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BraveheartBattle

Schneekanonen-Beschuss für die Bravehearts

Der Testlauf zum BraveheartBattle bietet einige verrückte Herausforderungen.
Alles freiwillig: Schon verrückt, was die Bravehearts da auf sich nehmen - und Spaß haben beim Beschuss mit der Schnee-Kanone, beim Klettern auf die Kreuzbergschanze oder beim Wassertreten in der Brend. Ordentlich Höhenmeter gab es obendrauf. Fotos: Jürgen Schmitt
 
von JÜRGEN SCHMITT
Ob Felix Magath das BraveheartBattle kennt? Der staatlich anerkannte Schleifer hätte sicher seinen Spaß daran. Nicht im Selbsttest natürlich, sondern zu reinen Ausbildungs-Zwecken seiner Fußball-Eleven in Sachen Durchhaltevermögen. Vielleicht ganz gut, dass der "Quälix" mit unterfränkischen Wurzeln zurzeit keine Festanstellung hat. Tatsache ist, dass diese gewaltige Rhön-Tour den ganzen Mann und die ganze Frau fordert. Wer es nicht glaubt, weiß es spätestens seit dem "Reunion-Lauf" vom Samstag. Und der war doch ein eher kleiner Vorgeschmack auf das große Ganze am 12. März.


Muskeln am Limit

"Das Zeit-Limit von sechs Stunden einzuhalten, wird schwierig. Bis zu 50 Prozent werden das wohl nicht schaffen. Das hier ist mit den bisherigen Läufen in Münnerstadt nicht zu vergleichen", sagte nach den etwa 18 Kilometern Tobias Kessler, der die knapp 100-köpfige Gruppe in gut drei Stunden durch die Rhöner Highlands geleitet hatte. "Die vielen Höhenmeter machen den Unterschied", weiß der in Würzburg lebende Münnerstädter, der in Sachen Braveheart ein Mann der ersten Stunde ist. "Da geht es so oft rauf und runter. Das macht den Muskel kaputt, weil selbst das Bergablaufen Kraft kostet."


Psychologischer Härtetest

Auch die psychologische Komponente spielt für den ausgebildeteten Fitness-Coach und Triathleten eine große Rolle. "Nach etwa der Hälfte der Strecke ist man wieder in Bischofsheim. Das Ziel ist ganz in der Nähe, aber dann geht es wieder ins bergige Gelände." Den unvermeidlichen Kontakt mit Wasser hatte der 38-Jährige locker weggesteckt ungeachtet der Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. "Das war schön und hat richtig Spaß gemacht", kommentierte der 38-Jährige den Fußmarsch durch die Brend. Ein kleines Ereignis für die Bischofsheimer Bürger, die noch mehr am Veranstaltungstag staunen werden, wenn die künstlichen Hindernisse dazukommen auf der dann etwa 30 Kilometer langen Strecke.


Rauf auf die Schanze

Nach einer Einweisung von Masterchief Joachim von Hippel vom ausrichtenden Pas-Team am Sportgelände oberhalb der Kreuzbergschule ging es - natürlich - gleich knackig bergauf. Hoch zur Osterburg, und von dort rüber zu den Kreuzberg-Schanzen am Nordhang des heiligen Bergs der Franken nahe Haselbach. Dort, wo sonst die Rhön-Adler abheben, war diesmal Klettern angesagt. Von der Landezone auf schmalen und zum Teil noch schneebedeckten Stufen hoch zum Absprung der K50-Schanze, von wo sich ein grandioser Panoramablick bot an diesem zwar windigen und kühlen, aber auch herrlichem Sonnentag. Auf der anderen Seite ging es wieder runter, zum Teil auf dem Hintern rutschend. Mittendrin Rainer Grill als einer der wenigen, die in kurzen Hosen und T-Shirt in die Schlacht zogen. "Das ist halt Braveheart", meinte der 49-Jährige, angesprochen auf sein dürftiges Beinkleid.


Eine lange Anfahrt

Aus dem baden-württembergischen Niedernhall im Hohenlohe-Kreis war Rainer Grill 240 Kilometer angereist in der Vorbereitung auf seine dritte BraveheartBattle-Teilnahme. "Ich war schon bei ähnlichen Veranstaltungen in England und Holland. Normales Laufen finde ich langweilig. Die Gegend hier ist genial, und im Vergleich zu den Vorjahren hat man tatsächlich noch eine Schippe draufgelegt."
Der nächste kleine Verpflegungspunkt führte die Gruppe rauf zum Gasthaus Roth unterhalb der Gemündener Hütte. Zurück in Bischofsheim galt es die nächste Mutprobe zu bestehen beim Marsch durch das Flussbett der Brend. Mal mit, mal gegen die Strömung, die einige Gleichgewichts-Probleme verursachte. Der passende Vorgeschmack für das, was am Ende der Tour auf die tapferen Herzen wartete.


Der Gipfel der Verrücktheit

Quasi als Gipfel der Verrücktheit hatte Matthias Adrian, Betreiber der Arnsberglifte und des Bischofsheimer Campingplatzes eben dort eine Schneekanone aufgebaut, die aufgrund der leichten Plus-Grade zwar keinen Schnee ausspuckte. Das Wasser-Druckluft-Gemisch produzierte einen mehrere Meter langen Gischt-Schlauch, der die Bravehearts binnen Sekunden mit einem Nässe-Mantel umschloss. "Für mich kam das Wasser etwas spät. Ich habe Neopren getragen, das war für mich etwas zu warm. Trotzdem hat das Rauf und Runter großen Spaß gemacht", sagte später Thomas "Hebbe" Samtleben, der mit Freundin Iris aus Öhringen nahe Heilbronn in die Rhön gekommen war. Und der pro Jahr 20 bis 25 solcher Extremläufe, auch im Ausland, unter die Füße nimmt. "Das ist alles eine Riesen-Gaudi, Und auf die Hindernisse in zwei Wochen bin ich echt gespannt."
Von der schönsten Seite hatte sich die oft so raue Rhön an diesem Tag präsentiert, sodass auch Joachim von Hippel bester Laune war, der den Testlauf mit seinem Team top organisiert hatte. "Das war ein Tag unter Freunden. Das Wetter hat gepasst, die Stimmung war hervorragend, der Ablauf phänomenal", sagte der Masterchief. Viele Worte braucht es für diese Veranstaltung auch nicht. Das muss man selbst gesehen haben.


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