Volleyball

Ekstase und Kopfschütteln in Hammelburg

Nach zwei souveränen Satzgewinnen müssen die Hammelburg Volleys um den Sieg bangen, weil der Aufsteiger aus Karlsruhe unnötig stark gemacht wird.
Den Aufsteiger aus Karlsruhe wieder auf den Boden geholt haben die Hammelburger (vorne, von links)  Moritz Rauber, Oscar Benner und Aldin Dzafic.Till Oschmann
 
von JÜRGEN SCHMITT
Hammelburg Volleys - SSC Karlsruhe 3:1 (25:16, 25:19, 18:25, 25:23).
Als die Gesichtsfarbe des Trainers in ein sattes Rot überging, war klar: Gefahr! "Wir haben uns selbst Sand ins Getriebe gestreut. Die beiden Satzgewinne zuvor waren wohl zu leicht", sagte Tado Karlovic später. Längst wieder entspannt, weil seine Mannschaft trotz diverser Aussetzer ja doch gewonnen hatte. Und dafür von den 650 Fans ordentlich gefeiert wurde. Fast schien es so, als ob das Publikum Spaß an diesem Auf und Ab hatte. Zwei Sätze lang lief es wie geschmiert für die Volleys. Was durchaus überraschte aufgrund einer alles andere als perfekten Vorbereitung. Neben Aldin Dzafic, Branko Damjanovic, Henning Schulte und Libero Lukas Spachmann hatte der Volleys-Trainer die Neuzugänge Peter Wolf und Moritz Rauber in die Startformation beordert. Oscar Benner rotierte regelmäßig aufs Feld, mit starken Aktionen auf der Mittelblocker-Position.

Nach langer Verletzungspause war Zuspieler Dzafic die gewohnte emotionale Instanz auf dem Feld. Satz eins war schnell im Sack gegen überfordert wirkende Badener, die es danach besser machten, lange führten, um im Endspurt von Satz zwei doch den Kürzeren zu ziehen. Das Niveau war überschaubar, aber formidable Aktionen wie die Aufschlag-Asse von Schulte und Benner, wie der titanische Angriffsball von Damjanovic oder der Trickball von Dzafic zum Satzgewinn hielten den Lärmpegel in der Saaletalhalle hoch. "Mir war klar, dass es schwer wird, auswärts bei einem uns eher unbekannten Gegner ins Spiel zu finden. Dass das aber zwei Sätze dauern sollte, hat mich irritiert. Wir haben nicht unsere beste Leistung abgerufen, aber trotzdem mitgehalten", sagte SSC-Coach Diego Ronconi, der reichlich Spieler mit Zweitliga-Erfahrung im auch breit aufgestellten Kader hat, an diesem Abend aber verletzungsbedingt auf 2,11-Meter-Mann Jonathan-Leon Finkbeiner verzichten musste.

Aus Sicht der Saalestädter geriet der dritte Abschnitt zu einem ziemlichen Gewürge mit einer ganz schwachen Phase zum Satzende, die auch Kapitän Felix Bendikowski nicht mehr stoppen konnte. "Heute habe ich keine Lust auf einen fünften Satz", sagte Hallensprecher Olly Wendt in Richtung Publikum, sprach damit freilich mehr die Protagonisten in den neuen schwarzen Trikots an, die konzentrierter in den vierten Satz starteten (5:2), um sich wieder selbst Probleme einzubrocken. "Was besprochen war, wurde teilweise nicht zu Ende gespielt. Und wir haben viele Aufschlagfehler eingestreut. Da haben wir den Gegner unnötig stark gemacht", sagte Karlovic, der mitunter mehr in Fahrt war als seine Spieler. Der mit den Schiedsrichtern diskutierte und mit dem Trainerkollegen böse Blicke austauschte. Und der jetzt noch mehr Personal wechselte, um die erstarkten Karlsruher wieder einzufangen. Es gelang. Gerade so. "Wir hatten kleine Hänger in unserem Spiel, haben uns aber gut zurückgekämpft. Wir sind eine super Truppe, die halt noch besser zusammenwachsen muss", sagte Moritz Rauber. Der sprungstarke Außenangreifer bekam noch ein Lob vom Trainer ab. "Unsere Neuzugänge haben das sehr gut gemacht. Die haben alle eine gute Ausbildung. Das sieht man", so Karlovic, dessen Team am Samstag in Leipzig bestehen muss. Das nächste Heimspiel findet erst am 14. Oktober gegen den TSV Grafing statt.

