Hans Meyer ist gegen den Video-Beweis

Hans Meyer mag zwar lieber Bier als einen bekannten Energy-Drink, den gesponserten Verein nimmt die 73-jährige Trainerikone aber in Schutz.
Hans Meyer: "Ich war schon immer ein Vertreter davon, dass man bei einer 4:0-Führung und einem Einwurf an der Mittellinie einen Videobeweis durchführt..." Foto: Archiv
 
von SEBASTIAN BAUMANN
Kultcoach Hans Meyer ist nicht nur für seine bissigen Sprüche, sondern auch für seinen Sachverstand bekannt. Davon konnten sich die Teilnehmer an der Sitzung der Gemeinschaft der Fußballtrainer (GFT) Mittelfrankens beim 1. SC Feucht überzeugen. Da der 73-Jährige gesundheitlich angeschlagen war, trat er gedopt - mit Brustkaramelle und Zitronentee - an die Seite der Moderatoren Hendrik Baumgart und Gérard Monin. Gekonnt und unterhaltsam wie immer beantwortete der frühere Trainer von Borussia Mönchengladbach und des 1. FC Nürnberg Fragen zu RB Leipzig, zu den Aufstiegschancen des Clubs und zur Notwendigkeit des Videobeweises.

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Fußball von früher und heute?
Hans Meyer: Die Fußballer verdienen heute natürlich viel mehr Geld und sind medial wesentlich besser geschult. Das ist fast schon zu glatt. Ansonsten hat sich wenig geändert: Eine Mannschaft braucht Spieler, die sich gegen eine Niederlage stemmen. Richtig gute Spieler sind immer dann aufgeblüht, wenn neben ihnen einer war, der ihnen den Rücken freihielt. Andi Möller war am Besten, als neben ihm Steffen Freund gespielt hat.

Mehmet Scholl vertritt die These, dass nur ein Ex-Profi ein richtig guter Trainer und die Fußballlehrerausbildung unnötig sei.
Ich halte viel vom Scholli, weil er einer der Fachleute ist, wo du hinhören kannst. Mal abgesehen von dem faulen Ei, das er bei der EM in der Ukraine über Mario Gomez gesagt hat. Bei den Trainern gibt es wie bei den Fußballern keine jungen oder alten, es gibt nur gute oder schlechte. Natürlich hilft eine gute Ausbildung, aber man muss Trainer nach längerer Zeit beurteilen und nicht nach wenigen Monaten. Michael Oenning oder Robin Dutt kamen wie Phönix aus der Asche. Ob ein Trainer gut ist, sieht man erst nach vielen Jahren. Und die meisten guten Trainer schaffen es gar nicht nach oben. Wenn Freiburg damals nicht Volker Finke aus Havelse geholt hätte, hätte der nie 15 Jahre dort trainieren können. Ein Ex-Profi hat vielleicht Einblick ins Geschäft, aber das macht ihn nicht automatisch zu einem guten Trainer.

Teilen Sie die Vorurteile gegenüber RB Leipzig?

Viele - auch die Nürnberger Ultras - bedienen das Image des Retortenklubs. Aber was ist so schlimm daran? Das Red-Bull-Gesöff schmeckt zwar beschissen und Bier viel besser, aber der Herr Mateschitz verdient sein Geld nicht mit irgendwelchen Waffengeschäften in Saudi-Arabien oder stellt mit Kinderarbeit Textilien her. Und wenn er jetzt zu viel Geld hat, davon 32 Millionen in ein Nachwuchsleistungszentrum steckt und im dritten Jahr in die Bundesliga aufsteigt, dann ist es eben so. Und wenn Sie die 35 000 Zuschauer im Leipziger Stadion fragen, sagen die auch: Das Gesöff schmeckt beschissen, aber schön, dass er uns das Geld gibt.
Die Traditionsvereine hatten genügend Zeit, sich besser aufzustellen. Gladbach hatte ein Stadion, das vor Tradition getrieft hat, aber auch 40 Millionen D-Mark Schulden. Dann kamen Leute, die wirtschaftlich Ahnung hatten, jetzt haben sie ein neues Stadion und sind schuldenfrei. Wenn das so einfach wäre mit dem Erfolg, dann müsste Hoffenheim immer Meister werden. Auf Dauer werden eher die Fernsehrechte wie in England oder Chinesen mit Geld im Rucksack zum Problem.

Der 1. FC Nürnberg ist seit 16 Zweitligaspielen ungeschlagen. Steigt der Club mit unattraktivem Fußball auf?
Ich habe mich bei seiner Verpflichtung mit René Weiler eineinhalb Stunden unterhalten. Da findest du nicht raus, ob er seine Frau schlägt, aber dass er Ahnung vom Fußball hat. Das Problem beim Club war immer, dass der Managementbereich nicht zweigeteilt war. Martin Bader machte beides, kannte sich aber nur mit den Finanzen aus. Es gab niemanden, der den FCN fußballtechnisch geleitet hat. Das ist jetzt anders. Ich habe damals mit dem Club aus drei Spielen sieben Punkte geholt und mich sechs Wochen über die Spielweise geschämt, aber es war erfolgreich und so ist es im Moment auch. Du hast mit Leipzig und Freiburg zwei richtig gute Mannschaften, dahinter sieben oder acht gleichwertige Teams. Wenn du aufsteigen kannst, musst du das machen, allein schon wegen der Fernsehgelder.

Ist der Videobeweis sinnvoll?

Ich war schon immer ein Vertreter davon, dass man bei einer 4:0-Führung und einem Einwurf an der Mittellinie einen Videobeweis durchführt. Nein! Kein Versuch, den Fußball mit Regeln zu verbessern, funktioniert: Die Rückpassregel wurde eingeführt, um das Spiel schneller zu machen. Schalke war kurz Meister, ehe Referee Markus Merk einen zweifelhaften Rückpass pfiff und Patrik Andersson die Bayern zum Titel schoss. Dasselbe gilt fürs Abseits und die Diskussion, ob es ein Foul war. Wegen mir soll es die Möglichkeit geben, während einer Halbzeit zweimal auf den Monitor zu schauen und die Entscheidung zu prüfen. Ansonsten: Finger weg vom Fußball.

Hatten Sie in jüngster Zeit Trainerangebote?

Ich hatte mal eins von Österreich als Nationaltrainer. Und dann haben die mir gesagt, dass sie jemanden mit mehr Erfahrung geholt haben. Da war ich 68! Aber der Karel Brückner aus Tschechien war eben 72 und hatte wirklich mehr Erfahrung als ich.

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