Schütze des Jahrhundert-Tores: Klaus Fischer kommt zum FC Hammelburg

Der Schütze des Jahrhundert-Tores verstärkt zwar nicht die Kreisklassen-Kicker, unterstützt aber die Nachwuchsarbeit mit seiner Fußballschule.
Fallrückzieher und Fußball-Schule: Klaus Fischer während der Presse-Konferenz des FC Hammelburg. Foto: Jürgen Schmitt
 
von JÜRGEN SCHMITT
Der Torjäger war gekommen. Ohne Spielerpass allerdings. Schade eigentlich. Letzter in der Kreisklasse sind die Fußballer des FC Hammelburg mit kümmerlichen 14 Treffern in zwölf Spielen. Da braucht es einen, der weiß, wo die Kiste steht. Klaus Fischer ist so einer. Fit sieht er immer noch aus, der 66-Jährige, der in seiner Bundesliga-Karriere 268 Tore erzielte, nur Gerd Müller war erfolgreicher. Für die Nationalmannschaft traf der Niederbayer in 45 Spielen 32 mal.

In Sportklamotten wird Klaus Fischer im Sportzentrum dennoch zu sehen sein. In den Pfingstferien nämlich, vom 12. bis 15. Juni 2017. Klaus Fischer ist nicht nur Teil der Traditionself des FC Schalke 04, sondern seit 1997 auch Leiter der Klaus-Fischer-Fußballschule. "Das macht einfach Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Außerdem hält es mich fit. Und das hat es noch nie gegeben, dass ich selbst nicht vor Ort bin." Bereits fest als Trainer gebucht ist Ex-Profi Martin Schneider. Zum Trainerteam gehören unter anderem Dieter Eckstein und Werner Lorant. "Auch aus einem Dorf kann ein Nationalspieler kommen. Wir trainieren, was die Kinder im Spiel brauchen. Und der Spaß wird nicht zu kurz kommen, das gehört einfach dazu, auch in der Bundesliga übrigens", sagt Klaus Fischer im Rahmen der öffentlichen und gut besuchten Pressekonferenz im Bistro Skyline mit reichlich Honoratioren aus der Hammelburger Sportwelt. Betont aber auch, dass nur der erfolgreich sein wird, der hart an sich arbeitet. "Die Leiter nach oben ist steil. Talent allein genügt nicht. Der Wille ist entscheidend. Und die Bereitschaft, auch außerhalb der Trainingsarbeit etwas zu tun. Früher haben die Kinder auf den Fußballplätzen oder auf der Wiese gebolzt. Das sieht man heute kaum noch."


Zum Training mit dem Fahrrad

Früher, das war bei Klaus Fischer in den frühen 60ern. Mit elf Jahren hatte der gelernte Glasbläser mit dem Kicken begonnen. "Zu jedem Training bin ich die acht Kilometer nach Zwiesel mit dem Rad gefahren. Meine Trainer waren Spieler der 1. Mannschaft, die damals in der Bezirksliga spielte", erzählt der Teilnehmer an zwei Fußball-Weltmeisterschaften. Und erinnert daran, "dass Zwiesel seinerzeit führend in der Jugendarbeit der Region war. Niederbayerischer Schüler-Meister wurde der Bundesliga-Torschützenkönig von 1976 mit dem Verein aus dem Bayerischen Wald, der damals den etablierten Clubs aus Landshut, Straubing oder Passau die Stirn bot. Als 17-Jähriger wurde Fischer in die Erste Mannschaft geholt als Reaktion auf den Fehlstart mit 1:5 Punkten. Am Ende der Saison war der SC Zwiesel Meister, stieg in die Landesliga, damals die vierthöchste Spielklasse, auf - mit 30 Toren seines neuen Stürmer-Stars. Der hatte bereits in diversen Junioren-Auswahlmannschaften gespielt und war so in den Fokus von Profivereinen geraten. Bei Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. "Hennes Weisweiler fand mich körperlich zu schwach und hat mir geraten, noch ein Jahr in Zwiesel zu bleiben. 14 Tage später hatte ich ein Probetraining bei 1860 München, und die haben mich gleich genommen."

Für die Löwen spielte der Niederbayer von 1968 bis 1970, dann ging es nach Gelsenkirchen zum FC Schalke 04, den Klaus Fischer heute noch bei Heimspielen repräsentiert, gemeinsam übrigens mit Olaf Thon. Seine Profikarriere ließ Fischer ausklingen beim 1. FC Köln und dem VfL Bochum. Vorbild war und ist Uwe Seeler. "Mit ihm bin ich heute noch gut befreundet. Uwe ist ein ähnlicher Spielertyp wie ich, der von seiner enormen Sprungkraft profitiert hat." Aktuellen Branchen-Größen wie Messi, Ronaldo oder Lewandowski schaut der Pokalsieger mit Schalke selbstredend gerne zu. "Aber ich vermisse die klassischen Mittelstürmer. Und die guten Kopfballspieler. Ich stand schon als Junge am Kopfball-Pendel, auch später auf Schalke. Aber wer trainiert das heute noch. Das Kopfballspiel vieler Profis ist doch eine einzige Katastrophe", kritisiert Fischer an seinem Premieren-Tag in Hammelburg. Ansonsten ist der Kontakt ins Unterfränkische überschaubar. "In Schweinfurt habe ich mal im Pokal mit Schalke gespielt. Aus Haßfurt kenne ich meinen Golffreund Luggi Müller. Und in Würzburg verfolge ich natürlich die sensationelle Entwicklung der Kickers. Dort merkt man, dass ein Bernd Hollerbach viel von Felix Magath gelernt hat."


Hauptsache drin

Für harte und ehrliche Arbeit stand und steht Klaus Fischer. Aber halt auch für die Kunst - für den Fallrückzieher in Perfektion. Mit dem Rücken zum Tor und in der Luft liegend hatte Klaus Fischer das Tor des Jahrhunderts erzielt im Spiel gegen die Schweiz (1977).



"Ja, den Mut habe ich gehabt für so einen Schuss. Aber ein Fallrückzieher ist nicht planbar, da spielt Glück eine große Rolle. Ich wollte Tore machen, egal wie", betont Klaus Fischer. Das "wie", das würde auch die Hammelburger Fußballer interessieren. Schade, dass deren Saison Mitte Juni bereits vorbei sein wird.





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