Der Rocky-Hymne folgte der Hammelburger Knockout

Beim Zweitliga-Start leisten sich die Hammelburger Jungs viel zu viele einfache Fehler. Die TV/DJK-Frauen gewinnen ihre Saisonpremiere in der 3. Liga.
Der fliegende Holländer macht Druck: Der Block von Friedrich Fell (von links) und Henning Schulte ist kein Hindernis für Frank Manenschijn, den Niederländer in Diensten der TG Mainz-Gonsenheim. Foto: Hopf
 
von JÜRGEN SCHMITT
TV/DJK Hammelburg - TG Mainz-Gonsenheim 1:3 (25:18, 26:28, 20:25, 21:25).
Am Tag, als sich der Sommer wohl endgültig verabschiedete, wurde das Hochdruckgebiet einfach in die Saaletalhalle verlegt. Vor fast ausverkaufter Halle wurden die Hammelburger Jungs zu ihrem Saisonstart euphorisch begrüßt. Ein Trompeter-Trio intonierte bei der gewohnt stimmungsvollen und visuell aufgepimpten Vorstellung "gonna fly now", die Film-Musik aus dem Rocky-Film. Dass am Ende des Abends ein bitterer Knockout stehen würde, diesen Gedanken ließ die beachtliche Inszenierung eigentlich nicht zu. Zumal die Saalestädter tatsächlich die Muskeln spielen ließen im laut Hallensprecher Olly Wendt verrücktesten Volleyballtempel Unterfrankens.
Große Worte, denen Taten folgten. Zunächst. Beim 4:3 stand die erste Führung auf der Anzeigen-Tafel, bei der ersten technischen Auszeit hieß es 8:4 für die Unterfranken. Die einzige kritische Phase (14:13) korrigierte Coach Tado Karlovic mit einer Auszeit. Power-Ranger Aldin Dzafic vertrieb böse Gedanken endgültig mit dem abgefeierten Punkt zum 16:13, der Winner von Lorenz Karlitzek zum 21:15 war quasi gleichbedeutend mit dem Satzgewinn. Das alles mit Neuzugang Branko Damjanovic als Libero. Erst später sollte Lukas Spachmann, nach mehrwöchigem USA-Aufenthalt noch mit Trainingsrückstand behaftet, auf seine Stammposition zurückkehren.


Die Waffen einer Frau

In der Vorsaison hatten die Saalestädter beide Spiele gegen die Rheinland-Pfälzer gewonnen, aber der vielversprechende Auftakt hinterließ keinesfalls einen Wirkungstreffer beim Gegner. Der schlug nämlich zurück, und zwar mit den Waffen einer Frau. Aline Beigel heißt die Trainerin der Gäste, die einen 9:4-Blitzstart hinlegten, bei der zweiten technischen Auszeit sogar mit 16:8 führten, weil im TV/DJK-Spiel die Fehlerquellen nur so sprudelten. "Am Anfang haben wir es den Hammelburgern zu leicht gemacht. Aber wir haben vor allem über den Aufschlag mehr Druck entwickeln können, sind hier auch bewusst Risiko gegangen und haben so die Annahme des Gegners geknackt und unsere Block-Feldabwehr entscheidend stabilisiert", sagte Beigel.
Karlovic warf die Rotationsmaschine an mit den Einwechslungen von Oscar Benner, Timm Benecke und Bruno Simunic. Die Klatschpappen wurden aufs Ärgste strapaziert, als Lorenz Karlitzek sein Team mit starken Aktionen tatsächlich wieder ins Spiel brachte (19:19). Es sollte die entscheidende Phase des Spiels sein. Und es wurde ein bitterer Satzverlust, weil die Hammelburger einfach keine Konstanz in ihr Spiel brachten, vor allem durch viele Aufschlag-Fehler die Gegenüber zusätzlich stark machten. "Fehler macht ja keiner mit Absicht. Es ist natürlich schade, wenn man zurückkommt, sich aber nicht belohnen kann", sagte Tado Kalrovic.
Das Negativerlebnis sollte in den Köpfen bleiben. Famos blieb die Unterstützung von den Rängen, aber die Fehlgriffe auf dem Feld wurden nicht weniger. Schnell führten die Mainstädter mit 10:4, die kaum Schwächen zeigten, sich sogar den Luxus erlaubten, ihren starken Diagonalspieler Frank Manenschijn auf die Bank zu beordern. Den fliegenden Holländer brauchte es nicht einmal, um verunsicherte Hammelburger im Schwitzkasten zu behalten. Prima Aktionen von Oscar Benner machten Hoffnung (10:17), und beim 15:18 schien tatsächlich die Wende möglich. Besser sollte das Klima auf dem Feld aber nicht werden, weil Zwischen-Hochs vom nächsten Tief verlässlich abgelöst wurden.


