Volleyball 2. Bundesliga

Leipzig sieht eine Oscar reife Vorstellung

Die Hammelburger Jungs gewinnen bei den L.E. Volleys nach Satzrückstand. TV/DJK-Trainer Tado Karlovic hatte eine ziemlich gute Idee.
Siegerselfie von und mit Oscar Benner nach dem 3:1-Sieg der Hammelburger Jungs in Leipzig. Foto: privat
 
von OLIVER WENDT
L.E. Volleys Leipzig - TV/DJK Hammelburg 1:3 (25:21, 22:25, 22:25, 22:25).
Eigentlich ist das Siegerselfie nach dem Spiel ja fest in kroatisch-bosnischer Hand. Aber da sich die Kollegen Radman und Dzafic in Rekonvaleszenz üben, schnappte sich diesmal ein anderer das Smartphone: Oscar Benner, der seinen zweiten MVP-Titel in dieser Saison - und mit seiner Mannschaft drei wichtige Punkte im Abstiegskampf holte.

Dass der Youngster ausgerechnet auf der für ihn ungewohnten Position des Mittelblockers zu Höchstform auflief, war neben der Verletzungsmisere auch der Raffinesse seines Trainers Tado Karlovic zu verdanken. Dieser verpasste seinem Außenangreifer einen zweiwöchigen Schnellkurs in der Netzmitte und wurde belohnt: "Ich habe mich auf der neuen Position sofort wohl gefühlt. Auch wenn die Umstellung im Angriff sicher groß war, konnte ich im Block mein Talent beweisen", so der 18-Jährige selbstbewusst, der die Partie mit zwei direkten Blockpunkten eröffnete und sich nach dem Spiel prompt das Lob seinen Trainers abholen dufte: "Oscar hat einen super Job gemacht. Und das, obwohl Leipzig unglaublich schnell und variabel zugespielt hat." Knapp ging es zu in einem hochklassigen und spannenden Volleyballmatch, in dem sich beide Teams in keiner Situation etwas schenkten. "Das war die berühmte Achterbahn der Gefühle", so ein erleichterter Hammelburger Trainer, dessen Mannen sich im ersten Durchgang eine 13:9 Führung erschmetterten, bevor die Gastgeber zum spektakulären Überholmanöver ansetzten. Sebastian Hähner, einer der "Liga-Leader" im Angriff, klopfte sich mit seinem Diagonalmann Erik Wichert in Rage, sodass Durchgang Eins an die Gastgeber ging.

Was Leipzig im Angriff kann, können wir auch! Gesagt getan, und so drehte sich der zweite Durchgang beim 18:18 diesmal gen Unterfranken. "In dieser Phase haben wir Leipzig zur Verzweiflung gebracht und waren in Block und Angriff überragend", so Karlovic, der sich nach Spielen ja sonst eigentlich eher "nüchtern-analytisches" entlocken lässt.

Emotional ging es weiter, wobei sich beide Teams gewohnt fair duellierten und den gut 300 Zuschauern in der "Brüderhölle" Hochklassiges boten. "Leipzig lobt immer unsere Stimmung in Hammelburg, das Kompliment gebe ich zurück. Es ist ein Hochgenuss hier Volleyball zu spielen, und wir kommen gerne wieder", so Karlovic. Dass beide Teams zweifelsohne ihre Daseinsberechtigung in dieser Liga haben, unterstrich der dritte Satz: Trotz einem ständigen Hin und Her, entwickelte sich ein Satz, der zunächst gefühlt an Leipzig gehen sollte, sich dank einer überragenden Aufschlagserie dann doch zu Hammelburger Gunsten drehte.


Damjanovic, das Aufschlag-Ass

Aufschläge in Serie, und das oft in nahezu ausweglosen Situationen, gehört beim TV/DJK zur Lieblingsbeschäftigung von Branko Damjanovic. Hoch konzentriert und mit einer unglaublichen Portion Coolness, ließ sich der Außenangeifer vom 19:22-Rückstand nicht beeindrucken und versenkte zunächst drei Asse zum Ausgleich in der gegnerischen Feldumrandung. Ein Block von Michi Schottdorf, gefolgt von einem weiteren Ass und bärenstarken Angriffen von Bendikowski und Karlitzek, manifestierten die Wende im Satz samt 2:1-Führung. "Wir haben kaum Asse zugelassen und in den entscheidenden Momenten welche serviert", sah auch Kapitän Felix Bendikowski einen wichtigen Grund für den Erfolg seiner Truppe.
Für Leipzig hingegen war der Satzrückstand weniger Vorentscheidung als vielmehr Ansporn, nun über die Distanz von fünf Sätzen zu gehen. An der Anzeigetafel fand dies zunächst in ständiger, wenn auch minimaler Leipziger Führung Ausdruck. Erst beim vierzehnten Punkt gelang den tapferen Gästen der Ausgleich, gefolgt von der ersten Führung. "Dann lagen wir sogar 20:18 vorne, hatten den Sieg vor Augen und vergeben zwei Bälle leichtfertig zum Ausgleich", beschreibt Karlovic das nervenaufreibende Satzende. "Zum Glück sind wir in dieser Situation cool geblieben", und so war es beim spektakulären Matchball mit Abwehraktionen auf beiden Seiten, dem Hammelburger Kapitän vorbehalten, den Ball zum wichtigen Auswärtserfolg zu versenken, mit dem Leipzig überholt und die rote Abstiegszone verlassen wurde. Ein Erfolg gegen den Aufsteiger Dresden beim kommenden Heimspiel (Samstag, 19 Uhr), wäre ein weiterer wichtiger Schritt auf dem gemeinsamen Pfad in Richtung Ligaverbleib.

zum Thema "TV DJK Hammelburg"

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