Vorsitzender Wolf sorgt für Aufbruchstimmung

Der FC 05 hat durch einen 4:0-(3:0)-Sieg über die SpVgg Greuther Fürth II und die Aschaffenburger 3:5-Pleite in Ingolstadt den Klassenerhalt geschafft.
Party mit den Fans: Die Schweinfurter Spieler Michael Kraus (links) und Philipp Kleinhenz feiern den Klassenerhalt des FC 05.  Foto: Michael Bauer
 
Chronistenpflicht erfüllt. Die eigentliche Bombe platzen ließ dann aber der Vorsitzende und Hauptsponsor Markus Wolf: "Noch einmal ein Jahr da unten rum krebsen macht keinen Sinn. Wir müssen jetzt Risiko gehen. Wir sind in sehr guten Gesprächen mit zwei potenziellen Investoren. Und wenn es keiner macht, dann mache ich es selbst. Die Region ist heiß auf Fußball. Jetzt müssen wir angreifen, jetzt ist der richtige Zeitpunkt." Richtung 3. Liga? "Einzug in die erste Pokal-Hauptrunde oder unter die ersten Fünf. Eines dieser Ziele wollen wir nächste Saison erreichen."Da hat Wolf aber mal einen rausgehauen. Und seine sportliche Abteilung infiziert. "Nächstes Jahr wollen wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben, da werden wir oben angreifen. Unser Ziel ist, das soll jetzt nicht großkotzig klingen, die Dritte Liga", wirkte Trainer Gerd Klaus erleichtert und euphorisiert zugleich. Und vergaß nicht, wem er zu danken hatte - Wolf: "Ich möchte mich vor allem beim Präsidenten bedanken, dass er mich hat in Ruhe arbeiten lassen. Wir waren ja schon tot. Ich bin einige Male aufgestiegen in meiner Laufbahn, aber dieser Klassenerhalt zählt mehr als alles andere, weil wir es mit diesem knappen Budget geschafft haben." Sportleiter Dieter Kurth stimmte mit ein: "Das ist ein absolutes Signal, dass Markus Wolf da setzt. Jetzt können wir nach ganz anderen Spielern Ausschau halten als bisher."

Aufbruchstimmung beim FC 05 - gerade eine Stunde nach Schlusspfiff einer Partie, die maximal eine gute Stunde die Spannung hielt. Steffen Krautschneider (3.), Florian Wenninger (36.), Tom Jäckel (45.) und Marino Müller (67.) sorgten gegen engagierte, aber nicht mit letzter Konsequenz verteidigende Fürther mit ihren Toren dafür, dass parallel Aschaffenburg nach dem Ingolstadter 2:3 zusammenbrach in der Erkenntnis, nicht mehr mit der gleichen Tordifferenz gewinnen zu können. Ausgelassen feierten die Schweinfurter mit ihren Fans, die sie nach vorn gepeitscht hatten - nach dem 0:6 der Vorwoche keine Selbstverständlichkeit. Philipp Kleinhenz, Michael Kraus und Daniel Mache gaben auf dem Zaun die Vorsänger: "Humba täterä".
Verdopplung des Etats

Die Anspannung weg, die Freude groß - doch das war es nicht, was Wolf animierte, die Katze aus dem Sack zu lassen. Er hatte seit Wochen hinter den Kulissen gearbeitet, ohne Plan B, komplett fokussiert auf die Regionalliga. "Ich habe in sieben Jahren eine Million in den Verein gesteckt, ohne dass es voranging. Die Zeit der Konsolidierung ist vorbei, die Altlasten sind aufgearbeitet. Jetzt will ich es wissen", sagt der Sponsor, der die erste Mannschaft dann baldmöglichst aus dem Verein ausgliedern will zu einer GmbH - und der nach dem Wegfall der Trikotwerbung beim 1. FC Nürnberg mehr Spielraum hat. Über einen Investor oder ihn, der Etat für die nächste Saison wird sich verdoppeln auf 700 000 bis knapp eine Million Euro. Abgesehen von Regensburg, das ja noch in die 3. Liga aufsteigen kann, liegen die anderen Spitzenmannschaften wie Unterhaching oder Burghausen nicht wesentlich darüber. "Wir können mit diesem Etat vier bis fünf Schlüsselspieler verpflichten", so Wolf. Der Kader steht in der Breite, mit Nicolas Görtler wurde ein Zugang genannt. Auf der Wunschliste stehen drittligataugliche Kräfte wie Björn Schnitzer (Aschaffenburg), Marco Haller und Adam Jabiri (beide Würzburg).

"Jetzt können wir auf diesem Niveau mitbieten", freute sich Kurth. Sein Boss Wolf erinnerte sich augenzwinkernd Kurths Vorgänger Rüdiger Mauder: "Der Mambo hat ja gesagt, 2018 Dritte Liga, wir müssen ihm da ja irgendwie gerecht werden." Allerdings stellte er auch klar, dass er nicht dauerhaft die Last alleine stemmen wolle, sondern darauf baue, dass Wirtschaft und Politik mit ins Boot kämen.

Ein Boot, das einige Spieler verlassen werden. Neben den bekannten Abgängen Tom Jäckel und Bastian Lunz (Erlangen) gehen auch aus privaten Gründen Kleinhenz (Aubstadt), Wenninger (Münchner Großraum), Manuel Müller (Don Bosco Bamberg?), Daniel Mache (Abtswind?) und Torhüter Dominic Dachs. Jäckel verdrückte eine Träne: "Ein emotionaler Abschied. Auch wegen der Fans, solche gibt's in der Region nirgends." Kevin Ferys Verbleib ist noch nicht sicher, der 1. FC Nürnberg (für den Trainer René Wolf kurz nach Schlusspfiff per SMS gratulierte) ist interessiert; doch der Mittelfeldspieler sagte: "Wenn ich bleibe, weiß ich, dass ich bei einem Verein bin, bei dem ich mich absolut wohl fühle."

Krautschneider ("wir werden heute schon noch einige alkoholische Getränke vernichten") rechnete derweil vor, was er mitnehme aus dieser Runde: "Wir müssen auswärts stabiler werden. Aber wir haben eine super Moral und Zugänge wurden immer gut integriert." Eine versteckte Botschaft an Wolf, Klaus und Kurth war in Sachen Spielerwahl? Wolf hebt da ohnehin den Finger: "Wir werden das neue Geld nicht hinauswerfen, sondern gezielt einsetzen."

zum Thema "1. FC Schweinfurt"






Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.