Fussball

Kissinger Stadtmeisterschaft gleicht Chaos-Cup

Die Stadtmeisterschaft Bad Kissingen enttäuscht Zuschauer, Teilnehmer und Veranstalter gleichermaßen.
Kurios, dass die SG Reiterswiesen II/Post SV II, hier mit Andre Heinrich (links), überhaupt im Finale der Stadtmeisterschaft antrat, waren sie doch bereits vor den Halbfinals ausgeschieden. Gegen den FC 06 Bad Kissingen mit Jonas Schmitt gab es schließlich die erwartete Niederlage. Foto: Hopf
 
von PETER BALTHASAR
Diese Stadtmeisterschaft, die der SV Albertshausen anlässlich seines 90-jährigen Vereinsjubiläums ausrichtete, stand unter keinem guten Stern. "Es war hoffentlich die letzte Stadtmeisterschaft", erklärten nicht nur Kissingens Mannschaftskoordinator Rüdiger Klug und Post-Urgestein Marco Kutzer. Auch altgediente Spieler wie Jürgen Werner und Wolfgang Schmitt sehen keine Zukunft. "Das war enttäuschend", sagte Albertshausens erster Vorsitzender Christian Finger, der zusammen mit vielen Helfern die Meisterschaft gewohnt gut organisiert hatte, sich aber von einigen Stadtteilklubs verlassen sah.

Das sportliche Drama begann bereits am Freitagabend bei der AH-Meisterschaft, wo ursprünglich sieben Klubs für das Kleinfeldturnier gemeldet waren. Doch die TSVgg Hausen und der TSV Arnshausen brachten keine sechs Spieler zusammen und sagten kurzfristig ab. Im Modus "Jeder gegen jeden" behielt schließlich der TSV Reiterswiesen die Oberhand. Die nächsten Plätze belegten der TV Jahn Winkels vor dem Post SV, gefolgt von den 06ern und dem SV Albertshausen.


Halbfinale abgesagt

Für das Halbfinale am Samstag waren eigentlich die Partien FC 06 Bad Kissingen gegen SG Reiterswiesen/Post SV und SV Garitz gegen TSV Arnshausen/FC 06 II geplant. Diese vier Klubs hatten jeweils ihre Qualifikationsspiele im Vorfeld gewonnen, ob diese Qualifikationsrunde der Weisheit letzter Schluss ist, muss stark bezweifelt werden. Tatsache war jedenfalls, dass die Garitzer am Samstagvormittag aufgrund Spielermangels absagten. "In die Bresche sprang dankenswerterweise das Team der SG Reiterswiesen II/Post SV II", sagte Finger.

Im ersten Halbfinale setzten sich erwartungsgemäß die favorisierten 06er gegen die SG Reiterswiesen/Post SV mit 2:0 durch, wobei der Kreisklassist vehement Widerstand bot. Eine dicke Überraschung war dann die 2:4-Niederlage des TSV Arnshausen/FC 06 II gegen den Underdog SG Reiterswiesen II/Post SV II, der so im Endspiel stand. Die Spielgemeinschaft aus Arnshausen und dem FC 06 II schien von diesem Misserfolg so erschüttert, dass sie am nächsten Tag beim Spiel um Platz Drei nicht antraten.


Keine Spannung im Finale

Um die Zuschauer nicht zu langweilen, bestritt die SG Reiterswiesen/Post SV ein Einlagespiel gegen den SV Aura. "Dass die Auraer aufliefen, war der Tatsache geschuldet, dass deren gleichzeitig angesetztes Vorbereitungsspiel vom Gast aus Diebach abgesagt wurde und wir freundschaftliche Beziehungen zu den Auraern pflegen", so Finger. Die SG setzte sich mit 2:0 durch in einem Spiel, welches immerhin noch einigermaßen spannend war.

Davon konnte im Finale keine Rede sein, denn dass sich der Bezirksligist gegen den B-Klassisten durchsetzen würde, stand außer Frage. "Die einzige ist, ob wir uns blamieren oder nicht", sagte FC-Co-Trainer Mario Wirth vor der Partie. Doch die Gefahr einer Blamage hatte sich bereits nach zwei Minuten erledigte, als ein Kullerball von Florian Heimerl im langen Netz landete. Der Favorit setzte sofort nach, beim Gang in die Pause stellte sich nach weiteren Toren von Neuzugang Ruslan Zhyvka, einem Schrägschuss von Anthony Brinkley, einem Kopfball von Heimerl nach Laus-Freistoßflanke, einem Heber von Lukas Rottenberger, einem Kopfball von Sandolo Vitigliano nach neuerlicher Laus-Vorarbeit und einem Flachschuss von Tobias Groh beim Stand von 7:0 nur die Frage: zweistellig oder nicht? Ein zweistelliges Ergebnis wäre möglich gewesen, wenn die Wirth-Schützlinge eine Vielzahl von Hochkarätern im zweiten Durchgang genutzt hätten. Doch irgendwie fehlte es an der letzten Konzentration im Abschluss. Lediglich Laus, der im ersten Durchgang noch den Pfosten anvisiert hatte, traf noch mit einem überlegten Schlenzer zum 8:0. FC-Goalie Florian Rottenberger musste in 90 Minuten nur zweimal eingreifen, ansonsten war für ihn Jogging im eigenen Sechzehner angesagt.

Einstimmiges Fazit aller Beobachter war, dass die Stadtmeisterschaft - der Pokal für den Sieger hätte den Begriff "Chaos-Cup" verdient - unter sportlichen Gesichtspunkten keinen Sinn mehr macht. Ein eintägiges Einladungsturnier wäre sinnvoller und würde beim Veranstalter für mehr Einnahmen sorgen und vor allem die Zuschauer zufriedenstellen.
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