Fussball Bayernliga

Die vermaledeite Serie der Gallier ist gerissen

Sieben Pflichtspiele in Folge hatte der TSV Aubstadt nicht verloren. Diesmal jubelte aber die Schönhöfer-Elf.
Innenverteidiger Ronny Mangold (links) und Torwart Simon Voll waren Garanten des Großbardorfer 1:0-Siegs in Aubstadt. Rudi Dümpert
 
TSV Aubstadt - TSV Großbardorf 0:1 (0:1). Tor: 0:1 Daniel Leicht (32., Eigentor).
"So lange wie möglich dagegen halten und endlich mal ein anderes Ergebnis mitnehmen." Das war der Wunsch von Dominik Schönhöfer, Trainer des TSV Großbardorf, vor dem Derby in der Fußball-Bayernliga Nord beim TSV Aubstadt. Am Ende konnte seine Mannschaft fast nicht mehr mithalten und benötigte bei drei Pfostenschüssen des Gegners auch die Zuneigung von Glücksgöttin Fortuna, um den 1:0-Sieg über die Zeit zu retten. Diese wiederum muss vorher ganz genau zugeschaut haben und ließ Gerechtigkeit walten. Möglich war die totale Wende des Spiels tatsächlich noch in den letzten fünf Minuten. Verdient wäre sie indes nicht gewesen für den Tabellenzweiten TSV Aubstadt. Nein, diesmal hatte das Grabfeld-Derby einen anderen Sieger als in den vergangenen acht Begegnungen, in der Liga und im Pokal. Dass es der Gäste-TSV war, der mit drei Niederlagen in Serie angereist war, das war nicht allein jenen ungeschriebenen Gesetzen von Derbys geschuldet, sondern der engagierteren, mit wenig Fehlern behafteten, einfach besseren Spielweise.


Unerklärlich fehlerbehaftet

Während die Gastgeber mit der Favoritenrolle in keiner Phase der Partie zurechtkamen und nur hinten sicher wie immer standen, im Spielaufbau aber unerklärlich fehlerbehaftet agierten. Der jüngste Gallier, Ronny Mangold, der noch nie ein Derby gespielt hatte, sah gerade in den drei Niederlagen den Grund für seinen bisher größten Triumph in Großbardorfer Grün: "Weil uns das den entscheidenden Ruck gegeben hat." Freilich gehörte bereits eine Portion Glück zum Tor des Tages. André Rieß' 28-Meter-Freistoß wurde vom Kopf des Aubstädters Daniel Leicht abgelenkt und dadurch für den ausgezeichneten Keeper Benedikt Stöcker unerreichbar. Andererseits demonstrierten die Grünen vor 900 Fans auch, dass man das Glück zwingen kann, hatten sie keine zehn Minuten zuvor noch mächtig Pech, als sie nach Marcel Hölderles Verletzung ihr Defensivzentrum neu ordnen mussten. Hölderle war nach einem Zweikampf mit Michael Dellinger auf den Deckel eines Rasensprengers gestürzt, hatte sich eine tiefe Wunde zugezogen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.


Typisch Derby

Die erste Halbzeit war wieder mal typisch Derby: viel Tempo, hohe Laufbereitschaft, nicht einmal so viel Respekt voreinander, als dass darunter und unter der Taktik das Spiel gelitten hätte. Es waren vielmehr diese vielen Stockfehler, vorwiegend bei den Aubstädtern, bei denen jeder Einzelne im Mittelfeld neben der Spur lief und seinem direkten Gegenüber unterlegen war. Balleroberungen jede Menge, aber zu einem echten Umschaltspiel kam es nie. Dafür standen die Großbardorfer von hinten bis vorne zu sicher. Und vorne hing mit Julian Grell die eine Spitze in der Luft. Er konnte sich nur auszeichnen, wenn es um Abwehrarbeit ging. Schließlich hat Schönhöfer draußen die richtigen Register gezogen, ließ er nach dem für ein Derby relativ frühen ersten Tor weiter munter angreifen und nahm Aubstädter Aufbegehren frühzeitig den Wind aus den Segeln. Die Führung der Gäste war demnach zur Halbzeit verdient.


Großbardorf dem zweiten Tor nah

Und nach Wiederbeginn machten sie dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Es deutete vieles darauf hin, dass sie den Schlüssel zum Sieg in der Hand hielten und das Ding durchziehen würden: Mit hohem Ballbesitzanteil nichts anbrennen lassen. 30 Meter vor ihrem Tor war Endstation für die Aubstädter Offensive, der viel zu lange jede Durchschlagskraft abging. Ihre Aktionen wirkten wie gelähmt, das 0:2 lag näher als der Ausgleich. Besonders André Rieß ragte in der ersten Phase nach der Halbzeit heraus, er scheiterte im Solo-Umschaltspiel aber mit seinem Abschluss an Benedikt Stöcker, der ein fehlerloses Spiel zeigte. Und Grabfeld-Gallier-Kapitän Manuel Leicht beförderte den Ball mit einem Heber auf die Lattenoberkante.
Nur als Francic auf Dreierkette umgestellt und Christoph Schmidt und Steffen Behr eingewechselt hatte, kamen die Aubstädter für etwa zehn Minuten mit Wucht und den ersten drei Torschüssen zwischen der 62. und 64. Minute. Seufert klärte Dellingers Kopfball (66.) für seinen ausmanövrierten Tormann Simon Voll auf der Linie. Dann war der Spuk aber auch schon wieder vorbei. Auf der anderen Seite wurde nämlich Stöcker noch zwei Mal von Shaban Rugovaj und Lennart Seufert geprüft. Und erst in der Schluss-Viertelstunde zeigten die Gastgeber endlich, weshalb sie so weit vorne in der Tabelle stehen.
Dabei rettete der Großbardorfer Keeper Simon Voll, Vertreter des grippegeschwächten Marcel Wehr, mehrmals mit Klasse-Paraden, hatte bei Thomanns Freistoß an den Pfosten und Schmidts 18-Meter-Schuss an dieselbe Stelle Fortuna als Patin: Erzwungenes Glück, verdientes Glück, verdienter Sieg, "anderes Ergebnis" für Dominik Schönhöfer. Was den Aubstädtern in den Schlussminuten gegen Forchheim und die Würzburger Kickers II gelungen war, das Spiel noch zu drehen, war mit Großbardorf nicht zu machen.
Aubstadt: Stöcker - Feser, Benkenstein (55. Behr), Köttler, Grader - D. Leicht - Dellinger, Trunk, Thomann, Kleinhenz (46. Schmidt) - Grell (74. Müller).
Großbardorf: Voll - Zang, Mangold, Hölderle (23. Rugovaj), Seufert - Piecha, Illig - Rieß (90. Dinkel), Zehe, Schönwiesner - M. Leicht (78. Mosandl).

zum Thema "TSV Großbardorf"

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