Football

Majestätische Raubkatzen in der Rhön

Die Mittelstreu Tigers trainierten mit Fitnesscoach Florian Helfrich in der ehemaligen Rhönkaserne bei Oberwildflecken.
Einer zieht - die anderen haben Spaß: Die Mittelstreu Tigers nehmen am Strongman-Training in Oberwildflecken teil. Fotos: Sebastian Schmitt
 
von SEBASTIAN SCHMITT
Die majestätische Raubkatze brüllt längst auch in der Rhön. Im Mai dieses Jahres starteten die American Footballer des TSV Mittelstreu, die sich selbst "Mittelstreu Tigers Rhön-Grabfeld" nennen, in der Aufbauliga. Inklusive Testspiele stehen deutlich mehr als zehn Partien in diesem Jahr auf dem straffen Terminplan. Coach Christopher "Maniac" Schröder jagte seine Schützlinge schon im Winter bei Wind und Wetter über den Mittelstreuer Sportplatz, um das Team bis zum Saisonauftakt fitzubekommen. Auch jetzt, längst im Spielbetrieb des bayerischen Football-Verbandes angekommen, spielt die körperliche Fitness eine große Rolle. Und so kamen die Mittelstreuer Tiger an diesem Wochenende in die ehemalige Rhönkaserne nach Oberwildflecken, um sich dort unter fachkundiger Anleitung von Fitnesscoach Florian Helfrich einem spektakulären Strongman-Training unter freiem Himmel zu stellen. "Das Ergebnis von Strongman-Training ist einsetzbare Kraft, die sich in jeder Form von Kontaktsportarten wie Fußball, Hockey oder auch American Football als nützlich erweisen wird", erklärt der Wildfleckener Coach Helfrich. "Wahres Functional-Training kann nur erreicht werden, wenn ein anpassbarer Widerstand benutzt wird und gleichzeitig sportspezifische Bewegung ausgeführt werden."


Kräftezehrender Sport

American Football genießt hierzulande von Jahr zu Jahr immer größere Popularität. Und zwar nicht nur auf dem Sofa vor den Fernsehbildschirmen, sondern auch auf dem grünen Rasen selbst. Die Jagd nach Touchdowns und Interceptions ist allerdings eine kraftraubende Angelegenheit. Hartes Training im Vorfeld ist unverzichtbar. Bis in den Oktober hinein läuft die Saison in der Aufbauliga. Mit sieben Mannschaften aus dem Freistaat Bayern ist diese stark besetzt. Das Kräfteverhältnis ist allerdings teilweise ein bisschen wie bei David gegen Goliath, denn höherklassige Teams in den Ballungsräumen haben mittlerweile so viele Spieler, dass sie zweite Mannschaften für die Aufbauliga melden. Die Mannschaft der Tigers besteht komplett aus Einheimischen. Praktisch alle kommen aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld, von Bad Königshofen bis Bischofsheim an der Rhön. Das langfristige Ziel ist ein beständiger Kader mit 35 aktiven Spielern, sodass Ausfälle, verletzungs- oder terminlich bedingt, aufgefangen werden können.

Selbst eine geschlossene Rhöner Schneedecke hielt die Footballer im Frühjahr nicht davon ab, die zwei regelmäßigen Trainingseinheiten pro Woche wahrzunehmen. Auch gegenüber modernen Trainingsmethoden wie "Strongman" sind die Rhöner Footballer immer aufgeschlossen. "Der stärkere Athlet, eine gut ausgebildete Technik natürlich vorausgesetzt, wird jederzeit der überlegenere Athlet sein", sagt Coach Florian Helfrich. Diese Erkenntnis habe sich aber noch nicht in allen Sportarten bei Trainern und Eltern durchgesetzt. "Individuell angepasstes Strongman-Training ist ein sehr viel effektiverer Ansatz, um einsetzbare Kraft aufzubauen, die in vielen Kontaktsportarten äußerst wichtig ist", so Helfrich. "Als Jugendtrainer habe ich ursprünglich im Fußball angefangen, wollte dann aber etwas Neues ausprobieren und mit meinem Hobby Geld verdienen. Seit zwei Jahren bin ich in der Praxis Pluspunkt in Bad Neustadt als Personaltrainer beschäftigt. Wir sind seit dieser Saison zum Beispiel auch Kooperationspartner des TSV Großbardorf im Bereich Rehabilitation und Athletik."


Krafttraining als Konzept

Anregungen und Tipps holt sich Helfrich vor allem bei seinem Mentor "Strength-Coach" Wolfgang Unsöld aus Stuttgart. "Ich habe alle seine Seminare über Krafttraining besucht. Er betreut auch viele Leistungssportler." Und so entwickelte sich nach und nach das Konzept "Strongman Rhön", das Helfrich seit einiger Zeit für Privatpersonen, Firmen und Vereine ins Leben gerufen hat. "Die Mittelstreu Tigers hab ich über einen Patienten von uns kennen gelernt. Der macht in Bad Neustadt Reha. Ich habe mit ihm dann ein bisschen über Training philosophiert und er hat mich dem Head-Coach Christopher Schröder vorgestellt." Doch Helfrich trainiert nicht nur Mannschaften, sondern führt auch sogenannte "Before and after"-("Vorher-und-Nachher")-Programme durch. "Before and after bedeutet schnellstmögliche Körpertransformation mit Anpassung von Ernährung und Lifestyle."


Auch Sportler müssen pauken

Überall in der Region wollen die Tigers Begeisterung für den American Football wecken. Einige junge Nachwuchsspieler haben die Tigers bereits, auch einen Jugendcoach. Zudem bildet man selbst Trainer und Schiedsrichter aus. Der Sport besteht allerdings nicht nur aus körperlicher Athletik, sondern auch aus jeder Menge Theorie. Das merken die Spieler zum Beispiel bei den Sitzungen, in denen es um Playbook und Regelkunde geht. "Freedom, Family, Love" (Freiheit, Familie, Liebe) - für diese drei Grundsätze kämpfen die Tiger, natürlich mit passenden orangen Helmen. Die mussten extra lackiert werden, da es sie im Handel nicht in dieser Farbe gibt. Doch nicht nur American Football ist eine Wissenschaft für sich, auch das Strongman-Training verlangt vom Coach fundiertes Wissen und eine ausgeklügelte Technik. Bei vielen Disziplinen wird sowohl im Oberkörper als auch im Unterkörper enorme muskuläre Ausdauer benötigt. "Ein Auto zu ziehen, sieht spektakulär aus. Aber mit der richtigen Technik ist das gar nicht so schwer", sagt Helfrich. Und so ließen es sich die Mittelstreu Tigers nicht nehmen, einen Kombi samt Anhänger durch das ehemalige Kasernengelände zu ziehen. Geschafft waren die Footballer nach der Trainingseinheit zwar, aber auch zufrieden mit dem Erreichten. Eine anstrengende Premieren-Saison erfordert eben auch kreative Trainingsmethoden.
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