Schweinfurt ist ziemlich verdattert

Der FC 05 lässt sich den sicher geglaubten Sieg vom TSV 1860 München II doch noch nehmen und verpasst es so, mit den kleinen Löwen gleichzuziehen.
Diesmal ohne Tor: Der Schweinfurter Nicolas Görtler (grünes Trikot) rennt sich fest gegen den Münchner Michael Kokocinski. Foto: Marion Wetterich
 
FC 05 Schweinfurt - TSV 1860 München II 1:2 (1:0). Tore: 1:0 Marco Haller (45.), 1:1, 1:2 Felix Bachschmid (80., 85.). Rot: Felix Weber (58., München). Gelb-Rot: Nikola Jelisic (79., Schweinfurt).

"Im Moment sind wir die einzige Mannschaft, die uns schlagen kann." Es war eine bittere Erkenntnis. Innenverteidiger Lukas Billick versuchte in Worte zu kleiden, wie sich der FC 05 einen sicher geglaubten Sieg vom TSV 1860 München II doch noch hat nehmen lassen. Mit 1:2 verloren die Schweinfurter und verpassten es, mit den kleinen Löwen gleichzuziehen. Sechster statt Vierter - prinzipiell nicht weiter schlimm, ab die ganz große Euphorie entfacht man im Sachs-Stadion mit seinem gewohnt kritischen Publikum eher nicht.
Es war ohnehin eine merkwürdige Resonanz auf dieses Spitzenspiel, in dem beide Mannschaften auch die hohen Erwartungen trotz miserabler Witterung auf den Platz brachten. Dass es nur 1257 Zuschauer waren, mag dem strömenden Dauerregen geschuldet sein, dass vom durchaus ordentlich gefüllten Fanblock aber so wenig kam, vergällte nicht nur 05-Boss Markus Wolf die Laune endgültig. Der stumme Protest gegen Stadionverbote konterkariert den unübersehbaren sportlichen Aufschwung. Ja, Aufschwung, der auch in dieser Niederlage zu erkennen war. Denn bei allem Frust: "Man hat gesehen, wie wir gegen eine so starke Mannschaft wie Sechzig spielerisch dominieren können", sagte Linksaußen Steffen Krautschneider.
Man hat freilich auch gesehen, wie sich die Nullfünfer nach 1:0-Pausenführung und Überzahl durch die Rote gegen Felix Weber binnen fünf Minuten alles selbst kaputt gemacht haben. Erst "sind wir nicht konsequent genug auf das 2:0 gegangen", wie Trainer Gerd Klaus eingestand, dann leistete sich Nikola Jelisic "ein dummes Offensivfoul" (Klaus) und sah Gelb-Rot (79.). Ein Momentum, das so gar nicht in die bis dato glanzvolle Schweinfurter Flutlichtnacht passen wollte. Da waren die Gastgeber plötzlich verdattert, leisteten sich "zwei Fehler, die Sechzig eiskalt bestrafte" (Krautschneider). Zweimal war der eingewechselte Felix Bachschmid mit herrlichen Treffern zur Stelle (80., 85.) und es stand 1:2. Krautschneider war angefressen hinterher: "Das passiert uns zu oft, dass wir ein Spiel herschenken. Wir haben uns in gerade einmal fünf Minuten selbst geschlagen."

Für den Moment - nicht freilich für die saisonale Entwicklung - war die zweite Erkenntnis Billicks für die Katz: "Wir haben defensiv und taktisch eigentlich überragend gespielt. Alle, von vorne bis hinten, haben überragend mitgearbeitet." Das war von gehobenem Unterhaltungswert, das lässt für die Zukunft hoffen, das ist angesichts des Rückschlages aber aktuell sekundär. Die Moral, der Charakter der Mannschaft, die Leistung, das taktische Verhalten, all das wurde abgewertet, weil es der FC 05 nicht verstanden hat, über die ganzen 90 Minuten derart unmenschlich konsequent und konzentriert aufzutreten, wie das allerweil die Würzburger Kickers in der Zweiten Liga vorleben. "Ich denke, Schweinfurt ist auf dem richtigen Weg", applaudierte mit Daniel Bierofka einmal mehr ein gegnerischer Trainer. Nur sollte sich nicht das Gefühl einschleichen, es wäre am Ende - mit Blick auf später Mal größere Ziele - restlos egal, ob es hinter Unterhaching nun Platz zwei oder neun wird.
Denn dass der FC 05 das Zeug hat, mit den beiden Münchner Amateur-Teams um die freilich bedeutungslose Vizemeisterschaft zu spielen, das zeigte sich auch am Samstagabend. Und das nicht nur wegen dieses tollen Tores: Da war die Ecke schon abgeblockt, der Ball kam trotzdem zu Marco Haller und der Schweinfurter Sechser legte ihn sich von rechts auf links, schaute hoch und zielte perfekt in die rechts untere Ecke - 1:0. Unmittelbar vor der Pause natürlich ein feiner Zeitpunkt für eine Führung. Und verdient allemal: Denn die 05er hatten zwar wenige, aber die klar besseren Chancen. Nach einer Messingschlager-Flanke nahm 60-Keeper Maximilian Engl Sturmspitze Nicolas Görtler gerade noch den Ball vom Kopf, Marius Willsch scheiterte genauso aus halbrechter Position, wie Jelisic.
Dass diese Führung aber am seidenen Faden hängen wurde, war ebenso klar: Denn die Sechziger zeigten durchaus, dass sie eine gute Ausbildung auf Giesings Högen genießen. Da lieg der Ball bisweilen richtig gut, bei den wenigen Ansätzen von Torgefahr, war aber 05-Schlussmann Julian Schneider zur Stelle. Machtlos war er dann beim Münchner Doppelschlag. Was den grün-weißen Ärger endgültig komplett machte: Der eingewechselte Marino Müller hatte kurz vor der unheilvollen Gelb-Roten den Außenpfosten getroffen. Da blieb Gerd Klaus letzten Ende nur Sarkasmus: "Da schaust du auf die Anzeigentafel und plötzlich führen da die anderen. Das fühlst du dich in so einem Film, den es eigentlich gar nicht gibt." Seinen Ärger deutlich offener zeigte Haller. Wütend trat er nach dem Schlusspfiff in den Boden, flüchtete vor Fragen. Der kreative Kopf der Mannschaft hat sich offenbar etwas mehr erhofft, als nur nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Und daraus macht er keinen Hehl. 19 Gegentore in elf Spielen - das ist eben die Kehrseite der Medaille, die nur auf einer Seite richtig glänzt.

Schweinfurt: Schneider - Messingschlager, Bauer (87. Diroll), Billick, Paul - Haller, Fery - Willsch (66. Güthermann, 74. Müller), Krautschneider - Görtler, Jelisic.

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