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In Unterfranken passieren die meisten LKW-Unfälle in Bayern

36 Tote gab es in Bayern 2016 bei Unfällen, an denen Lastwagen beteiligt waren. In der Mehrzahl waren die Lkw-Fahrer auch die Verursacher.
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Die Zahl der Verkehrsunfälle in Bayern mit Lkw-Beteiligung ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) setzt neben mobilen auch auf stationäre Lkw-Kontrollstellen. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+
Die Zahl der Verkehrsunfälle in Bayern mit Lkw-Beteiligung ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) setzt neben mobilen auch auf stationäre Lkw-Kontrollstellen. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+
Ein Moment der Unaufmerksamkeit kann manchmal Leben kosten. Als Ende Juli ein Sattelzug das Ende des Rückstaus von der Baustelle bei Geiselwind (Lkr. Kitzingen) auf der A 3 übersah und auf ein Wohnmobil auffuhr, war genau das der Fall. Der Fahrer des Wohnmobils starb, zwei weitere Personen wurden schwer verletzt. 4459 Unfälle mit Lkw-Beteiligung gab es 2016 in Bayern, 8,7 Prozent mehr als 2015. Für gut zwei Drittel der Unfälle sind die Fernfahrer verantwortlich, so das Innen- und Verkehrsministerium. Die häufigsten Ursachen will Innenminister Joachim Herrmann nun mit mehr Kontrollen bekämpfen: fehlender Sicherheitsabstand, überhöhte Geschwindigkeit, technische Mängel, Übermüdung.

In Unterfranken stieg 2016 die Zahl der Unfälle mit Lkw-Beteiligung laut Verkehrsunfallstatistik der Polizei sogar um 10,22 Prozent auf 1983 Unfälle. 44 Prozent aller Unfälle in Bayern passierten damit in Unterfranken. 1407 Mal wurde dabei der Fahrer als Unfallverursacher identifiziert. Als Hauptgründe gibt das Polizeipräsidium Unterfranken Auffahren auf ein vorausfahrendes oder stehendes Fahrzeug durch zu geringen Abstand oder Unaufmerksamkeit an.

Herrmann will daher neben neuen mobilen Kontrollen auch neun stationäre Kontrollstellen für Lkw einrichten. Vorgesehen sind bereits zwei Standorte an der A 9 bei Fahrenzhausen (Lrk. Freising) und Ahornberg (Lkr. Hof), sowie an der A 8 bei Bad Feilnbach (Lkr. Rosenheim). Langfristig soll es in jedem Präsidiumsbereich der Bayerischen Polizei eine Stelle geben. So sollen auch Polizeibeamte besser geschützt werden: "Die abgesperrten und gut beleuchteten Kontrollbereiche bedeuten deutlich mehr Sicherheit für unsere Einsatzkräfte", sagte Herrmann.

Sebastian Lechner, Hauptgeschäftsführer des Landesverbands bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT), unterstützt die Forderung nach mehr Lkw-Kontrollen: "Kontrollen sind wichtig, aber sie helfen nur, wenn man auch die Ursachen der Verstöße bekämpft."

Die Ursachen für die steigende Zahl von Unfällen mit Lkw-Beteiligung sind vielfältig, vermutet er: Das Verkehrsaufkommen in Deutschland sei allgemein gestiegen und die vielen Baustellen auf den bayerischen Autobahnen erhöhten das Unfallrisiko zusätzlich. Aber auch mangelnde Aufmerksamkeit seitens der Fahrer sei ein Problem: "Durch Tablets und Smartphones ist das Ablenkungspotenzial heute höher als früher", so Lechner.
Für die Fahrer sei es außerdem schwer, während der Ruhezeiten tatsächlich Ruhe zu finden. "Wir haben in Bayern immer noch zu wenig Stellplätze", sagt Lechner. Die Fernfahrer seien teilweise gezwungen, auf einfachen Parkplätzen mit nur einem Toilettenhäuschen zu parken. Dort sei es zu laut, die Fahrer könnten nicht duschen und müssten oft in der prallen Sonne schlafen. "Von Erholungsschlaf kann man in einer aufgeheizten Fahrerkabine kaum reden", so Lechner. Das Problem hat auch das Verkehrsministerium erkannt: So wurden in Bayern von 2008 bis 2015 insgesamt 3600 zusätzliche Stellplätze geschaffen.
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