Verunsicherung als Begleiter

Die Verunsicherung blieb ein treuer Begleiter der Lokalmatadoren, die nicht mehr die positiven Emotionen entwickeln konnten, die es für ein Comeback gebraucht hätte. Ausschläge nach oben gab es nur noch selten. Bei der spektakulären Fußabwehr von Henning Schulte beispielsweise, die dank Oscar Benner sogar den Punkt zum 9:9 brachte. Der 18-Jährige war es auch, der sein Team mit 11:10 in Führung brachte. Fortuna ließ sich noch einmal blicken beim Netzroller von Lorenz Karlitzek, aber dann übernahm der Gast wieder das Kommando. "Die Mainzer haben ihre Punkte geschickt eingefädelt. Wir können dennoch auf viele Sachen aufbauen. Es waren Kleinigkeiten, die das Spiel entschieden haben", blieb Karlovic in seiner Analyse nachsichtig. Der erste Mainzer Matchball saß: durch den Angabefehler von Aldin Dzafic. Auf makabre Art ein logisches Ende dieses Spiels. "Nach dem ersten Satz haben wir das Spielen aufgehört. Wir dachten wohl, die Geschichte gegen Mainz geht so weiter, aber jedes Märchen findet einmal ein Ende", bilanzierte Karlovic.

TV/DJK Hammelburg - Dresdner SSV 3:1 (25:23, 25:17, 18:25, 25:20).
"Die Miniserie hält. Dresden scheint uns zu liegen", sagte Olli Möller nach dem überaus gelungenen Auftakt seiner Mannschaft. Gegen die Sachsen hatten die TV/DJK-Frauen beide Spiele der Vorsaison gewonnen, darunter das finale Spiel, das den Klassenerhalt bescherte. Die wichtige Einordnung ist Möller allerdings wichtig. "Wir haben sicher davon profitiert, dass der Gegner nach personellen Veränderungen noch nicht so gefestigt ist. Wenn die Dresdner eingespielt sind, werden sie weitaus schwerer zu knacken sein."


Die Auszeit hilft

Vom berühmten Reinfinden in die Saison sprach Möller bei der Analyse des ersten Satzes mit einem nervösen Beginn. Das Spiel der First Ladies stabilisierte sich dank druckvoller Aufschläge und guter Blockarbeit. Das Team aus Dresden besitzt aber Qualität und stand bei einer 23:21-Führung unmittelbar vor dem Satzgewinn. Möller nahm die Auszeit - mit Erfolg. "Danach haben wir uns wieder auf unsere Stärken besonnen und vier Punkte am Stück gemacht."
Die immerhin 100 stimmungsvollen Fans sahen auch in Abschnitt zwei ein Spiel auf Augenhöhe mit leichten Vorteilen für die TV/DJK-Frauen. Allein die großgewachsene Ulli Gebhardt bereitete dem Heimteam erhebliche Probleme mit ihren harten Angriffsschlägen. "Die war schwer in den Griff zu bekommen, aber meine Mannschaft hat aufopferungsvoll gekämpft", so Möller. Auch mit der Unterstützung von Neuzugang Linda Urbaniec, die in Satz zwei für Christine Fell ins Team kam, war der nächste Teilerfolg geschafft.


Unnötiges Erbe

Auf dieses "Erbe" hätten die Gastgeber gerne verzichtet. "Die Probleme aus der letzten Saison hatten wir auch diesmal. Wir haben unser Spiel nicht durchgezogen, obwohl wir die Möglichkeiten hatten", sprach Möller fehlende Konsequenz an, was zum Satzverlust führte. In den entscheidenden Phasen bewiesen die Sachsen das größere Stehvermögen. Umso schöner sollte das Happyend werden, zumal die Saalefrauen bis zum 10:10 stets einem Rückstand hinterhergelaufen waren. Dann aber flutschte es im TV/DJK-Spiel. Starke Aufschläge von Laura Schmitt, prima Zuspiele von Christine Fell und reichlich Gewinnschläge von Tabea Lang brachten die entscheidenden Punkte. "Für uns waren das drei wichtige Punkte gegen den Abstieg. Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt, und das möglichst früh", sagte Olli Möller.

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