Paralympics in Rio: Felix Streng aus Coburg "rockt" die 100 Meter

Der junge Mann aus Herbartsdorf in der Gemeinde Meeder erfüllte sich mit der Bronzemedaille einen Traum.
Felix Streng bei der Ehrenrunde und mit der deutschen Fahne nach dem gewinn der Bronzemedaille in Rio de Janeiro. Foto: dpa
 
von MARTIN ZILLIG DPA
Das hatte sich Felix Streng nicht träumen lassen. Der 21-jährige Sportler aus Herbartsdorf in der Gemeinde Meeder rockte bei den Paralympics in Rio de Janeiro die 100 Meter und feierte einen tollen dritten Platz - die Bronzemedaille.
Auch für seinem Verein, dem TSV Bayer Leverkusen setzte er ein weiteres Ausrufezeichen. In 11,03 Sekunden brachte der von Karl-Heinz Düe trainierte Athlet die Distanz hinter sich - und landete auf dem Bronze-Platz.


Ganz knapp an Silber vorbei

Ärgerlich war dabei nur, dass Streng Silber in seiner Schadensklasse T44 der Unterschenkelamputierten nur um eine Hundertstelsekunde verpasste. "Als die Zeit während des Laufes auf der Anzeigetafel erschien, legte er noch mal einen Sprint ein, um vor seinen Teamkollegen Heinrich Popow, Johannes Floors und all den anderen Deutschen zu jubeln, die ihn lautstark unterstützt hatten", sagte Düe nach dem 100-Meter-Finale der Unterschenkelamputierten.
Der Trainer war sichtlich gerührt und Streng, der in diesem Jahr schon sechs Mal unter elf Sekunden gelaufen war, schnappte sich eine Fahne und ging in seine Ehrenrunde.


Sechs Mal unter elf Sekunden

Nach dem einem "nicht so guten Rennen" im Vorlauf (11,12 Sekunden), lief es im Finale besser - obwohl Streng Anfang der Woche noch Probleme mit der Wade hatte: "Ich war vorsichtig, ich war fokussiert und wollte das Ding rocken, egal wie weh der Fuß tat." Sieger wurde der Brite Jonnie Peacock (10,81 Sekunden), vor dem Neuseeländer Liam Malone (11,02). Arnu Fourie (Südafrika) und Jarryd Wallace (USA), der als Medaillenkandidat galt, wurden Vierte und Fünfte.


Streng: Ich wollte es unbedingt

Felix Streng: "Gerechnet habe ich damit nicht, aber ich wollte es. Umso glücklicher bin ich."
Streng, dem im vergangenen Jahr bei der WM über 100 Meter nur Rang vier blieb, gab auch der Gedanke an die 4x100-Meter-Staffel Kraft, mit der er in Doha Weltmeister geworden war: "Ich hatte die Staffel auf jeden Fall im Hinterkopf. Jeder von uns ist dafür wichtig. Nur als Team sind wir stark. Ich denke, alle freuen sich auch mit mir und vielleicht gibt es ihnen ja auch Motivation. Für uns als Staffel-Quartett ist das sehr positiv, wenn der Drittschnellste der Welt auf Position drei läuft."


Die Staffel stand auch schon an

Gestartet wurde das Staffelrennen in der gestrigen Nacht und das deutsche Quartett hatte sehr gute Siegchancen.
Markus Rehm, Johannes Floors, David Behre und Streng bildeten das Quartett. Sie sind Weltmeister, Europameister und Erster der Weltrangliste - nur Olympisches Gold fehlt noch.
Streng, Floors und Behre laufen am 13. September auch noch über 200 Meter. Rehm äußerte sich vor dem Wettkampf mit der Staffel: "Wir haben richtig Bock auf die Staffel. Die Vorfreude ist viel größer als der Druck."
Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensport-Abteilung des TSV Bayer Leverkusen, war vor allem von Strengs Leitung über 100 Meter angetan: "Nach der bitteren Niederlage der Sitzvolleyballer aus unserem Verein tut uns seine Medaille richtig gut."
Auch Markus Rehm findet nur positive Worte für die ersten Tagen in Rio: "Es war einen riesige Ehre, als Fahnenträger ausgewählt zu werden und ein sehr emotionaler Moment." Der nächste soll dann mit der Staffel folgen.


Geboren in La Paz

Felix Streng, wurde am 16. Februar 1995 in La Paz (Bolivien) geboren. Seit 2012 ist der ohne rechten Unterschenkel auf die Welt gekommene Sprinter beim TSV Bayer Leverkusen. Seine Familie und er kamen vor 15 Jahren in den Landkreis Coburg, nach Herbartsdorf.
Felix Streng besuchte die Walldorfschule und betrieb zwar Sport, aber vom Leistungssport war noch lange keine Rede. Dass er dazu kam und auch noch nach Leverkusen, war eigentlich ein Zufall.


Die Eltern sind in Rio dabei

Felix Streng wollte nur eine Schularbeit über Behindertensport schreiben und dazu reiste er in die Leichtathletik-Hochburg Leverkusen. Das Talent wurde dort erkannt und er trat dem Verein bei - mit viel Erfolg.
In Rio de Janeiro sind seine Eltern dabei und eine große Stütze für ihn. Aber auch auf dem Hof in seinem Heimatort in Herbartsdorf, das nur um die 40 Einwohner zählt, werden die Daumen gedrückt, in der Nachbarschaft natürlich auch sowie darüber hinaus bei den Leichtathletik-Freunden in der Region Coburg. zi/dpa

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