Dass die Saaletalhalle bereits zum Saisonauftakt bestens gefüllt war, unterstreicht die anhaltende Volleyball-Begeisterung rund um Hammelburg. Dafür wird freilich auch einiges getan. Die Vorstellung der Spieler in abgedunkelter Halle wurde diesmal akustisch begleitet von Matthias Uebel, der auf seiner E-Gitarre AC/DC zum Besten gab. Rockige Klänge, die auf der Tribüne bestens ankamen dank dem neuen, von den Stadtwerken spendierten Soundsystem. Das beste Publikum der Liga hat es verdient.

TV/DJK Hammelburg - TSV Ansbach 1:3 (17:25, 26:24, 22:25, 17:25).
Nichts wurde es mit einem erfolgreichen Ligastart. "Ansbach hat ein solides Spiel gereicht. Unsere Gäste haben neben sehr guten Aufschlagen vor allem eines gemacht: fast keine Fehler. Bei uns war leider das Gegenteil der Fall. Wir haben es nicht geschafft, über unsere Aufschläge Druck zu machen und im Angriff einfach zu viele Fehler gemacht. Ziel war es, dass Conny Eichler keine Annahme bekommt, was leider zu wenig umgesetzt wurde", bilanzierte und kritisierte TV/DJK-Trainer Oliver Möller. Der erste Satz war eine klare Sache für die Mittelfranken, die sich von Beginn an quirliger und aufgeweckter präsentierten. Vor allem über den Aufschlag entwickelten die Gäste viel Druck, während bei den TV/DJK-Frauen zu wenige Bälle den Weg zur Zuspielerin Christine Fell fanden. Auf der Gegenseite verwertete Steffi Choc auch ungenaue Annahmen präzise und variabel. Verlass war auf Ansbacher Seite sowieso auf Conny Eichler, die immer wieder aufblitzen ließ, warum sie über 200 mal das Nationaltrikot trug.

Zerfahren geriet der Hammelburger Start in Satz zwei, die sich vom kämpferischen Spiel der Ansbacherinnen beeindrucken ließen. Erst beim 8:12 entdeckten die Saalestädterinnen ihren Kampfgeist und befreiten sich aus der eigenen Passivität. Die Etappe ging deswegen nach Hammelburg, weil die Möller-Mädels im Angriff endlich den Respekt vor dem bunten Spielgerät ablegten. Außenangreiferin Jana Baumgart versenkte den Satzball mit Wucht. In der Folge gab Ansbach wieder das Tempo vor, überzeugte mit guten Aufschlägen, bis Mittelblockerin Christin Heim in Block und Angriff aufdrehte und ihre Mitspielerinnen noch einmal aus dem Dornröschenschlaf erweckte. Doch anstatt endlich den Hebel umzulegen und die größere Routine auszuspielen, sorgten individuelle Fehler für den zweiten Satzverlust. Egal wie sehr sich Hammelburg nun mühte, Ansbach wirkte frischer und überzeugte durch vorzügliche Feldabwehr. Bei Hammelburg hatte man indes zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, das Spiel könne sich nochmal drehen. "Wir hatten vergangene Woche ein Testspiel gegen die Zweitliga-Mannschaft von MTV Stuttgart, da haben meine Mädels viel Selbstbewusstsein tanken können. Der Schlüssel für unseren Erfolg war die bessere Blocksicherung und Feldabwehr", sagte TSV-Trainer Wolfgang Hüttinger.

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