Leichtathletik

Springer-Mekka Bad Kissingen

Die Kreismeisterschaften standen nicht im Schatten der Sprungleistungen. Viele Sportler hakten die Qualifikationsnormen zur Bayerischen Meisterschaft ab.
Auch im Sprint zeigte sich Maximilian Entholzner (links) mit 10,85 Sekunden von seiner besten Seite. Der Gegenwind verhinderte für den Nüdlinger Nick Przeliorz (Mitte) noch schnellere Zeiten.  Fotos: Reinhold Nürnberger
 
von REINHOLD NÜRNBERGER
Die 1500 Meter der Männer standen ganz im Zeichen von Rhys Daniel Bishop. Der Läufer vom SC Ostheim absolvierte die dreidreiviertel Runden in 4:04,65 Minuten. "Im Alleingang und bei Wind ist es natürlich schwer, unter vier Minuten zu bleiben", sagt Trainer Eberhart Helm, der seit knapp 42 Jahren mit 3:42,4 Minuten den Bezirksrekord inne hat. Helm hält es für durchaus realistisch, dass Rhys Daniel Bishop in diesem Jahr an die 3:55 Minuten heran laufen kann.

Teamgefährtin Simona Greier strahlte nach ihren 1500 Metern mit der Sonne um die Wette. In 4:49,83 Minuten lief sie eine neue persönliche Bestleistung. Die 27-Jährige, die jetzt in der Sportvermarktung tätig ist, wurde gegen Ende des Rennens immer schneller und blieb so am Ende eine Hundertstel Sekunde unter ihrer alten Bestmarke aus dem Vorjahr. "Ich laufe in Bad Kissingen immer gut. Das ist für mich schon eine heimische Bahn", erzählt Simona Greier, die seit vielen Jahren im Kreis die unumstrittene Nummer Eins auf den Mittelstrecken ist.


Norm unterboten

Obwohl sie mittlerweile an verschiedenen Orten studieren und nur sporadisch in den Semesterferien für den Staffellauf trainieren können, unterboten die Damen des TSV Bad Kissingen über 4x100 Meter noch einmal die Norm zur Bayerischen Meisterschaft. Annika Kirchner, Lena Schröter, Lynn Humbert und Jessica Schottorf wurden in 52,71 Sekunden gestoppt.

Die Wettbewerbe der weiblichen Jugend standen ganz im Zeichen von Viviane Heilmann vom TV/DJK Hammelburg. Auch die 15-Jährige nutzte die gute Thermik in Bad Kissingen für einen weiten Flug im Weitsprung. Mit 5,31 Metern pulverisierte sie förmlich ihre Bestleistung von 4,91 Meter aus dem Vorjahr und sprang an die Spitze der bayerischen U18-Rangliste. "Eine Medaille bei den Bayerischen Meisterschaften und die Qualifikationsnorm zur Deutschen Meisterschaft in Ulm wäre schön", formuliert sie ihre Saisonziele. Dass sie auch in Punkto Schnelligkeit einiges zu bieten hat, zeigte die Badestädterin in 12,67 Sekunden über die 100 Meter. Damit ist sie auch im Sprint in der absoluten bayerischen Spitze angekommen. "Das war genauso Bestleistung, wie die 26,74 Sekunden über die 200 Meter", freute sich Trainer Paul Fella, der Viviane Heilmann in Zukunft auch über 400 Meter und 400 Meter Hürden einiges zutraut.

Im vergangenen Jahr sorgten sie noch im roten Trikot des TSV Münnerstadt für schnelle Zeiten. Jetzt kamen drei Sprinter von Trainer Bernd Neumann im hellblauen Outfit des LAC Erfurt nach Bad Kissingen. Über 100 Meter verhinderte allerdings der Gegenwind flotte Zeiten. Nick Przeliorz aus Nüdlingen, der in dieser Saison in Erfurt bereits in 10,84 Sekunden gestoppt wurde, musste sich im Sportpark mit 11,18 Sekunden zufrieden geben. Der Maßbacher Timo Reinhart kam auf 11,58 Sekunden. Einzig Clemens Schmitt trotzte der scharfen Prise von vorne und überraschte mit einer Steigerung auf beachtliche 11,37 Sekunden. Auch über 200 Meter erzielte der Sprinter aus Niederlauer einen neuen Hausrekord. In 23,29 Sekunden wurde er hinter einem starken Nick Przeliorz (22,68 Sekunden) Zweiter.

