Das neue Wir-Gefühl beim FC Schweinfurt 05

Adam Jabiri erlöst beherzt anrennende Schweinfurter mit dem 1:0 in letzter Sekunde gegen Angstgegner Illertissen.
Der FC 05 Schweinfurt um (von links) Lukas Billick und Marco Janz hat den FV Illertissen und Alexander Nollenberger in letzter Sekunde mit 1:0 geschlagen.  Foto: Frank Scheuring/Foto2press
 
FC 05 Schweinfurt - FV Illertissen 1:0 (0:0). Tor: 1:0 Adam Jabiri (90+2).
Und dann doch noch Adam Jabiri! In letzter Sekunde machte der zuvor mit dem Fuß mehrfach gescheiterte Schweinfurter Stürmer sein Tor - mit dem Kopf. Und erlöste seine Mannschaft, die 90 Minuten gemacht, getan und probiert hatte, vergebens wie es schien. Verdient. Hochverdient. Weil es ein Sieg des Willens war, eines Willens, wie er einfach belohnt werden muss. "Uns ist ja immer die Art und Weise wie wir uns präsentieren wichtiger als das Ergebnis. Und diese Art und Weise war heute sehr, sehr gut", befand Jabiri. Sein Coach Gerd Klaus reduzierte das auf ein einziges Wort: "Wir-Gefühl."

"Da interessiert es mich überhaupt nicht, auf welchem Tabellenplatz wir überwintern", so Klaus angesichts der beiden noch vor der Pause anstehenden Aufgaben bei den Kellerkindern Seligenporten und Hof. "Nur die Entwicklung zählt. Und da sind wir jetzt bei diesem Wir-Gefühl angelangt." Und einen nannte er da besonders: eben jenen Adam Jabiri. "Er hat es jetzt auch kapiert, wie er spielen muss. Und dann schießt er eben auch so ein spätes Tor. Normalerweise müsste man ihm ja heute eine Geldstrafe geben, um den Platzwart bezahlen zu können. Adam hat den Platz ja komplett umgeackert." Fürwahr, so intensiv hat der Ex-Kickers-Akteur selten gespielt.


Dicke Dinger

In einer insgesamt sehr intensiven Partie, wohlgemerkt. Denn: Da konnte der November seine Tristesse noch so sehr kübelweise über das Sachs-Stadion auskippen, das sportliche Geschehen dort war ein kunterbuntes. Schon die erste Halbzeit hätte weiß Gott nicht 0:0 enden müssen. Nach 100 Sekunden setzte Jabiri den Ball knapp übers Illertissener Tor. Um die 20. Minute herum hatte er noch zwei dicke Dinger, rein wollte der Ball aber nicht. Wie auch bei Nikola Jelisic, der nach Johannes Gollas Flanke nur den Pfosten traf (12.). Doch auch die Schwaben, die aus einem Minus an Ballbesitz ein Plus an schnellen Angriffen machten, hatten ihre Szenen: Nach Lukas Klings Hackentrick verzog Sturmsolist Alexander Nollenberger (8.), bei Nicolas Janns verunglückter, aber scharfer Flanke kam 05-Keeper David Paulus gerade noch ran (26.) und Nollenberger war nach einer Nachlässigkeit von Steffen Krautschneider zu unentschlossen vor Paulus (45.), dem Jabiri attestierte: "Das war heute der beste Mann auf dem Platz."


Noch entschlossener

Mit Wiederbeginn wirkten die Schweinfurter noch entschlossener, drängten den Gegner weit in dessen Hälfte. Doch litt die Präzision beim finalen Pass unter dem Kraftverlust, den der brutal tiefe Platz forderte. Zeitweise schlich sich angesichts des ausbleibenden Torerfolgs aber das Gefühl ein, Illertissen könnte noch einen entscheiden Konter setzen. Als dem Gast aber die letzten Reserven ausgingen, nutzte das der FC 05 zu einem letzten Ansturm. Erst rutschte ein Flachschuss des eingewechselten Kevin Fery haarscharf vorbei (86.). Dann traf Christopher Kracun aus 20 Metern die Latte, der kurz zuvor ins Spiel gekommene Marino Müller köpfte anschließend dem zupackenden Torwart Felix Kielkopf den Ball aus den Händen, doch vorbei (89.). Und dann die letzte Ecke: Kracun - Jabiri - Tor. "Offenbar kann ich besser köpfen als schießen", witzelte der Schütze. "Er köpft härter als er schießt", sah's Klaus nicht viel anders.


Entspannt wie lange nicht

Ohnehin war der Trainer entspannt wie lange nicht. "Das war ein Spiel, wie wir es gebraucht haben", wusste er nur zu gut, dass der langfristige Ertrag eines solchen Sieges deutlich höher ausfällt als der eines locker-flockigen 7:0 über Schalding-Heining. Denn Angstgegner Illertissen erwies sich einmal mehr als echter Gradmesser. Giftig, spielstark und taktisch sehr diszipliniert verlangten die Schwaben den Schweinfurtern alles ab.
"Ich kann meiner Mannschaft nur ein Lob aussprechen", war Trainer Ilija Aracic nur mit dem Resultat nicht einverstanden. So einem Kontrahenten erst einen offenen Schlagabtausch zu liefern, um ihn nach der Pause phasenweise an die Wand zu spielen, zeugt davon, dass die Nullfünfer ihre Herbst-Krise überwunden haben könnten und als Kollektiv immer kompletter werden. Was auch die Fans gespürt haben, die erstmals in einem Heimspiel wieder eine hervorragende Unterstützung ablieferten. Was Klaus nicht entgangen war: "Nur so kommt auch auf dem Platz eine solche Leistung zu Stande. In Schweinfurt geht es nur miteinander." Wir-Gefühl eben...
Schweinfurt: Paulus - Paul, Billick, Janz, Golla - Kracun - Willsch (84. Müller), Jelisic (58. Fery), Krautschneider - Görtler, Jabiri.

zum Thema "1. FC Schweinfurt"






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