Markus Wolf haut auf den Tisch

FC-05-Boss moniert mangelnde Leidenschaft der Spieler und das Verhalten der Fans.
Da war die Welt noch in Ordnung: Christopher Kracun (Zweiter von rechts) trifft per Freistoß zum 1:0 für den FC 05 Schweinfurt, Teamkollege Marco Haller schaut interessiert zu - und FCA-Schlussmann Florian Kastenmeier streckt sich vergebens.  Foto: Marion Wetterich
 
FC 05 Schweinfurt - FC Augsburg II 1:1 (1:1). Tore: 1:0 Christopher Kracun (7.), 1:1 Marco Greisel (22.). Bes. Vorkommnis: Steffen Krautschneider (Schweinfurt) verschießt Foulelfmeter (35.).
Der Countdown läuft. Und er läuft in die falsche Richtung für den FC 05. Jetzt sind es noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Schweinfurter stecken nach dem eigentlich ehrenwerten 1:1 (1:1) gegen den Tabellendritten FC Augsburg II noch tiefer im Abstiegskampf. Eine verfahrene Situation, die Gewicht durch den Termin bekommt: Die Vorrunde ist beendet. Zur Halbzeit zählt neben spielerischer Qualität eben auch der Tabellenstand."21 Punkte sind zu wenig für meinen Anspruch, für den Anspruch der Mannschaft und des Vereins", wusste auch Gerd Klaus. Der gegen Augsburg zwar von "einer sehr guten Partie" sprechende Trainer vermisste aber auch eine entscheidende Tugend: "Uns geht der letzte Wille ab, das Spiel zu gewinnen. Das ist bei einigen Spielern auch eine Frage des Typs. Wir müssen geiler darauf sein, zu gewinnen." Damit sei für ihn die Frage geklärt, warum seine Offensivabteilung viel zu selten ins Tor trifft. Mit Pech könne man das nach sieben Spielen in Serie nicht länger erklären.

Klaus hatte diesmal genau diesen absoluten Willen seiner Mannschaft sehen wollen. Und ein, auch dem tiefen Boden und der kämpferischen Ausrichtung beider Teams geschuldetes, zerfahrenes Spiel zu sehen bekommen. Dabei war rasch alles angerichtet für einen Erfolg. Siebte Minute, Freistoß FC 05: Christopher Kracun zwirbelte den Ball herrlich ins Eck zum 1:0. Damit könnte man einer U-23-Truppe, die auch noch auf sämtliche Stürmer hat verzichten müssen, schon die Lust am Kicken nehmen. Doch es folgte der Nackenschlag: Nach Della-Schiava-Freistoß verlängerte Marco Greisel per Hinterkopf zum 1:1 - und nutzte dabei die erste und einzige FCA-Chance (22.). Der Schock saß tief, und mit dem Laub von den Bäumen fiel auch das Niveau. Dazu passte, dass Steffen Krautschneider den Elfmeter nach Chima Okorojis Handspiel an den Pfosten setzte; den Nachschuss verwandelte er zwar, aber er selbst hätte das eben nicht tun dürfen - kein Tor (35.). Das gab es auch nicht bei Adam Jabiris Großchance: Frei vor Torwart Florian Kastenmeier lupfte er neben das Tor (42.). Er scheiterte im zweiten Eins-gegen-Eins-Duell mit Kastenmeier (57.). Pedro Güthermann verzog knapp (84.) und Marco Janz köpfte drüber (90.+2).

"Der letzte Tick hat einfach gefehlt, das kriegst du nicht geschenkt", befand Innenverteidiger Johannes Bechmann. "Das müssen wir uns erarbeiten. Jetzt helfen auch keine Durchhalteparolen mehr."
Kollege Krautschneider sah's etwas rosiger ("Lösungen haben wir ja gefunden, nur die Tore nicht gemacht"), und blickt auch wenig sorgenvoll in die Zukunft: "Ja, wir stehen im Abstiegskampf, aber die Mannschaft hat auf jeden Fall die Qualität. Es ist ja nicht so, dass wir nicht kämpfen können." Diese Einschätzung teilte Vorsitzender Markus Wolf zuletzt nicht mehr ganz: "Ich war letzten Montag in der Kabine, habe auf den Tisch gehaut. Ich habe die Spieler in die Verantwortung genommen, lautstark. Ich erwarte Leidenschaft und Kampfbereitschaft." Mit Trainer Gerd Klaus besprach er sich am Samstag ebenso, wenngleich ruhig. Deutete aber dezente Einmischung an: "Ich habe ins Gespräch gebracht, dass es sinnvoll sein könnte, Spielern mit weniger Einsatzzeit die Chance zu geben, sich zu beweisen." Neue Impulse durch Kräfte wie Müller oder Jelisic würden dem in sich festgefahrenen Team sicher gut tun. Andererseits könnte eine kleine Pause die Köpfe frei machen bei Jabiri, Görtler, Haller und Co., denen die zu ihrer technischen Fertigkeit passende Leichtigkeit abhanden gekommen scheint.

Abhanden kommt Wolf auch das Verständnis für einige FC-05-Fans. Am Samstag stieg nach zehn Minuten einer aus der schwarz gewandeten Gruppe, die sich seit Wochen absondert und neben dem Gästeblock postiert, über den Zaun und marschierte zu den Augsburger Fans, um dort ein Banner vom Zaun zu reisen. Das misslang, doch unbehelligt konnte er sich zurück auf die Ränge flüchten. "Der bekommt Stadionverbot, wir wissen, wer das ist." Mit so einer Aktion konterkariere der Unbelehrbare das Mühen der Fans, die von der Stadt ausgesprochenen Betretungsverbote rückgängig zu machen. Ein Vorhaben, das Wolfs Unterstützung findet: "Da werden Leute, die ein Stadionverbot abgesessen haben, nochmals bestraft. Das ist nicht in Ordnung." Deswegen gibt es am 7. November einen Runden Tisch mit Verein, Fans und Stadt.

Fassungslos machen ihn aber diese wenigen Provokateure. "Das Schlimme ist: Die fühlen sich im Recht und bringen die normalen Fans unter Kontrolle. Es wurde doch ausreichend auf das Thema aufmerksam gemacht. Aus Respekt vor der Mannschaft sollte mal genug sein damit." Was auch Klaus fordert: "Mit Unterstützung von den Rängen hätten wir heute wohl gewonnen. Buchbach, wo in den letzten 20 Minuten die Hölle los ist im Stadion, gewinnt so etwas." Und Siege sind das einzige, womit sich die Schweinfurter aus ihrer Misere befreien können.
Schweinfurt: Paulus - Janz, Billick, Bechmann, Paul - Kracun (81. Güthermann) - Haller (89. Müller), Fery, Krautschneider - Jabiri, Görtler (81. Jelisic).

zum Thema "1. FC Schweinfurt"






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