Schweinfurt mausert sich von einer Wundertüte zur Konstante

Durch exzellentes Pressing der Schnüdel ist vom Seligenporten-Biss der ersten Halbzeit nichts mehr zu sehen. Mit 4:2 gewinnt der FC 05 verdient.
 
SV Seligenporten - FC Schweinfurt 05 2:4 (2:2). Tore: 1:0 Bastian Herzner (14., Foulelfmeter), 1:1 Nicolas Görtler (23.), 1:2 Marius Willsch (26.), 2:2 Aykut Cicelek (36.), 2:3 Adam Jabiri (65.), 2:4 Marco Haller (67.). Rot: Marcel Mosch (83., Seligenporten).

Immer wieder gerne gesehen - so wurde Gerd Klaus zur Pressekonferenz begrüßt. Nun, ob die Oberpfälzer ihren langjährigen Trainer diesmal wirklich so gerne wieder gesehen haben? Mit dem FC 05 nahm er diesmal die drei Punkte aus Seligenporten mit. Und zwar hochverdient: Die Schweinfurter spielten aggressiv, konzentriert und ließen sich auch von kleinen Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Das 4:2 war die Fortsetzung des Illertissen-Spiels: nämlich die Entwicklung zu einer echten Mannschaft.

"Und das ist es, worauf es mir ankommt, ich mache das nicht an Punkten fest", freute sich Klaus zwar über das Erreichen der 30er-Marke, aber mehr noch über "die Entwicklung. Man hat gesehen, dass es nicht gleich läuft, wenn man neue Spieler holt. Entscheidend ist, was aus der Mannschaft geworden ist." Sie hat sich durch eine unbequeme erste Halbzeit quälen müssen. In der es anfangs recht gut ausgesehen hatte für die Schweinfurter. Die waren zwar nach Paulus-Foul gegen Aykut Civelek durch Bastian Herzners Foulelfmeter in Rückstand geraten (14.), ließen sich davon aber keine Spur beeindrucken: Per Doppelschlag drehten sie das Ding zu ihren Gunsten. Erst nickte Nicolas Görtler eine überlegte Kopfball-Vorlage von Sturmkollege Adam Jabiri zum 1:1 ein (23.), dann vollendete Marius Willsch aus 20 Metern knochentrocken den feinen Flügellauf von Steffen Krautschneider zum 1:2 (26.). Und es folgten weitere gute Möglichkeiten, hier eine zeitige Vorentscheidung zu erzwingen. Die Beste ließ Jabiri liegen, allein vor SVS-Keeper Christopher Pfeiffer (27.); der Ex-Schweinfurter wurde immer mehr zum überragenden Seligenportener. Was seinen Kollegen Mut machte.

Das 2:2 (36.) spielten sie richtig gut raus: Herzner auf Civelek - so geht Kontern. "Wir haben aber bewiesen, dass wir damit zurecht kommen", sagte Christopher Kracun, der seine Mannschaft aggressiv und entschlossen immer wieder antrieb, sich aber auch die fünfte Gelbe einhandelte und am nächsten Samstag in Hof gesperrt ist. "Er ist seit Wochen in bestechender Form", lobte Klaus seiner Sechser. Der das Geheimnis der Schweinfurter Wandlung von der nervösen Wundertüte im Herbst hin zu einer konsequent von Sieg zu Sieg - inzwischen drei in Folge - eilenden Mannschaft in einem internen Gespräch festmacht: "Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt, so kann's nicht weitergehen. Nicht dass wir uns vorher nicht verstanden hätten, aber irgendwas hat nicht gestimmt. Jetzt stimmt es."

Was nach Wiederbeginn deutlich zu erkennen war. Als wäre da nichts gewesen, fanden die Schweinfurter sofort wieder ihren Rhythmus, kontrollierten trotz des tiefen Bodens technisch versiert Ball und Gegner. Und zwangen Seligenporten zu Fehlern. "Gegen Schweinfurt darfst du keine Fehler machen, wenn du etwas mitnehmen willst", erkannte auch SVS-Coach Florian Schlicker. Doch seine Mannen machten sie. Und der FC 05 nutzte sie aus. Görtler aus Jabiri - 2:3 (65.). Marco Haller aus 25 Metern mit Auge statt Gewalt - 2:4 (67.). Wieder ein Doppelschlag, doch diesmal der entscheidende. "Beeindruckend, wie wir zurückgekommen sind", sagte Haller, der erst in der zweiten Halbzeit zum Zug gekommen war. "Klar will ich immer spielen, aber ich war gegen Illertissen gesperrt und die anderen haben es gut gemacht. Aber ich wollte dann Gas geben und es ist mir geglückt" - auch der Regisseur stellt sich ganz in den Dienst der Mannschaft. "Es hat keiner gemuckt", adelte auch Klaus die Einstellung von Haller und des ebenfalls erst eingewechselten Nikola Jelisic.

Die Oberpfälzer waren nach dem 2:4 besiegt, nichts war mehr zu sehen vom Biss der ersten Halbzeit, die Konter blieben bereits im Ansatz stecken, auch weil der FC 05 exzellent presste. Ein bisschen Frust machte sich bei Seligenporten dennoch breit. Erst flog Marcel Mosch nach üblem Foul gegen Marco Janz vom Platz (83.), dann auch noch der arg heftig reklamierende Co-Trainer Serdal Gündogan. "Das kostet eine Runde", mahnte Gerd Klaus scherzend an - und bekam selbst gleich einmal von den alten Freunden eine Halbe auf den Tisch gestellt. Es war nicht die letzte dieses Abends, an dem sich die 05er wohl endgültig aus den niederen Gefilden der Tabelle verabschiedet haben sollten.

Schweinfurt: Paulus - Janz, Billick, Bechmann (62. Jelisic), Golla - Kracun - Willsch (89. Behr), Fery (56. Haller), Krautschneider - Görtler, Jabiri.

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