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Billard/Snooker

Kneipengaudi oder Leistungssport?

Im Hinterzimmer des Stammlokals oder in der Sportsbar: Billardtische sind zum festen Bestandteil einer gut ausgestatteten Kneipe geworden - mit Vorurteilen
Gunther Zellmann breakt, also stößt an. Gegenspieler Johannes Kraus hofft, dass sein Vorstandskollege von der Acht-Ball-Crew aus Bamberg nicht auf Anhieb einlocht.  Foto: Alexander Zmenda
 
von ALEXANDER ZMENDA
Rauchschwaden wabern durch ein schlecht ausgeleuchtetes Hinterzimmer. In der Mitte ein grüner Tisch mit farbigen Kugeln. Dazu Männer mit Zigaretten im Mundwinkel und Bierflaschen auf dem Tischrand: Das ist wohl die häufigste Assoziation, wenn der Otto-Normal-Sportler an Billard denkt. Dieses Vorurteil entkräftet unter anderem die Acht-Ball-Crew (ABC) aus Bamberg. Der Verein ist bemüht, den Sport ins rechte Licht zu rücken.

"Billard hat schon immer das Image des Kneipensports gehabt, auch durch diverse Hollywood-Filme. Wir jedoch ziehen das Ganze als Hochleistungssport auf, mit Training, Ehrgeiz und Ligabetrieb", erklärt Johannes Kraus, Spieler und einer der vier Vorstände.

So trinkt der ein oder andere zwar nach dem Training mal ein Bier, bei Ligaspielen oder Turnieren sind Zigaretten und Alkohol jedoch strikt verboten. Als Vorbild im Kampf gegen Ressentiments fungiert die Trendsportart Darts, die den Sprung auf die große Bühne schaffte. Die WM wird von Millionen von TV-Zuschauern verfolgt, auch in Deutschland herrscht ein Darts-Boom - bis dahin ist es für Billard aber noch ein weiter Weg.

Doch der Sport arbeitet daran, sich reizvoller zu präsentieren. "Die Verantwortlichen haben die Spiele, die Regeln und die Modi geändert, damit das Spiel für die Zuschauer schneller und attraktiver wird. Somit dauert es nicht mehr zwei Stunden und ist nicht mehr so kompliziert", bestätigt das andere Vorstandsmitglied Gunther Zellmann.


Mehrere Variationen

Acht-Ball ist die bekannteste Form des Billards, die auch in Kneipen so gespielt wird. Der Spieler versucht, seine Farbgruppe - volle oder halbe Kugeln - komplett zu lochen, abschließend muss die schwarze Acht versenkt werden. Im Ligabetrieb werden neben dieser Form drei weitere Variationen gespielt: Beim Neun-Ball müssen die Zahlen von Eins bis Neun der Reihe nach versenkt werden. Eine Erweiterung davon ist Zehn-Ball. Hier liegt eine Kugel mehr auf dem Tisch, durch vorherige Ansage sollen Glücksstöße vermieden werden. Zu guter Letzt wird 14/1 gespielt, eine Art Endlosspiel, bei dem die letzte Kugel auf dem Tisch bleibt und die bereits gelochten wieder aufgebaut werden.

Für einen Ligakampf treten vier Spieler für ein Team an, jede Disziplin muss zwei Mal gespielt werden, nach der ersten Runde wird rotiert. Dadurch soll verhindert werden, dass sich einzelne Spieler auf eine Variante spezialisieren, es müssen mindestens zwei Spielformen beherrscht werden. Die Acht-Ball-Crew aus Bamberg hat fünf Mannschaften im Spielbetrieb. Zum Vergleich: Berlin stellt lediglich drei Mannschaften, obwohl die Anzahl der Mitglieder dort wesentlich höher ist.

Die ABC hat 60 Mitglieder, von denen 40 aktiv sind. Nicht zuletzt aufgrund des gut ausgestatteten Vereinsheims mit sieben Tischen kommen auch Spieler aus Forchheim, Schweinfurt, Coburg und Nürnberg an die Geisfelder Straße. Zwar läuft Poolbillard - so der allumfassende Begriff für die verschiedenen Spielformen - eher selten im deutschen Fernsehen, an anderer Stelle lässt sich das wachsende Interesse aber deutlich erkennen. Im Internet können via Livestream die Partien der German Tour verfolgt werden, an Beachtung mangelt es offenbar nicht: 200 000 Zuschauer verfolgten das Finale im Januar vor ihren Bildschirmen. "Das ist irre, was da im Moment abgeht. Das Interesse ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen", bestätigt Zellmann.


In der Oberliga gleich Fuß gefasst

Im Sommer schaffte die ABC den Aufstieg in die Oberliga und hat sich schnell an den Qualitätsunterschied gewöhnt. Sechs Mannschaften treten gegeneinander an, die Bamberger belegen den vierten Platz. Bei dem hohen Niveau ist Geduld gefragt. "Es kann einem wirklich passieren, dass Mannschaft A breakt, also den Anstoß hat, trifft dabei etwas und räumt dann den kompletten Tisch ab. Dann kommt Mannschaft B an den Tisch, breakt, trifft aber nichts, Mannschaft A kann wieder ausschießen. Das kann so in jede Richtung laufen", erzählt Kraus.
Gespannt darf man sein, wer den Queue am 6. Mai öfters in der Hand halten darf, da bestreitet die ABC ihr letztes Spiel gegen den AS Städtedreieck aus der Oberpfalz - garantiert ohne Zigaretten und Alkohol.


