Volleyball 2. Bundesliga

Eine feine Geste: Mario Radman ist gerührt

Branko Damjanovic gibt seine MVP-Medaille an den Teamkollegen weiter. Der Sieg in Freiburg bestätigt den Aufwärtstrend der Hammelburger Jungs.
Im Breisgau aufgedreht: Zu den Affenbanden-Dompteuren gehörte auch Hammelburgs Lorenz Karlitzek (links). Foto: Patrick Seeger
 
von OLIVER WENDT
FT 1844 Freiburg - TV/DJK Hammelburg 1:3 (19:25, 25:19, 19:25, 22:25).
Manche Emotionen gibt es nur im Sport - ein Spruch, der an diesem Abend eindrucksvoll seine Bestätigung finden sollte. Kurz nachdem Hammelburgs überragender Branko Damjanovic die MVP-Medaille für den besten Akteur entgegengenommen hatte, reichte er diese an Teamkollegen Mario Radman weiter. "Branko hat gesagt, dass mir diese Ehrung zusteht, weil ich trotz Schmerzen alles gegeben habe, und was soll ich sagen? Das Team ist doch meine zweite Familie", so der sichtlich gerührte Mittelblocker. Kurz zuvor hatten die Hammelburger Jungs in einem hochklassigen und emotionalen Bundesligaspiel, die Gastgeber aus Freiburg niederringen und einen fast schon sicher geglaubten vierten Satz sensationell drehen können.
Die sozialen Netzwerke glühten. Über WhatsApp schrieb ein stolzer Abteilungsleiter Matthias Benner: "Beim 12:18 war der vierte Satz für mich schon rum, wie habt ihr denn das bitte angestellt ihr super Jungs?". Es sollte das Zusammenspiel einer tollen Teamleistung und von Glanzmomenten einzelner Akteure sein. "So hatte wirklich jeder Spieler in einem perfekt funktionierenden Mannschaftsgefüge seinen Beitrag zu dem tollen Erfolg beigesteuert", wollte Trainer Tado Karlovic keinen Akteur besonders herausstellen.


Offensivabteilung tobt sich aus

Kaum hatte Maskottchen Bongo im Freiburger "Burda-Dschungel" seinen Eröffnungstanz beendet, präsentierten sich die Hammelburger Jungs nahezu fehlerlos. Ausgehend von Präzisions-Annahmen von Libero Lukas Spachmann, konnte sich die Offensivabteilung fast nach Belieben austoben. Nur eine Disziplin war in diesem makellosen ersten Satz noch beeindruckender: Die Blockleistung der Hammelburger Hünen, die angetrieben von "Vulkan" Mario Radman fast keinen Freiburger Angriff von außen zuließen. Andreas Fell, Bruder von Mittelblocker Friedrich Fell und Wahl-Freiburger, der an diesem Abend als Zuschauer zugegen war, brachte es auf den Punkt: "Ich habe keinen Freiburger Punkt von außen, aber mindestens zehn Hammelburger Blocks gesehen."
Etwas zu lange freuten sich die Gäste über das zuvor Gezeigte und verschliefen prompt den Beginn des zweiten Satzes. "Diesen haben wir durch einfache Fehler zu Beginn verloren, während Freiburg vor allem in der Feldabwehr immer richtig stand", resümierte Karlovic den Folgesatz, während die etwa 350 Zuschauer weiterhin ein intensives Volleyballspiel verfolgen durften.


Emotionale Härte

Dieses nahm zwar nun auch an "emotionaler Härte" zu, spielte sich aber vor allem im oberen Freiburger Luftraum ab. Eine weitere Fehde lieferten sich beide Teams im Aufschlag. Erst war es der Hammelburger Friedrich Fell, der sich beim 11:14 den Ball schnappte und mit fünf "Float-Aufschlägen", den Grundstein für die 16:14-Führung legte. Nun konterte Freiburgs Jungtalent Giovanni Böwer, der Fell mit vier erfolgreichen "Floatern" in nichts nachstehen sollte. Der Rest wurde vom starken Dominic Salomon aus dem Rückraum besorgt. "Wenn ihr so weitermacht, dann sehe ich null Gefahr, dass ihr die Liga nicht haltet", lobte Salomon nach dem Spiel den Hammelburger Auftritt und hatte selber großen Anteil daran, dass es auch im dritten Satz ein Duell auf Augenhöhe blieb. "Wenn die Bälle mal nicht zu hundert Prozent zum Draufhauen einladen, müsst ihr clever spielen", schrieb Tado Karlovic seinen Mannen vor dem dritten Satz auf die To-Do-Liste. Angeführt vom starken Kapitän Felix Bendikowski, hatten die Hammelburger überragende Aktionen. Beim 11:11 hieß es erst Monsterblock Karlitzek, dann Monsterblock Bendikowski, und der Satz kippte gen Hammelburg. Den Rest erklärte Branko Damjanovic im Aufschlag zur Chefsache.

"Danach haben wir es leider mit zu viel Gewalt im Angriff probiert", analysierte Karlovic, dessen Zeigefinger immer wieder an die Stirn tippte, um an die Cleverness seiner Spieler zu appellieren. Ein top Freiburger Stellungsspiel in Feldabwehr und Annahme ließ den Zählerstand auf 18:13 anwachsen. Wer nun glaubte, Hammelburg zeige nun eine "Na ja, wir haben ja schon einen Punk-Mentalität", sah sich getäuscht. Erneut war es der spätere MVP Damjanovic, der keine Lust auf Tie-Break hatte und mit einer klasse Aufschlagserie seine Teamkollegen überzeugte, dass drei Punkte doch eine feine Sache sind.


Jetzt geht's gegen Grafing

Wie entfesselt spielten die Hammelburger nun, die nach dem Matchball ihrer Freude freien Lauf ließen. "Das waren unglaublich wichtige weitere Punkte gegen den Abstieg und nun freuen wir uns auf das kommende Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten aus Grafing", freute TV/DJK Kapitän Felix Bendikowski, dem es wie seinem Team dann auch wenig ausmachte, dass man erneut erst um halbvier Uhr in der Früh zu Hause ankam.

zum Thema "TV DJK Hammelburg"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.