Volleyball 2. Bundesliga

Die Hammelburger Jungs und die Lust am Extremen

Die Spiele gegen die L.E. Volleys haben bereits jetzt Kult-Charakter.
Blockarbeit als Macht-Demonstration: Der hohe Luftstand von Felix Bendikowski (links) und Henning Schulte garantiert den Hammelburger Punktgewinn. Foto: Hopf
 
von JÜRGEN SCHMITT
TV/DJK Hammelburg - L.E. Volleys 3:2 (25:20, 22:25, 13:25, 25:20, 18:16).
Wieder ein Heimsieg über Leipzig im Tiebreak, die Geschichte hat sich wiederholt. Eine Geschichte mit bleibenden Eindrücken. Mit Facetten der Fassungslosigkeit. Weil die Hammelburger über ihren ersten Saisonsieg genauso staunen durften wie die Sachsen, die im finalen Satz doch so gut wie durch waren, mit 7:2 schon geführt und später drei Matchbälle hatten, um das Spiel der Nerven und Emotionen doch zu verlieren. Ein Aufschlag im Aus, ein Wahnsinns-Block von Henning Schulte und der gesetzte Matchball von Oscar Benner waren Hammelburgs entscheidende Punkte ins Glück.


Fassungslos...

"Oh wie ist das schön" intonierte das Publikum - nicht minder fassungslos. "Extrem geil", fand das Lorenz Karlitzek, der aufgrund seiner Schulterprobleme erst im dritten Satz ins Spiel gebracht wurde, dann aber entscheidende Akzente setzte. "Wenn ich spiele, dann Vollgas. Und an den Sieg haben wir immer geglaubt. Die Stimmung war ganz anders als bei der Tiebreak-Niederlage gegen Schwaig. Wir waren alle on fire", sagte der 17-Jährige. "Ihn haben wir nicht in den Griff bekommen, daher habe ich ihn auch zum MVP gewählt", sagte später Leipzigs Trainer Thomas Bauch, dessen Freude über den ersten Zähler überhaupt verständlicherweise nicht besonders ausgeprägt war. "In diesem Hexenkessel hier haben wir phasenweise richtig gut gespielt. Im Tiebreak haben wir vielleicht Angst vor der eigenen Courage bekommen, aber eine Erklärung fällt mir schwer. Die längere Pause beim Seitenwechsel durch die Probleme im Schiedsgericht hat uns jedenfalls auch nicht gut getan", sagte der Übungsleiter der L.E. Volleys.


Ein intensiver Beginn

Das Hochamt im Volleyball-Tempel begann wie immer stimmungsvoll. Vom ersten Punkt an entwickelte sich ein intensives Match mit einer ersten größeren Führung beim 14:10. Ein Vorsprung, der Sicherheit brachte ins Spiel der Hammelburger Jungs, die hart arbeiteten, aber auch der Kunst frönten wie beim Trickball von Bruno Simunic zum 21:14, gleichbedeutend mit dem Satzgewinn gegen die Messestädter, die mit Sebastian Hähner und Jannik Kühlborn auf zwei Qualitäts-Außenangreifer verzichten mussten.
Satz zwei sah die Sachsen vorn, die um Nuancen stabiler spielten, sich aber nicht absetzen konnten. Weil ein Oscar Benner starke Aktionen hatte. Weil ein Bruno Simunic ein Ass einstreute. Und weil die Leipziger Nerven zeigten - 10:10. Doch die Gäste fingen sich, führten bei der zweiten technischen Auszeit mit 16:13, profitierten danach von einigen Hammelburger Fehlgriffen. Beim 18:21 setzte TV/DJK-Coach Tado Karlovic die Auszeit, beim 18:22 gleich die nächste und brachte Comebacker Olli Möller, was den Satzverlust nicht verhinderte.


Ein paar Aussetzer zu viel

Das Auf und Ab fand seine Fortsetzung. Sicher spannend für das Publikum, sicher nervig für die Trainer, die für ein anspruchsvolles Spiel ein paar Aussetzer zu viel sahen in diesem Duell zweier bis dato siegloser Teams. Auf 11:6 zogen die Gäste davon, die gar nicht überragend spielen mussten, um auf Kurs zu bleiben. Gerade beim Aufschlag und in der Blockarbeit waren die Leipziger eine Klasse besser.
Das Momentum blieb im vierten Satz zunächst auf der falschen Netzseite, wo die Sachsenbrust immer breiter zu werden schien, während die Schiedsrichter-Schelte von Tado Karlovic einen Punktabzug zur Folge hatte - aber auch Emotionen, die es jetzt brauchte. Und die von allen Seiten kam. Das 10:9 durch den Keil von Bendikowski wirkte wie ein Jungbrunnen. Jetzt passte die Mischung aus Präzision und Kraft. Und mit dem 20:14 durch den Bendikowski-Monsterblock stimmte der Trend endgültig. "Meine Jungs haben in manchen Phasen zu viel gewollt und sich damit ein Bein gestellt. Macht man Fehler, wird man vorsichtiger, und das stärkt den Gegner", analysierte Tado Karlovic, der ungeachtet der vielen Schwankungen das Glas halbvoll sah, mindestens. "Leipzigs Zuspieler Predrag Bicanin hat einfach außergewöhnlich gut die Bälle verteilt. Wir haben sicher nicht schlecht gespielt, hatten im richtigen Moment auch Wachrüttler wie beim Block von Friedrich Fell." Ein Rätsel blieb an diesem Abend allerdings ungelöst. Hatte sich Hammelburgs Trainer im vierten Satz tatsächlich über Entscheidungen des Unparteiischen-Duo echauffiert? Oder steckte Kalkül dahinter, um Mannschaft und Publikum zu kitzeln, an der Ehre zu packen. Geholfen hatte es in jedem Fall.

zum Thema "TV DJK Hammelburg"

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