Fussball Landesliga

Ein gespaltenes Herz bei Sebastian Heinlein

Für den Spieler der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach ist die Rückkehr auf den Kohlenberg eine höchst emotionale Angelegenheit.
In Fuchsstadt trifft Sebastian Heinlein (links) auf seinen ehemaligen Verein und Trainer.  Foto: Simon Snaschel
 
"Das ist für mich das Spiel des Jahres." Am Samstag (16 Uhr) tritt Sebastian Heinlein mit seiner DJK Schwebenried/ Schwemmelsbach beim FC Fuchsstadt an. Jedenfalls wünscht er sich das von ganzem Herzen. Denn der Innenverteidiger musste zuletzt wegen muskulärer Probleme zuschauen. "Ich habe diese Woche individuell trainiert und bin zuversichtlich, dass es reicht." Dabei ist der 29-jährige Elektriker, was Fuchsstadt und Schwemmelsbach betrifft, wahrlich eine "gespaltene Persönlichkeit". Denn der Langendorfer zog vor kurzem nach Fuchsstadt, vier Jahre hatte er dort beim FC gespielt, ehe er zur Saison 2016/17 zur DJK wechselte. Mit Fuchsstadts Trainer Martin Halbig verbindet ihn eine ganz besondere Beziehung: Mit dem FC Westheim wurden beide 2012 Meister in der Kreisklasse.


Die Grenzen der Freundschaft

"Es gab damals ein Entscheidungsspiel ausgerechnet in Fuchsstadt um den Titel gegen Hammelburg. Eine unglaublich verrückte Kiste: In der 119. Minute ging Hammelburg in Führung, in der 120. haben wir ausgeglichen und dann im Elfmeterschießen gewonnen." Wo auch Sebastian Heinlein einen verwandelte: den Dritten. So ein Erlebnis schweißt natürlich zusammen. Andererseits darf die Verbrüderung nicht zu weit gehen. Sonst bekommt Heinlein nicht nur Ärger mit seinen Mannschaftskameraden von der DJK samt Trainer Thorsten Selzam, viel schlimmer, denn dann hängt vielleicht der Haussegen schief. Denn seine Freundin kommt aus Schwemmelsbach.

Dass der 29-Jährige überhaupt die 15 Kilometer rüber von Fuchsstadt nach Schwemmelsbach wechselte, lag auch am DJKler Felix Zöller, der seinen alten Kumpel quasi rekrutierte. Dabei rannte der Co-Trainer aber offene Türen ein. "Ich hatte gerade die B-Lizenz gemacht und mir gedacht, dass ich nochmal eine neue Herausforderung brauche, bevor ich irgendwo Spielertrainer werden könnte." Beim neuen Klub füllte Heinlein sofort bestens die großen Fußstapfen aus, die DJK-Ikone Uwe Ziegler nach seinem Karriereende hinterlassen hatte. In seiner ersten Spielzeit brachte Heinlein es auf 2583 Spielminuten bei 31 Einsätzen, nur Felix Zöller stand länger auf dem Platz (2760/32). Und das immer fair, nur sechs gelbe Karte kassierte der Abwehrmann in der ganze Saison, Platzverweise kennt er zumindest in den letzten vier Spielzeiten überhaupt nicht.

So wie für Heinlein, ist die Partie in Fuchsstadt aber auch für die anderen DJKler das Derby schlechthin. "Die meisten Spieler kennen sich bestens, sind miteinander befreundet", erzählt er. Auch an den Seitenlinien dürfte für Stimmung gesorgt sein, "700 Zuschauer erwarte ich auf jeden Fall", glaubt Heinlein. Trotz aller guten Erinnerungen an Fuchsstadt hat er den Wechsel nicht bereut."In der Mannschaft und im Verein ist ein Zusammenhalt, ein Spirit, das ist überragend. Auch vom Verein und vom Umfeld her gibt es für uns Spieler ein Rundum-Sorglos-Paket." Immerhin: Geht es nach der Statistik, wird Heinlein ein Dilemma erspart bleiben: ein Tor gegen seinen alten Verein zu schießen. "Ich bin nicht so der Abschluss-Stärkste", gibt er zu. In den letzten vier Spielzeiten erzielte Heinlein gerade mal ein Pflichtspiel-Tor. "Aber wenn doch, dann wird es ein stiller Jubel."

In den Klassiker geht Martin Halbig mit einem mulmigen Gefühl. "Mir fehlen weiter Stammkräfte, außerdem ist das Selbstvertrauen der einsatzbereiten Spieler aufgrund der ersten Ergebnisse angekratzt", weiß der Trainer des FC Fuchsstadt (15./1). Kein Sieg und kein selbst erzieltes Tor, die bisherige Bilanz fällt tatsächlich mager aus und hat die "Füchse" auf einen Abstiegsplatz rutschen lassen. Ob ausgerechnet gegen den alten Rivalen die Wende eingeläutet wird, erscheint fraglich angesichts der Personalmisere.

Urlaubsbedingt fehlen gegen die DJK Schwebenried/ Schwemmelsbach (8./4) Torhüter Frank Fella, für den Sven Eyrich im Kasten steht, sowie Simon Bolz, Johannes Feser und Maxi Seit. Bei Simon Häcker ist noch gar nicht über einen Einsatz nachzudenken, "der Fuß schwillt bei Belastung weiter an", so Halbig. Harald Bayer hat in der Woche zumindest mit Fahrradtraining angefangen. "Aushilfskraft" Tobias Stöth, der bei der 1:4-Niederlage in Karlburg ausgeholfen und dabei eine starke Leistung gezeigt hatte, muss aus beruflichen Gründen ebenfalls passen, für ihn rückt Lukas Lieb wieder in die Innenverteidigung.

Im Angriff baut der FC-Coach auf Andy Graup, dessen Verletzung abgeklungen ist und der Einsatzbereitschaft signalisiert hat. "Wir müssen einfach die Blockade in der Offensive beenden", fordert Halbig, der aber weiß, dass die DJK-Abwehr um ihren Oldie Uwe Ziegler mit allen Wassern gewaschen ist. "Da müssen wir jetzt einfach das Beste aus der unerfreulichen Situation machen. Wir und auch das Umfeld müssen jetzt einfach die Ruhe bewahren. Die Spieler aus der zweiten Reihe und die Neuzugänge können zeigen, was sie spielerisch und kämpferisch drauf haben", so der FC-Trainer. sel/sbp
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