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Interview

Thomas Häßler wartet auf das richtige Angebot

Locker in der Lobby. Der Weltmeister ist entspannt. Und hat durchaus Lust auf ein bisschen Smalltalk im Hotel Frankenland. Für den 49-Jährigen bedeuten die Talentsichtungs-Tage an der Saale übrigens Unterfranken-Premiere.
Lust auf Verantwortung: Thomas Häßler bei der Pressekonferenz zum Auftakt des Projektes "(wieder)entdeckt". Foto: Jürgen Schmitt
 
von JÜRGEN SCHMITT
Herr Häßler, wenn man Sie aktuell auf dem Fußballplatz antreffen möchte, wo müsste man denn sein - abgesehen von den Tagen in Bad Kissingen?
Thomas Häßler: Da müssten Sie zu mir nach Hause kommen, nach Hennef. Davor war ich ein Jahr im Iran als Technischer Direktor bei Padideh Maschhad. Seit Mai warte ich jetzt auf ein Job-Angebot. Das tägliche Arbeiten fehlt mir definitiv.

Es war zu lesen, Sie hätten ein Angebot gehabt als Nationaltrainer vom Libanon.
Das hatte sich schnell zerschlagen. Ich stand tatsächlich in Kontakt mit einem ehemaligen Mitspieler beim 1. FC Köln, der aus dem Libanon stammt. Aber dann haben sich die Verantwortlichen doch für einen anderen Kandidaten entschieden.

Sie haben unter Berti Vogts auch schon in Nigeria trainiert. Sind also weitgereist. Haben Sie dadurch einen anderen Blick bekommen auf die aktuelle und heiß diskutierte Flüchtlingsdebatte?
Das würde ich nicht sagen und ist etwas zu weit hergeholt. Vor meiner Station im Iran war ich drei Jahre ohne Job. Und mein Engagement in Nigeria hatte sich schon nach einer Woche erledigt. Was aber zum Beispiel meinen Aufenthalt im Iran betrifft, da hatte ich im Vorfeld tatsächlich Bedenken. Die haben sich aber auf einen Schlag erledigt. Maschhad ist eine junge und weltoffene Millionen-Stadt, in der viele Einwohner auch westlich orientiert sind. Aber ich bin dort gewesen, weil es um Fußball ging. Viele andere Dinge bekommt man da nicht mit.

In Bad Kissingen sind Sie bei (wieder)entdeckt der Beobachter. Wie sehr juckt es aber noch in den Füßen?
Die Knie quietschen, der Rücken zwickt manchmal. Aber mich kann man um Mitternacht anrufen für ein Spielchen. Ich bin dann da. Ich bin fußballbekloppt, das kann man so sagen. Regelmäßig spielen tue ich nicht. Zuletzt bin ich für ein Benefizspiel für Olaf Bodden aufgelaufen. Das ist ein guter Junge. Und es hat mich gefreut, ihn auf diesem Wege unterstützen zu können. Gekickt habe ich unlängst auch für die Traditions-Elf des Karlsruher SC. Ich versuche mich aber fit zu halten und laufe sehr viel. Wenn man irgendwo eingeladen wird zum Spielen, will man sich ja nicht blamieren.

Als Spieler waren Sie der Techniker, der Künstler. Worin besteht die Kunst, ein guter Trainer zu sein?
Bis jetzt war ich ja höchstens Co-Trainer. Aber eine Cheftrainer-Position ist mein großer Wunsch. Den Ehrgeiz habe ich ich auch. Wen ich das nicht wollte, wäre ich das nicht. Und ich bin mir auch nicht zu schade, meine Erfahrung in der vierten, fünften oder sechsten Liga weiterzugeben. Ich habe in meiner aktiven Zeit viel von sehr guten Trainern gelernt. Ich habe mich fortgebildet und weiterentwickelt. In jüngerer Vergangenheit gab es aber nur lose Anfragen über "Humanagement", die mich beraten.

Sie sind Weltmeister, haben über 100 Länderspiele gemacht und bekommen keine Anfragen?
Warum das so ist ist, müssen sie die Vereine fragen. Hut ab vor dem SC Paderborn, dass sich der Verein getraut hat, dem Stefan Effenberg eine Chance als Trainer zu geben. Wobei das für mich eine Frage der Zeit war beim Stefan. Oder denken Sie an Dirk Schuster, was der als ehemaliger Spieler mit dem SV Darmstadt 98 geschafft hat mit dem Durchmarsch in die Bundesliga. Die Vereine müssen sich trauen, einen ehemaligen Spieler zu verpflichten. Und selber muss man geduldig sein. Umso mehr freue ich mich, dass ich aktuell bei diesem Projekt in Bad Kissingen dabei sein kann. Das Arbeiten mit jungen Talenten bringt auch mich weiter.

Sie sind hier mit vielen ehemaligen Kollegen aus der Bundesliga. Wer kontaktiert da wen im Vorfeld?
Ich war ja vor sechs Jahren im Trainerteam, als Martin Daxl dieses Projekt erstmals in Österreich durchgeführt hat. Das ist sein Baby. Und wenn man sieht, wer da mittlerweile im Sponsoring mit vertreten ist, muss man den Hut ziehen. Solche Partner hätte mancher Bundesligaverein gerne. Den Kontakt damals zwischen Martin und mir hatte mein ehemaliger Manager Peter Assion hergestellt. Seitdem sind wir gut befreundet.

Viele Fußballfreunde verbinden Sie mit dem 1. FC Köln, wo Pierre Littbarski ein kongenialer Partner war. Wie ist der Kontakt?
Mit dem FC habe ich derzeit sehr wenig zu tun. Und das letzte Treffen mit Litti war in Kaltern, wo wir uns 25 Jahre nach dem WM-Gewinn getroffen hatten mit den anderen Kollegen.

Sie waren mal an einem Musik-Label beteiligt. Mit welcher Musik würden Sie sich motivieren?
Ganz klar mit melodiöser Rockmusik. Toto gefällt mir zum Beispiel sehr gut.


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