Eishockey

Kissinger Hallen-Hickhack kostet den Aufstieg

Die Fans der Wölfe mutieren zu Wutbürgern. Jetzt hofft der Vorsitzende Michael Rosin auf einen Platz in der Landesliga.
Nach einer sensationellen Landesliga-Saison und einem finalen Sieg gegen den EV Germering feierten die Kissinger Wölfe vor vollem Haus enthusiastisch den Aufstieg in die Bayernliga. Dort dürfen die Saalestädter allerdings nicht auflaufen. Foto: Hopf
 
von JÜRGEN SCHMITT
Dieser Vorgang ist schier unglaublich. Weil es zur Zukunft der Eishalle immer noch keine konkreten Aussagen von Seiten der Stadt gibt, hat der Bayerische Eishockey-Verband (BEV) den Kissinger Wölfen das Startrecht für die Bayernliga entzogen. Den freien Platz nimmt nun die EA Schongau ein. "Als Sportler tut es mir leid für Bad Kissingen. Als Schongauer finde ich es klasse, dass wir eine zweite Chance bekommen, uns nochmal in der Liga beweisen dürfen", sagte EAS-Sportleiter Martin Resch gegenüber dem Münchner Merkur.

Derweil werden die Fans zu Wutbürgern, die ihren Unmut auf der Facebook-Seite der Wölfe mit deutlichen Worten äußern. "Schockstarre" ist da das Harmloseste. "Die Mannschaft hat sich mit einem Minikader die ganze Saison den Arsch aufgerissen und Legendäres erreicht: Michael Rosin und sein Team haben Unglaubliches geleistet, alle Helfer im Umfeld haben viel Freizeit und Herzblut investiert und das alles wird jetzt ad absurdum geführt... Hey Ihr Stadträte, Ihr habt diesen Leuten den Lohn Ihrer Arbeit geklaut. Schande über Euch. Schämt Euch", sagt ein Unterstützer im virtuellen Raum. Der Vorsitzende flüchtet sich derweil in Sarkasmus. "Danke Stadt. Wir hätten bis zum 1. Juni eine Spielstätte an den Verband melden müssen. Aber in unsere Richtung sind keine Informationen geflossen. Manchmal habe ich den Eindruck, man unterhält sich mit allen im Sportpark vertretenen Vereinen, nur mit uns nicht", sagt Michael Rosin, der sich bei der am Donnerstag, 29. Juni, stattfindenden Mitgliederversammlung dennoch zur Wiederwahl stellt. "Wenn es gewünscht wird, mache ich weiter. Die bisherige Arbeit geht in die richtige Richtung. Darauf wollen wir aufbauen. Und ich bin der letzte, der davonläuft."

Jetzt hoffen die Kissinger Wölfe auf einen Startplatz in einer der beiden neu zusammengestellten Landesligen. Dort, wo auch die Schweinfurter Mighty Dogs und die "Falken" aus Haßfurt vertreten sind, was wichtige Derby-Einnahmen garantieren würde. Denn auch die Finanzierung der Saison steht auf wackeligen Beinen. "Unsere Sponsoren hängen ebenfalls in der Luft. Wir brauchen grünes Licht. Dass die Tendenz zu einem Hallen-Investor geht, ist bekannt, aber das zieht sich alles unglaublich lange hin, auch wenn solche Entscheidungen natürlich nie einfach sind." Sogar einen Ortswechsel nach Schweinfurt oder Haßfurt hatten die Wölfe in Betracht gezogen. "Aber eine Auslagerung kann doch nicht im Sinne der Stadt und der Allgemeinheit sein. Da hängen ja auch Eislaufzeiten oder der Skiclub dran", sagt Rosin, der nichtsdestotrotz seinen Optimismus aufrecht erhält und die Planungen entsprechend vorantreibt. Von einem 18-Mann-Kader, mit einigen Überraschungen und Mikhail Nemirovsky als Spielertrainer, spricht der Rudelführer. Von neuen, aber auch vielen bekannten Gesichtern, "auch aus Finnland".

Ähnlich stark wie im Aufstiegs-Jahr soll die Mannschaft sein, um mindestens die den Playoffs vorgeschaltete, sogenannte Verzahnungsrunde zu erreichen mit den besten Teams aus der Vorrunde. "Was den Kader, Kontingentspieler und die Sponsoren betrifft, wollen wir das Maximum herausholen. Das sind wir dem Verein und unseren Fans schuldig."

Michael Rosin verhehlt nicht, dass eine Bayernliga-Saison eine finanzielle Gratwanderung bedeutet hätte. Und es zudem kaum möglich gewesen wäre, eine weitere Forderung des Verbandes zu erfüllen mit drei eigenen Nachwuchs-Mannschaften, von denen höchstens eine als Spielgemeinschaft hätte gemeldet sein dürfen. "Wir haben mittlerweile viele Kinder und Jugendliche. Die sind aber nicht alle auf dem Niveau, halbwegs konkurrenzfähig in einer Liga spielen zu können. Und wir wollen keinesfalls, dass dieser Nachwuchs die Lust am Eishockey verliert." Dass es mit dem Unterbau weiter aufwärts geht, ist unumstritten, für die neue Saison sind vier Teams gemeldet, jeweils in Spielgemeinschaften mit dem ESC Haßfurt. "Ich will alles in meiner Macht stehende tun, damit Bad Kissingen ein Eishockey-Standort bleibt. Wir wollen einen Beitrag zu einer lebendigen Stadt leisten und keine Walking-Dead-Szenerie."

zum Thema "EC Bad Kissinger Wölfe"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.