Im Diskuswurf der U20 hatte Clara Köth den Dreh raus. Die Werferin des 1. FC Rottershausen steigerte sich auf 28,73 Meter. Damit erfüllte sie die B-Norm zur Landesmeisterschaft und darf sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen Start im Juli in Augsburg machen.


Helfer beim Weitsprung

Rezaei Esmant macht nicht nur auf der Laufbahn Laune. Der stets hilfsbereite Läufer vom TV Bad Brückenau, der vor rund eineinhalb Jahren aus dem Iran an die Sinn kam und die 1500 Meter in Bad Kissingen in der U18 in 4:32 Minuten gewann, gilt als Muster der Integration. Neben seinem eigenen Auftritt unterstützt er Trainer Thomas Dill bei der Betreuung des Nachwuchses und wenig später sah man ihn gut gelaunt an der Sprunggrube. Da half er als Kampfrichter aus.

In der Altersklasse U16 erfreute Theresa Hüfner vom TV Bad Brückenau mit einem starken Auftritt über 800 Meter. Für die zwei Stadionrunden benötigte sie lediglich 2:34,40 Minuten. Aber auch in den jüngeren Schülerklassen gab es wieder viele tolle Leistungen zu bestaunen. Nelly Kleinhenz vom TSV Bad Kissingen verbuchte in der W12 drei Titel. Genau so oft siegte Greta Hörnlein vom VfL Sportfreunde Bad Neustadt in der Altersklasse W11. Bei den Jungs durften sich Lukas Strehler (TV/DJK Hammelburg) bei der M10, Claudio Hemberger in der M11 und Nicklas Amthor in der M12 gar über jeweils vier Erfolge freuen.

Das eigene Springer-Mekka vor der Tür

Bad Kissingen entwickelt sich mehr und mehr zu einem Mekka der Weit- und Drei-Springer. Im Rahmen der diesjährigen Leichtathletik-Kreismeisterschaften sahen die Zuschauer gleich drei Deutsche Jahresbestleistungen im Sprungbereich. Maximilian Entholzner vom 1.FC Passau erzielte im Weitsprung erstklassige 7,92 Meter. Stefanie Aeschlimann vom LAC Quelle Fürth im Dreisprung der Frauen und Lokalmatador Trung Ngo im Dreisprung der Jugend U18 setzten sich ebenfalls an die deutsche Spitze.

Einige der besten Bayerischen Springer vertrauen nach wie vor dem früheren Landestrainer Dimitri Antonov. Bis zu zwei Mal in der Woche reisen sie nach Bad Kissingen, um bei ihm die wichtigen Technikeinheiten zu absolvieren. Die Anlaufbahn und der Absprungbalken in Bad Kissingen sind ihnen somit bestens vertraut. Allesamt haben sie das Ziel, sich in diesem Jahr für internationale Meisterschaften zu qualifizieren. "Es ist sicherlich ein Vorteil, auf der heimischen Anlage zu springen", sagt Maximilian Entholzner vom 1. FC Passau über die Bad Kissinger Weitsprunggrube, die ja mehrere Hundert Kilometer von Passau entfernt ist. Im vergangenen Jahr hat der 22-Jährige, der in Nürnberg studiert und lebt, in Bad Kissingen mit 7,81 Meter einen Bayerischen Uralt-Rekord der U23 gelöscht. Jetzt, in der Aktivenklasse angelangt, schraubte er seinen Hausrekord auf 7,92 Meter. Dass er in diesem Jahr die acht Meter erreichen wird, scheint nicht unmöglich zu sein. Bei seinem besten Sprung wurde ein Gegenwind von 1,0 Meter pro Sekunde gemessen und die Weitsprunggrube war sogar mit etwas zu viel Sand als nötig gefüllt. Auch der letzte Sprung auf 7,84 Meter zeigte, dass die magische Marke von acht Metern möglich ist. "Ja, das wäre schön, das ist auch mein Saisonziel", sagt der nette junge Mann, der nicht gerade als ein Athlet der großen Töne gilt.

