Das Kollektiv der Grabfeld-Gallier

Ein Tor in Hof fehlte dem TSV Großbardorf in der letzten Saison zum Titel. Mit fast unverändertem Stammkader nimmt die Schönhöfer-Elf einen neuen Anlauf.
Feines Füßchen: Vom TSV Reiterswiesen gekommen, hatte Adrian Reith (am Ball) in der vergangenen Saison auf Anhieb den Sprung geschafft in den Bezirksliga-Kader des TSV Münnerstadt. Viele Tore öffneten aktuell die Tür zum Bayernligisten TSV Großbardorf. Foto: Hopf
 
Wenn an diesem Sonntag (16 Uhr) mit dem Gastspiel beim Neuling SpVgg Ansbach die Bayernligasaison 2016/17 für die Grabfeld-Gallier eingeläutet wird, fragen sich viele Anhänger der Bardorfer: "Kann die Mannschaft von Cheftrainer Dominik Schönhöfer an die teilweise hervorragenden Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen? Kann sie einen ebenso herausragenden Platz erreichen? Das Spieljahr 2015/16 schloss Großbardorf auf Rang vier ab und spielte bis zur letzten Minute um den Regionalligaaufstieg mit. Doch das torlose Unentschieden in Hof am letzten Spieltag reichte nicht: Ein Törchen dort fehlte. Dennoch war der TSV-Coach mit dem Erreichten zufrieden.

Die Spieler des aktuellen Kaders geben sich positiv und sind überzeugt, wieder an der Tabellenspitze ein Wörtchen mitreden zu können. Immer wieder war bei der Vorstellung des Kaders und der Neuzugänge von den Spielern zu hören, dass die Mannschaft eine "hohe Qualität" besitze. Frohnlachs Trainer Oliver Müller ging nach dem Pokalspiel am Samstag, das die Bardorfer im Elfmeterschießen für sich entschieden, sogar so weit, die Grabfeld-Gallier als Aufstiegsfavorit Nummer eins zu bezeichnen.


Konkurrenz rüstet auf

Doch in dieser Hinsicht wiegelt Schönhöfer energisch ab: "Ich denke, dass die Qualität der Bayernliga höher geworden ist. Andere Vereine haben finanziell ganz andere Möglichkeiten als wir. Einige Vereine wie die Regionalligaabsteiger Viktoria Aschaffenburg und FC Amberg sowie die SpVgg SV Weiden und unser Nachbar TSV Aubstadt haben mächtig aufgerüstet und wollen den Sprung in die Regionalliga in dieser Runde schaffen. Dazu kommen Klubs wie zum Beispiel der SC Eltersdorf, die durchaus überraschen können. Die Liga ist sicher stärker geworden. Ich bin überzeugt, dass es eine spannende Saison wird."

Dass es keine einfachen Spiele für sein Team geben wird, davon ist der Coach der Grabfelder ebenfalls überzeugt: "Unser mühsamer Sieg im Pokal gegen Frohnlach hat gezeigt, wie schwierig es werden wird, ein Match für uns zu entscheiden. Wir müssen in jeder Partie sicher alles geben, um zu punkten und erfolgreich Fußball zu spielen." Wichtig und mitentscheidend für das Abschneiden wird sicher auch sein, ob die Großbardorfer gut aus den Startlöchern kommen und Leistungsträger von schweren Verletzungen verschont bleiben. Das war in der abgelaufenen Runde ein Problem, denn der Kader war doch sehr dünn.


Ein Duo droht auszufallen

Das haben die Verantwortlichen natürlich bemerkt und haben den Kader in der Breite, aber auch in der Spitze, mit sieben Neuzugängen verstärkt. Allerdings drohen bereits jetzt mit Benjamin Freund und Marcel Hölderle, beide plagen Knieprobleme, auszufallen. Bei der Verpflichtung der Neuzugänge im grünen Dress sind die Grabfeld-Gallier ihrer Linie und Philosophie treu geblieben und haben wieder auf die Jugend gesetzt. Bis auf den 27-jährigen Pascal Stahl, der vom Klassenkonkurrenten Sand zum TSV zurückkehrte, sind Simon Voll, Pascal Zehe, Lennart Seufert, Johannes Kanz, Adrian Reith und Jean-Bosco Makengo alles blutjunge und hungrige Spieler, die laut Schönhöfer alle ins Team passen.

