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EHC Bayreuth: Matthias Wendel wirft hin

Hinter den Kulissen des Eishockey-Zweitligisten EHC Bayreuth brodelte es seit langem - jetzt hat der Vorsitzende die Brocken hingeworfen.
Matthias Wendel ist nicht mehr Vorsitzender des EHC Bayreuth. Foto: Rudi Ziegler
 
von CHRISTIAN SCHUBERTH
Sportlich ist beim EHC Bayreuth alles im Lot, die Mannschaft ist in der 2. Eishockey-Bundesliga DEL 2 als Aufsteiger voll konkurrenzfähig. Doch hinter den Kulissen brodelt es wieder einmal kräftig. Gestern kam es nun zum großen Knall. Vorsitzender Matthias Wendel trat überraschend von seinem Amt zurück. "Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, allerdings haben die Entwicklungen und die damit verbundenen Anschuldigungen der letzten zwei Tage meiner Frau gegenüber eine weitere Mitarbeit im Verein unmöglich gemacht", erklärte der 60-jährige Rechtsanwalt und Unternehmer.


"Die Sonnenkönigin"

Was war passiert? Zwischen Teilen der Bayreuther Fans und Margit Wendel hatte es schon mehrmals Konflikte gegeben. Diese eskalierten vor dem Derby gegen Crimmitschau, als die Frau des Vorsitzenden den Fans das Aufhängen eines überdimensionalen Plakats untersagen wollte, obwohl die Aktion mit den EHC-Verantwortlichen abgesprochen war. Margit Wendel habe sie, so schreiben die Mitglieder des Fanclubs "Mainkurve", "ohne jede Grundlage angeschrien und mit Vehemenz aus dem Stadion geworfen". Die Fans hatten Margit Wendel in einem öffentlichen Brief unter anderem als "Sonnenkönigin" tituliert.

Matthias Wendel verwahrt sich gegenüber dem "Nordbayerischen Kurier" gegen die Kritik an seiner Frau. Als er mit seiner Frau einige Stunden vor Spielbeginn im Stadion angekommen sei, hätten nur vier Personen die Vorbereitung für die Choreografie getroffen. Etwa 20 weitere - laut Wendel zum Teil angetrunken - hätten Eishockeytore aus dem Stadion geschafft und Fußball gespielt. "Schon allein aus Sicherheitsgründen mussten wir für Ordnung sorgen. Von unserer Seite ist da nichts falsch gelaufen", so Wendel gegenüber dem "Nordbayerischen Kurier". Margit Wendel hat beim EHC kein offizielles Amt, ist aber vom Vorstand mit bestimmten Bereichen wie Sicherheit, VIP-Bereich oder Finanzbuchhaltung betraut worden. Der Vorwurf, seien Frau führe den EHC nach Gutsherrenart, sei "Blödsinn", so Matthias Wendel.


Mitarbeiter werfen hin

Allerdings hatten auch etliche Helfer des EHC in jüngster Vergangenheit ihre Schwierigkeiten mit Margit Wendel. Ein Tigers-Insider, der nicht genannt werden will, spricht von "vielleicht einem Dutzend Mitarbeitern im Umfeld", die in diesem Jahr die Brocken hingeworfen hätten. Unter anderem trat ein Mitarbeiter der Presseabteilung zurück, nachdem er von Margit Wendel bei einer öffentlichen Fanversammlung verbal attackiert worden war.

Der 2. Vorsitzende des EHC Bayreuth, Tim Hartmann, zeigt sich vom Rücktritt Wendels geschockt, springt ihm aber bei: "Wir sind alle sehr traurig über die Entscheidung von Matthias, respektieren diese jedoch selbstverständlich und können sie auch verstehen. Die Vorkommnisse der vergangenen Tage waren seiner Frau gegenüber unwürdig." Der 2. Vorsitzende weiter: "Wir möchten uns bei Maggi und Matthias Wendel für ihren Einsatz, ihre Leidenschaft und natürlich auch für ihr finanzielles Engagement bedanken. Ohne ihre Unterstützung würden wir jetzt sicher nicht in der DEL2 spielen."

Matthias Wendel sagte zum Abschied: "Ich möchte mich auch im Namen meiner Frau ganz herzlich für eine unvergessene Zeit bei den Tigers bedanken, die uns wunderschöne Momente brachte, gegipfelt natürlich im Aufstieg in die DEL2."

Zunächst werden die beiden Vorstandsmitglieder Tim Hartmann und Florian Eagan die Geschäfte des Zweitligisten weiterführen.


Wie vor einem Jahr

Querelen um das Jahresende herum haben beim EHC Bayreuth scheinbar Tradition. Denn vor fast genau einem Jahr führten Streitigkeiten in der Führungsriege zum Rücktritt des damaligen Vorsitzenden Michael Rümmele. Überraschend kam dabei ans Tageslicht, dass der damalige Oberligist im März 2015 nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt ist.

Für Rümmele sprang Matthias Wendel, bis dato externer Berater des Vereins, in die Bresche und führte den EHC zunächst kommissarisch. Eigentlich wollte der 60-jährige nur eine Interimslösung sein. Doch ließ er sich - nicht zuletzt auch von den Fans, die die Kampagne "Pro Wendel" starteten - zu einer Kandidatur als Vorsitzender bei der Hauptversammlung des EHC im Mai überreden. Und Matthias Wendel wurde prompt ins Amt gewählt.
Zudem gab Wendel an, den Verein nach dem sensationellen sportlichen Aufstieg in die DEL 2 nicht im Stich lassen zu wollen, kratzte bei den Sponsoren die fehlenden Gelder für die notwendige Aufstockung des Etats von etwa einer Million auf 1,75 Millionen zusammen. Die letzte Lücke von 150 000 Euro konnte erst in letzter Sekunde vor Ablauf der Meldefrist für die 2. Liga geschlossen werden.

Gespannt sein darf man, ob der Rückzug Wendels auch finanzielle Folgen für den EHC hat, denn die Familie Wendel hat nicht unterhebliche private Mittel in den Verein gesteckt. Matthias Wendel war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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