"Man hat vor dem ersten Wettkampf eigentlich noch keine konkreten Saisonziele und weiß auch gar nicht genau, wo man wirklich steht", erzählt Maximilian Entholzner über die Ungewissheit, ob denn die monatelange Vorbereitung gepasst hat. Auch über die 100 Meter zeigte er einen glänzenden Einstand. Bei einem Gegenwind von 0,9 Meter pro Sekunde wurde er in hervorragenden 10,85 Sekunden gestoppt. "Damit bin ich mehr als zufrieden. Mir ist es lieber, die Bedingungen sind am Anfang nicht ganz so gut, so kann man sich im Laufe der Saison noch steigern", sagt Maximilian Entholzner, der im vergangen Jahr den etablierten Sprintern ein Schnippchen schlug und in 10,60 Sekunden Bayerischer Meister der Aktiven wurde.

"Wie man sieht, funktioniert das ja bestens", sagt eine gutgelaunte Stefanie Aeschlimann auf die Frage, wie sie es schafft, mit der Fernbetreuung durch Dimitri Antonov so weit zu springen. Die 20-Jährige vom LAC Quelle Fürth absolviert momentan ein Praktikumsjahr in München und ist deshalb zur Zeit nur selten in Bad Kissingen. Mit Trainingsplänen und Video-Analyse schafft sie aber offensichtlich den Spagat. Im letzten Jahr wurde Stefanie Aeschlimann im Dreisprung Deutsche Meisterin der U20 und erzielte dabei eine Weite von 13,01 Metern. In Bad Kissingen steigerte sie sich auf tolle 13,23 Meter. "Es wäre für mich ein Traum, wenn ich in diesem Jahr die 13,50 Meter schaffen würde. Das wäre dann die Norm zur U23-EM im polnischen Bydgoszcz", erzählt die Nationalkader-Athletin, die erst in diesem Jahr in die U23 aufgerückt ist.

"Das war mein bisher bester Weitsprungwettbewerb", sagte auch eine sichtlich zufriedene Tina Pröger. Mehrmals kam die 22-Jährige vom TSV Zirndorf, die im vergangenen Jahr Bayerns beste Weit- und Dreispringerin der Aktivenklasse war, ganz knapp an die sechs Meter heran. Mit ihrem besten Versuch übertraf sie diese Marke um einen Zentimeter. Da fehlte nicht viel zu ihrer Bestweite aus dem Vorjahr von 6,04 Metern. Im Dreisprungwettbewerb erzielte sie 12,12 Meter.

Trung Ngo vom TSV Bad Kissingen, der mehrmalige Bayerische Jugend-Meister im Dreisprung und Weitsprung, setzt sich stets sehr hohe Ziele, die er in der Vergangenheit allerdings nicht immer erreichte. Aber jetzt ließ er den starken Worten auch beachtliche Ergebnisse folgen. Im Weitsprung landete der 17-Jährige erst bei 7,11 Metern. Damit kam der Bad Kissinger bis auf 14 Zentimeter an die WM-Norm der U18 heran. Die wird im Juli in Nairobi (Kenia) ausgetragen und Ende Juni findet dafür in Schweinfurt bei der internationalen Jugendgala der finale Nominierungswettkampf statt. Aktuell belegt Trung Ngo Rang Zwei in Deutschland. "Da werde ich neben dem Dreisprung in Zukunft wohl auch auf den Weitsprung großen Wert legen", erzählt er. "Im Dreisprung wollte ich 14 Meter springen. Da ärgere ich mich, dass es mir nicht gelungen ist", so der Badestäder weiter, der mit seinen 13,70 Metern dennoch die Deutsche Rangliste der U18 anführt.

Teamgefährte Dimitij Touev kam im Dreisprung dicht an seine Bestleistung heran. Der 17-Jährige aus Hausen erzielte bei seinem besten Versuch 13,23 Meter und belegte in der U18 damit Rang Drei hinter Anton Sobolevski (13,25 Meter/LAC Quelle Fürth), einem weiteren Schützling von Dimitri Antonov.

Der Bad Kissinger Sprung-Trainer hat derweil noch weitere Pläne für dieses Jahr. Zusammen mit Manfred Klabouch, dem Leichtathletik-Abteilungsleiter des TSV Bad Kissingen, will er ein großes Springermeeting in der Badestadt etablieren. Dann sollen noch mehr Deutsche Spitzen-Athleten nach Kissingen pilgern und für weite Flüge sorgen.
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