Würzburg
Strafanzeige

Volksverhetzung? Würzburger Student zeigt Supermarkt-Real an

Ein Würzburger Student erstattet Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die Einzelhandelskette Real. Es geht um Wehrmacht-Fanartikel im Shop.
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Ein Würzburger Student erstattet Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die Einzelhandelskette Real. Es geht um Wehrmacht-Fanartikel im Shop. Symbolfoto: Christopher Schulz
Ein Würzburger Student erstattet Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die Einzelhandelskette Real. Es geht um Wehrmacht-Fanartikel im Shop. Symbolfoto: Christopher Schulz
Weil die Einzelhandelskette Real Wehrmacht-Fanartikel in ihrem Online-Shop vertrieben hat, steht sie jetzt in der Kritik. Der Würzburger Student und Grünen-Gemeinderat aus Waldbüttelbrunn (Landkreis Würzburg), Sebastian Hansen, erstattete am Montag Strafanzeige wegen Volksverhetzung.

Da auch Drittanbieter auf der Online-Plattform von Real mit ihren Waren handeln, hat Hansen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Düsseldorf deshalb, weil dort das Online-Angebot von Real seinen Sitz hat.


SS-Totenkopfaufnäher


Konkret geht es um einen der SS-Totenkopfdivision nachempfundenen Totenkopfaufnäher, der mit folgendem Text im Internet angepriesen wurde: "Auch nach dem Tod kämpft dieser Schädel noch für die Ideale des ,Dritten Reichs', wobei er immer noch einen Helm der Wehrmacht in den Farben von Deutschland trägt. Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen."

Am Sonntagabend hatte ein Twitter-Nutzer darauf hingewiesen, dass unter den zwölf Millionen Produkten bei real.de ein Tropenhelm angeboten wird, der den Afrikakorps-Helmen der Wehrmacht nachempfunden ist. Als Moderator Jan Böhmermann darauf aufmerksam machte, löste er einen Shitstorm gegen das Unternehmen aus. Hunderte Nutzer kritisierten die Kaufhauskette.


Zahlreiche Wehrmacht-Fanartikel angeboten


Es stellte sich heraus, dass der Tropenhelm kein Einzelfall war. Dutzende von Wehrmacht-Fanartikeln wurden auf dem Portal angeboten, darunter Nazi-Lektüre, ein Kochbuch zum Überleben in deutschen Kolonien vom Oberkommando der Wehrmacht, Wehrmacht-Uniform und Hosengürtel oder eine CD mit dem Titel "Wunschkonzert für die Wehrmacht". Das meiste davon ist nicht strafbar, denn es fehlen verbotene verfassungsfeindliche Symbole wie etwa das Hakenkreuz.

Auch Sebastian Hansen wies bei Twitter auf die Fanartikel hin und entschloss sich, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, da bei dem von ihm beschriebenen Fall der Totenkopf-Aufnäher juristische Konsequenzen haben könnte.


"Großes Bedauern"


Noch am Abend entfernte Real die Produkte aus seinem Sortiment und veröffentlichte folgende Stellungnahme auf seiner Internetseite: "Trotz bereits umfangreicher vorhandener Sicherheitsmaßnahmen mussten wir jedoch zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fan-Artikel angeboten werden. Real distanziert sich eindeutig vom Angebot und Verkauf dieser Artikel und hat am vergangenen Sonntag unmittelbar nach Bekanntwerden erster Hinweise reagiert und verdächtige Artikel sofort aus dem Angebot des Onlineshops entfernt."


"Das zeigt, wie weit der Rechtsruck in Deutschland bereits fortgeschritten ist."

Ob Sebastian Hansen mit seiner Strafanzeige Erfolg hat, wird sich zeigen. Er sagt: "Dass 2017 bei großen Anbietern im Internet massenweise Wehrmacht-Fanartikel verkauft werden, zeigt, wie weit der Rechtsruck in Deutschland bereits fortgeschritten ist. Ich möchte mich mit der Strafanzeige dieser NS-Verherrlichung klar und deutlich entgegen stellen."

Hansen weist darauf hin, dass Real nicht die einzige Online-Verkaufsplattform ist, auf der Produkte angeboten werden, die das Dritte Reich romantisieren. Bei Amazon oder eBay beispielsweise kann man sie weiter kaufen. akl
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