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Winzer in Franken: Warum es dieses Jahr wohl keinen Eiswein gibt

Wird es in diesem Jahr noch eine Eisweinlese geben? Die Chancen darauf sinken. Das hat nicht nur mit den Temperaturen zu tun.
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Mitarbeiter und Helfer eines Weinguts ernten am 30.11.2016 in Nordheim am Main (Bayern) gefrorene Silvanertrauben für den Eiswein.    Foto: Daniel Karmann/dpa
Mitarbeiter und Helfer eines Weinguts ernten am 30.11.2016 in Nordheim am Main (Bayern) gefrorene Silvanertrauben für den Eiswein. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der nasse September und die deshalb nötige Turbolese in den Weinbergen hat auch in Franken die Chancen auf einen Eiswein des Jahrgangs 2016 geschmälert. "Das ist deshalb schwierig, weil die Reifezeit in diesem Jahr schon sehr früh war. Wir haben deshalb eine lange Zeitspanne, bis ein wahrscheinlicher Frost kommt", sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes der Deutschen Presse-Agentur. Das Risiko, dass die Trauben bis dahin nicht mehr gut genug für den Eiswein sind, sei deshalb erheblich erhöht.

Steinmann selbst hat keine Trauben für den süßen Weißwein hängen lassen. "2016 hatten wir eine gute Eisweinernte. Der außergewöhnlich frühe Frost Ende November und Anfang Dezember mit hohen Minusgraden war ein Geschenk für viele Winzer", sagte Steinmann. So früh so kalte Nächte habe es zuletzt 1998 gegeben. Wenn der Frost dagegen erst im Januar kommt, sind viele Trauben schon zusammengeschrumpelt, faul geworden oder es sind viele Pilze darauf.


Eiswein als teure Spezialität

Im besten Fall könne der Winzer dann aus der Not noch eine Tugend machen und aus den Trauben eine Trockenbeerenauslese pressen. Dafür müssen die Trauben nicht gefroren sein. Für den Eiswein ist das dagegen eine wichtige Voraussetzung. Deshalb wird dafür auch erst bei mindestens minus sieben Grad Celsius gelesen. Experten zufolge prägen eine glasklare Frucht, der Geschmack von Eisbonbon, fruchtige Noten und ein Hauch von Honig den Eiswein.

Aus Trauben, die 100 Liter Wein ergeben würden, können acht bis zehn Liter Eiswein gewonnen werden. Eine Flasche Eiswein kann zwischen 50 und 100 Euro kosten. Die Spezialität zählt zu den teuersten Weißweinen der Welt.

Das Weingut Horst Sauer in Escherndorf/Volkach (Landkreis Kitzingen) hat erstmals seit zehn Jahren keine Trauben mehr für den Eiswein in den Weinbergen hängen. "Wir hatten in diesem Jahr von der Menge her eine geringere Ernte in den vergangenen Jahren. Und aufgrund des Traubenzustandes haben wir alle Trauben so schnell wie möglich gelesen", sagte Juniorchefin Sandra Sauer. 2016 habe die Familie dagegen sogar dreimal Eiswein pressen können. "Wenn man so einen Jahrgang hinter sich hat, will man sein Glück ja auch nicht überstrapazieren. Da kann man ruhig mal ein Jahr aussetzen."

Der Fränkische Weinbauverband, der jährlich alle Winzerbetriebe zu ihren Eiswein-Plänen befragt, hat bislang nur eine einzige Rückmeldung bekommen. Ähnlich sah es im restlichen Süden Deutschlands aus.
In Rheinland-Pfalz sowie den Anbaugebieten Mosel, Ahr und Mittelrhein haben bislang nur sehr vereinzelt Weinbauern auf die Eiswein-Chance gesetzt.
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