipp Weber (8/3), Fabian Kraft, Tobias Hahn, Emil Berggren, Kasper Kvist (4), Evars Klesniks, Anton Lindskog, Stefan Cavor (3), Jannik Kohlbacher (3)
Trainer: Kai Wandschneider
SR: Christoph Immel / Ronald Klein - Spielaufsicht: Thorsten Zacharias
Spielfilm: 0:2 (4.), 1:3 (7.), 2:6 (9.), 4:6 (11.), 4:8 (13.), 5:10 (16.), 8:11 (19.), 10:12 (22.), 10:14 (24.), 12:16 - 13:17 (32.), 15:17 (34.), 16:20 (37.), 18:20 (42.), 20:22 (46.), 23:26 (55.), 23:28 (57.), 27:28.
Zuschauer: 2561
Strafminuten: 4 (Kirveliavicius, Barsties) - 10 (Kohlbacher, Cavor, Lindskog, Klesniks, Kvist)
Siebenmeter: 2/3 (Coßbau scheitert an N. Weber) - 7/8 (Björnsen scheitert an Krechel)
Beste Spieler: Lex, Billek, Coßbau - Björnsen, Kohlbacher, Ph. Weber

zum Thema "HSC 2000 Coburg"

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