ABC Bamberg

Der Billardverein hat sein Vereinsheim in der Geisfelder Straße 48. Wer sich den Sport genauer anschauen will, kann zwei Mal im Monat an einem kostenlosen Schnuppertag teilnehmen. Infos gibt es auf der Homepage www.abc-bamberg.info oder im Facebook-Auftritt der Acht-Ball-Crew.


Snooker - wie Schach auf einem übergroßen Billardtisch

Eine besondere Variante des Billards ist Snooker. Einen Tisch mit Taschen gibt es, Kugeln und Queues auch. Doch wenngleich sich die beiden Sportarten auf den ersten Blick sehr ähneln, sind die Unterschiede zwischen den Präzisionssportarten gravierend. Der TSV Windeck Burgebrach stellt in Stadt und Landkreis Bamberg die einzige Snookerabteilung und versucht, schon die Kleinsten für den Sport zu begeistern.

"Beim Pool-Billard hat man volle und halbe Kugeln, bei uns jedoch gibt es 15 rote sowie sechs andersfarbige Bälle mit verschiedenen Wertigkeiten. Auch die Regeln sind ganz anders", sagt Abteilungsleiter Peter Hoch. So muss immer im Wechsel eine rote sowie eine farbige Kugel versenkt werden - während die roten Bälle in den Taschen bleiben, werden die bunten stets wieder auf feste Markierungen gelegt. Wenn es ein Spieler bei großem Rückstand nicht mehr schafft, mit den noch auf dem Tisch vorhandenen Bällen den Gegner einzuholen, kommt es zur namensgebenden Aktion - es wird gesnookert.

Dabei wird versucht, den Gegner durch präzise Positionierung der weißen Kugel zu einem Foul zu zwingen. Leichter gesagt als getan, denn der Snookertisch ist deutlich größer als sein Pendant beim Billard. Zudem sind die Taschen anders geschnitten, so dass sich das Einlochen wesentlich schwieriger gestaltet. "Es ist taktischer geprägt. Hier braucht man die Fähigkeit, vorauszudenken oder defensiv zu spielen und den Gegner zu analysieren. So gesehen ist es wie Schach auf einem übergroßen Billardtisch", so TSV-Spieler Martin Reißig.


Die Exoten aus Burgebrach

Seit 2005 gibt es Snooker in Burgebrach, 14 aktive Mitglieder hat der Klub. Da grenzte es im Sommer schon fast an ein Wunder, als sie den Aufstieg in die Bayernliga klarmachten. Dort bezahlte man jedoch Lehrgeld, derzeit steht der TSV auf dem letzten Platz. Umso wichtiger ist den Akteuren ein versöhnlicher Abschluss. Am Sonntag empfängt der TSV den Drittplatzierten BSC Kissingen und möchte den ersten Saisonsieg einfahren. "Wenn wir absteigen, ist das nicht so schlimm. Dann gehen wir einfach in die Verbandsliga zurück und mischen da ein bisschen mit", sagt Hoch gelassen.

Für den Abteilungsleiter zählen nicht nur Siege, er möchte auch die junge Generation begeistern. Daher wird jeden Sommer ein Ferienprogramm für Kinder angeboten. An zwei Tagen können sich die Kids am großen Tisch ausprobieren. Die Jugendarbeit trägt bereits Früchte: Das jüngste Mitglied in Burgebrach ist 16 Jahre alt.
Snooker erfreut sich vor allem in Großbritannien und China großer Beliebtheit, doch auch in Deutschland ist der Sport populär. So übertragt Eurosport alle wichtigen Turniere im frei empfangbaren Fernsehen, die hohen Zuschauerzahlen sprechen für sich. Das wohl beliebteste Snooker-Event Deutschlands ist in Franken zu Hause: Mit den jährlich stattfindenden Paul-Hunter-Classics lockt Fürth regelmäßig nicht nur viele Interessierte, sondern auch absolute Weltstars des Sports an.

Die feine Kleidung der Spieler, alle tragen Hemd mit Weste und Fliege, gab Snooker den Beinamen "Sport der Gentlemen". Die Bekleidung hat nicht nur optische Gründe. Durch die eng anliegende Weste wird verhindert, dass man eine Kugel berührt und somit ein Foul begeht. Reißig findet, dass Snooker auch kräftezehrend ist. "Die Konzentration kommt nur über Kondition zustande. Es ist ein mental sehr anstrengender Sport."


TSV Windeck Burgebrach

Der Snookerklub hat seinen Trainingsraum in der Grasmannsdorfer Straße 2 in Burgebrach. Nach vorheriger Anmeldung können sich Interessierte kostenlos an einem der drei Tische ausprobieren. Weitere Informationen unter www.tsv-burgebrach.de oder per Mail an snooker@tsv-burgebrach.de.

zum Thema "Sport in Franken"

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