Tradition und Tore im Willy-Sachs-Stadion

Der FC 05 Schweinfurt verpasst gegen Hof einen deutlich höheren Sieg. Bereits am Freitag gibt es das nächste Frankenderby.
Flugeinlage: Der 05-er Philip Messingschlager segelt über den Hofer Torwart Andreas Schall, vorbei an Tomas Krbecek.  Foto: Marion Wetterich
 
von JÜRGEN SCHMITT
FC 05 Schweinfurt - SpVgg Bayern Hof 4:3 (2:1).Tore: 1:0 Marius Willsch (20.), 1:1 Eduard Root (25.), 2:1 Nicolas Görtler (41.), 3:1 Philipp Messingschlager (46.), 4:1 Steffen Krautschneider (55.), 4:2 Martin Holek (67., Foulelfmeter), 4:3 Christian Schraps (86.).
Das mit der Tradition ist den Schweinfurter Fans wichtig. Die erinnerten daher in einer feinen Choreographie vor dem Spiel an die Süddeutsche Regionalliga-Meisterschaft der Saison 1965/1966 in Form eines Riesen-Wimpels. Es war einer der größten Erfolge der Schnüdel. Seinerzeit trainiert von Gunther Baumann, der in Manfred Berz, Kurt Dachlauer, Günther Masurek, Manfred Rühr oder Rolf Schweighöfer Spieler von Format besaß, die allerdings in der Aufstiegs-Runde zur Bundesliga hängen blieben. Rot-Weiß Essen ging schließlich hoch, und die Unterfranken mussten sich damit trösten, allerhand renommierter Vereine hinter sich gelassen zu haben, auch die Hofer Bayern übrigens. 50 Jahre später interessierten sich weitaus weniger Zuschauer für das Franken-Derby, doch die immerhin 1707 Zuschauer im Willy-Sachs-Stadion bekamen ein ordentliches Spiel geboten - zumindest von den Gastgebern.

Mit 4:2 hatten die Hofer zum Saisonauftakt das Oberfranken-Derby gegen Bayreuth gewonnen, doch den Sturm und Drang hatten die Gäste offensichtlich an der Saale gelassen. Martin Holek gab die einzige Spitze und musste sich zunächst auch sehr einsam gefühlt haben. Fußball gespielt wurde nämlich nur von den Schweinfurtern. Und wie.


Staunen und genießen

Das Publikum staunte und genoss. Die Auftritte von Marius Willsch beispielsweise, der den rechten Flügel zu seiner Zone erklärte, dort mit Schnelligkeit und technischer Brillanz zum Spieler des Tages avancierte. Torgefährlich ist der Neuzugang aus Saarbrücken obendrein. Nachgewiesen nach 20 Minuten, als der gebürtige Passauer nach dem feinen Pass von Kevin Fery zur Schweinfurter Führung traf.

Auch am zweiten FC-Tor war der 25-Jährige beteiligt als Vorbereiter für Nicolas Görtler. Es war das schönste Tor an diesem schwülwarmen Nachmittag, eingefädelt von Adam Jabiri, der ebenfalls einen überdurchschnittlichen Auftritt hinlegte, immer anspielbar und präsent in der Spitze. 5:0-Ecken für Schweinfurt stand nach 23 Minuten auf der Anzeigetafel. Davor und danach hätten auch Marco Janz, Görtler und Steffen Krautschneider treffen können. Stattdessen hatten die fränkischen Bayern zugeschlagen. Durch Eduard Root, der mit Philipp Messingschlager, Marco Janz und Keeper Julian Schneider gleich drei Schweinfurter schlecht aussehen ließ beim vorübergehenden Ausgleich (25.).

Ein Betriebsunfall, der unmittelbar nach Wiederanpfiff repariert schien mit dem Messingschlager-Tor. Schweinfurts Außenverteidiger hatte nach der Willsch-Hereingabe den Ball nicht sauber getroffen, womit der Abschluss kurios und unhaltbar zugleich geriet. Mit dem 4:1 durch den platzierten Schuss von Steffen Krautschneider frohlockte die grün-weiße Gemeinde endgültig. Stellte sich später aber die Frage, ob Trainer Gerd Klaus drei Schlüsselspieler nicht zu früh aus der Partie genommen hatte.

Chancen hatten die Hausherren auch danach genug durch Kevin Fery, Daniel Diroll oder Marco Haller. Ja, gegen den Aufsteiger war ein Kantersieg möglich und wäre auch verdient gewesen. Aber die fehlende Konzentration legte sich wie Feinstaub auf das gesamte FC-Team. Unsichtbar, aber leistungseinschränkend.
Im falschen Film wähnte sich das Publikum, als Hof mit zwei Toren aus dem Nichts noch einmal herankam. "Die Chancenverwertung war schon in Schalding unser Manko. Wir haben offensive Qualitäten, aber wenn die Rückwärtsbewegung nicht stimmt, bekommen wir Probleme. Da merkt man, dass der komplette Kader noch nicht so lange gemeinsam trainiert", sagte Abwehrchef Johannes Bechmann. Weiteres Einspielen unter Wettkampfbedingungen ist bereits am Freitag (19 Uhr) möglich. Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg II. Wieder ein Franken-Derby und viel Tradition. Und eine Schweinfurter Elf, die in dieser Runde noch viel Spaß machen könnte.
FC 05: Schneider - Janz, Bechmann, Paul, Messingschlager - Fery, Willsch (58. Güthermann), Krautschneider, Haller - Görtler (74. Kracun), Jabiri (62. Diroll).

zum Thema "1. FC Schweinfurt"






Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.