Simon Voll rückt aus der eigenen U 19 in den Bayernligakader auf und ist als Ersatzmann für Stammtorhüter Marcel Wehr vorgesehen. Lennart Seufert, ein Abwehrspieler, spielte schon einmal in der Jugend für den TSV und kam aus der U 19-Bundesligamannschaft von Rot-Weiß Erfurt zu den Grabfeld-Galliern. Kanz, ebenfalls Abwehrspieler, sucht mit seinem Wechsel vom Bezirksligisten TSV Münnerstadt nach Großbardorf die Herausforderung Bayernliga. Beide bewiesen in den bisherigen Test- und Pokalspielen, dass sie durchaus in der Lage sind, ihren Mann auf diesem Niveau zu stehen. Ebenfalls vom TSV Münnerstadt wechselte Adrian Reith, ein Angreifer, zum TSV. Pascal Zehe, derzeit noch verletzt, ist der jüngere Bruder von Dominik Zehe, der schon seit einigen Jahren das Mittelfeldspiel zumeist zusammen mit Stefan Piecha ankurbelt. Als letzten Spieler verpflichteten die Grabfelder Jean-Bosco Makengo, einen offensiven Mittelfeldspieler mit kongolesischen Wurzeln, der zuletzt in der U 19-Hessenliga für den FSV Frankfurt kickte, bevor er nach Großbardorf wechselte: "Ich habe gehört, dass man in Großbardorf auf junge Spieler setzt und diese immer eine Chance bekommen", gibt der in Hanau geborene Makengo als Grund für seinen Wechsel an. In Frankfurt spielte Makengo mit Gregor von Westphalen, dem Sohn des Großbardorfer Hauptsponsors Johannes von Westphalen, in einer Mannschaft.


Schönhöfers gutes Geühl

Von Vorteil sollte es sein, dass das so erfolgreiche Team aus der Vorsaison weitgehend zusammengeblieben ist. Von den Stammspielern verließ nur Torjäger Simon Snaschel, dessen Tore in der Schlussphase der abgelaufenen Runde so schmerzlich vermisst wurden, berufsbedingt den TSV und schloss sich dem Bezirksligisten TSV Münnerstadt an. Besonderen Wert legt Schönhöfer auf das Zusammenspiel als Mannschaft, das Wichtigste für ihn: "Es geht bei uns sicher nur übers Kollektiv. Ich habe auch in dieser Saison vollstes Vertrauen in meine Jungs und bin zuversichtlich, dass wir gute Spiele abliefern werden und es eine erfolgreiche Saison geben wird. Ich habe ein gutes Gefühl."

Erfreut hat ihn, dass sich seine Akteure weiterentwickelt haben. Diesen Prozess fortzuführen sieht der 45-Jährige in dieser Runde als seine Hauptaufgabe an: "Ich hoffe, dass mir dies gelingt, bin aber zuversichtlich, wenn ich sehe, mit welcher Leidenschaft jeder einzelne an sich arbeitet. Alle meine Jungs geben stets alles. Das freut mich unheimlich. Wir wollen weiter zusammenwachsen und uns weiter verbessern."

Die Vorbereitungsspiele seiner Truppe beurteilt Schönhöfer als "in Ordnung. In Bamberg beim Pokalspiel haben wir eine recht zufriedenstellende Leistung abgeliefert und auch mit dem Auftreten gegen Frohnlach war ich einverstanden. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir uns aber noch steigern." Auf eine solche Steigerung hofft der TSV-Coach bereits am Sonntag in Ansbach, wenn es um die ersten Punkte geht. Daran schließt sich gleich eine englische Woche an. Am kommenden Mittwoch gibt der SC Eltersdorf seine Visitenkarte in der Bioenergie-Arena ab (18.30 Uhr), bevor es am Samstag, 23. Juli, zum FC Würzburger Kickers II geht. Sehr früh in der Saison, bereits am vierten Spieltag, steht dann das prestigeträchtige Derby gegen den Lokalrivalen TSV Aubstadt am 30. Juli, 16 Uhr, auf dem Programm.

In all diesen Spielen werden die Grabfeld-Gallier mit neuen Trikots auflaufen. Der Kontakt zur Ausrüsterfirma Hummel kam über den Ex-Großbardorfer Alexander Mantlik und deinteam24.de zustande, über das Internetportal stattet er Vereine mit Fußball-Utensilien aus. Die Zusammenarbeit mit Hummel ist auf fünf Jahre ausgelegt, ein Testspiel gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth ist Teil der Vereinbarung.


Ein Knipser fehlt

Ein Knipser, wie Mantlik es einst war, scheint den Großbardorfern derzeit im Kader zu fehlen. In vielen Vorbereitungsspielen erspielte man sich eine große Anzahl Torchancen, aber die Ausbeute war kaum einmal zufriedenstellend. Schönhöfer probierte es zuletzt gegen Frohnlach mit Pascal Stahl in der Spitze. Aber auch Björn Schönwiesner durfte sich als Stoßstürmer versuchen. Wer letztendlich regelmäßig in vorderster Front agieren wird, ist noch nicht entschieden.

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