Grabfeld-Klassiker auf Augenhöhe

Ein furioser Start und eine starke erste Halbzeit beim 1:1 zwischen dem TSV Aubstadt und dem TSV Großbardorf.
Aubstadts Dominik Grader (rechts) kämpft gegen Großbardorfs Manuel Leicht um den Ball.  Foto: Anand Anders
 
TSV Aubstadt - TSV Großbardorf 1:1 (1:1). Tore: 0:1 Shaban Rugovaj (6.), 1:1 Jens Trunk (13.).
Es war viel die Rede von "Augenhöhe" vor diesem zehnten Grabfeld-Derby in der Bayernliga Nord. Und nach dem 1:1 (1:1) nach 90 kurzweiligen Minuten zwischen dem TSV Aubstadt und dem TSV Großbardorf war es wieder so, brachten es die meisten Einschätzungen, egal aus welcher Perspektive, auf den selben Nenner, nämlich ein "Derby auf Augenhöhe." Selbst der von Platzwart Walter Gerner bestens präparierte und bespielbare Schulsportplatz trug seinen Part zu einem Derby der besseren Sorte bei. "Wir haben früh das Tor gemacht und leider zu früh den Ausgleich bekommen. Dann war es über 90 Minuten ein spannendes Spiel mit einem gerechten Ausgang, wobei beide Mannschaften nicht zu viel riskiert haben. Wir wissen schließlich, wie gefährlich die Aubstädter sind. Es war, denke ich, ein gutes Bayernligaspiel und ein Derby der besseren Art. Beide können damit leben", bilanzierte Großbardorfs Übungsleiter Dominik Schönhöfer.


750 Zuschauer

Gut, dass pünktlich vor dem Anpfiff des oberpfälzischen Schiedsrichters Roman Solter (Weiherhammer) der Himmel seine Schleusen schloss und in der zweiten Halbzeit sogar die Sonne sich durch die Wolken drängte. Rechtzeitig für die 750 zahlenden Zuschauer, zu spät wahrscheinlich für ein paar hundert Unentschlossene, die der warmen Stube den Vorzug gaben. Sie hätten ein lebhafteres Derby gesehen als jenes von der "Bloß-nicht-verlieren-Taktik" geprägte in der Vorrunde.

Im Gegensatz zu jenem gab es für die beiden Mellrichstädter Torhüter in Diensten der beiden Grabfeld-Bayernligisten von Beginn an Arbeit. Sowohl Christian Mack bei den Aubstädtern als auch Christian Dietz bei den Großbardorfern sorgten aber dafür, dass nicht mehr als die beiden Bretter der ersten Viertelstunde gebohrt wurden. Doch was heißt Bretter. Den Schlagabtausch waren denn auch beide Mannschaften vom Anpfiff an bereit zu eröffnen. Als kenne man sich so gut, dass ein Abtasten unnötig und man sich einig sei, den Zuschauern diesmal ein richtiges Spektakel zu bieten, begann die Partie mit hohem Tempo.

Und nur sechs Umdrehungen hatte der Sekundenzeiger absolviert, da stand es auch schon 0:1. Das ging so schnell, dass selbst Beobachter in unmittelbarer Tornähe nicht so genau zu beschreiben wussten, wie dieser Treffer gefallen war. Viele einigten sich auf eine Billard-Situation, Christian Mack nannte es "eher eine Ping-Pong-Situation." Großbardorfs André Rieß war auf der rechten Außenbahn seinen Bewachern entwischt und hatte sich bis zur Grundlinie durch gekämpft. "Seine scharfe Eingabe", so Mack, "nimmt der Rugovaj direkt. Ich wehre ab. Der Ball prallt Rugovaj ans Schienbein und geht rein." Billard hin, Ping Pong her, auf jeden Fall war es ein erzwungenes Zufallsprodukt. Da war es also, die erhoffte Führung, der gefürchtete Rückstand, dem nachzurennen, besonders bei schwierigen Platzverhältnissen und bei "Augenhöhe"-Mannschaften so schwer sein soll. Die Absicht der Gäste, von Beginn an Zeichen zu setzen, wer man selber ist, war aufgegangen und die vermeintliche Taktik der Gastgeber, nur ja nicht in Rückstand zu geraten, war aufgerissen. Natürlich antwortete die Francic-Elf mit wütenden Angriffen und band die elf Boardfer mit Abwehrarbeit am eigenen Strafraum.


Die schnelle Antwort

Und sie bekam bald ihren Lohn in Form des Ausgleichs nur sieben Minuten später. Auch Martin Thomann ging den Weg bis zur Grundlinie, von wo aus die Flanke in den Rücken der Abwehr ja so schwer zu verteidigen sein soll. Thomann chippte sie zudem so hoch, dass sie im Bogen vors Tor von Dietz nicht zu erreichen war. Und hinten am langen Pfosten kam Jens Trunk angestürmt, rammte und rannte zusammen mit dem Ball gleichermaßen über die Linie ins Netz zum 1:1. Eine schnelle Antwort und noch keine 13 Minuten gespielt.
Und das Schöne - zunächst: Beide Mannschaften dachten nicht daran, jetzt wieder auf den 0:0-Modus zu schalten, das Tempo raus zu nehmen, abwartend zu agieren. Es ging mit Hurra, hohem Tempo-Fußball und einem intensiven Spiel weiter. Beinahe wäre den Gästen der sofortige Gegenschlag gelungen, als Kanz auf der linken Bahn durch brach und Schönwiesner bediente, der - wieder von der Grundlinie - an Mack vorbei quer legte, wo André Rieß am langen Pfosten im Zentimeter ins Leere grätschte. Danach aber waren die Abschter bis zur Halbzeit am Ruder, erspielten sich ein deutliches Übergewicht an Spielanteilen, verbunden mit ein paar aussichtsreichen Einschussmöglichkeiten.


Schrumpfende Ressourcen

Doch Schönhöfers Abwehrverbund ließ wenig wirklich Gefährliches zu und blockierte mit mehreren Leibern die Torlinie, als ein Kopfball von Christian Köttler (27.) von der Lattenoberkante zurück in den Torraum fiel und ihn kein Aubstädter über die Linie brachte. Hoher Aufwand und Kräfteverschleiß ohne jedweden Ertrag. Was sich zunehmend in der zweiten Halbzeit bemerkbar machte. Eine Chance von Rugovaj (78.), vom Fünfmetereck drüber, eine Doppelchance von Thomann und Feser, von Keeper Dietz mit tollem Reflex vereitelt. Mehr wurde nicht bis zur echten Chance ausgespielt. Gewinnen wollten und konnten beide. Aber die schrumpfenden Kraft-Ressourcen bestimmten das Sicherheitsdenken, dass ein Punkt doch besser ist als keiner.
"Natürlich wollte ich gewinnen und bin deshalb leicht enttäuscht. Gut war, wie wir nach dem Rückstand sofort zurück gekommen sind und sogar noch hätten in Führung gehen können, als der Ball von Kötti an die Latte ging. Wir haben einen hohen Aufwand betrieben und mit schnellen, neuen Leuten noch alles versucht. Den gewünschten Glanz hat uns das leider nicht gebracht", wusste Aubstadts Coach Josef Francic.
Aubstadt: Mack - Bauer, Köttler, Grader, Hümmer - Feser, Leicht (86. Bäcker) - Trunk, Schebak, Thomann - Grell (73. Noack).
Großbardorf: Dietz - Zang, Orf (58. Reith), Kanz, Breunig (46. Seufert) - Schönwiesner, Kirchner - Rieß, Zehe, Leicht - Rugovaj (78. Fleischmann).

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