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Fasching

Fastnacht in Franken 2018: Altbekannte, Newcomer - und eine Preußin auf der Bühne?

In der Würzburger Residenz hat das Casting für die "Fastnacht in Franken" 2018 stattgefunden. Rund 20 Künstler mussten um die Gunst des Publikums kämpfen.
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In der Würzburger Residenz hat das Casting für die "Fastnacht in Franken" 2018 stattgefunden. Rund 20 Künstler mussten um die Gunst des Publikums kämpfen. Foto: Silvia Gralla
In der Würzburger Residenz hat das Casting für die "Fastnacht in Franken" 2018 stattgefunden. Rund 20 Künstler mussten um die Gunst des Publikums kämpfen. Foto: Silvia Gralla
Gehen rund 200 zahlende Gäste im November zum Lachen in den Keller, genauer gesagt in den Weinkeller der Würzburger Residenz, dann haben meist der Fastnacht-Verband Franken und der BR ihre Finger mit im Spiel.

Wenn auch noch fast 20 altbekannte und neue fränkische Künstler ihre Comedy am Wein trinkenden Publikum ausprobieren - "Komme die an oder komme die ned an?" (fragt Moderator Oliver Tissot) - hat das Casting für die Fernsehsendungen "Närrische Weinprobe und "Fastnacht in Franken" begonnen.

Sechs Stunden lang durfte sich am Montagabend ein Künstler nach dem anderen vor Jury und Publikum beweisen. Viele bekannte Gesichter waren dabei: zum Beispiel der Jammerlappen Fredi Breunig, der seiner Frau nun doch keine Brustvergrößerung zu Weihnachten schenken will, die Putzfrau Ines Procter, die zur Superagentin in Lack und Leder mutierte und die Zuschauer mit einer überdimensionalen Klobürste bespritzte, Gerlinde Heßler, die in die Rolle des schon oft vom Weinbäuerle Günter Stock erwähnten "Kunnerle" schlüpfte und berichtete, ihren Ehemann plagten jetzt Kartoffelkäfer statt Filzläuse im Schritt oder die peitschenschwingende Domina Heike Mix, die auf Donald Trump eindrosch.


Mit halbem Hähnchen zum Tierarzt

Aber auch Neulinge waren angetreten: Felix Förster aus Frickenhausen, der von "Mama, seiner ersten Liebe" schwärmte oder auch Bernd Kleinschnitz aus Greußenheim (beide Lkr. Würzburg), der als Hausmeister vom Hofkeller auch mal ein halbes Hähnchen zum Tierarzt brachte.

Im engen, von Kerzenschein erhellten Gewölbe prasselte dann auch ein Trommelfeuer an Wortwitzen, fränkischem Kokolores, Sketchen, Kalauern, Zoten, derben Schenkelklopfern und Trinkgesängen auf das Publikum ein.

Ebenso unmittelbar traf die Reaktion des Publikums auf die einzelnen Künstler: Von tosendem Applaus, Lachtränen und Sprechchören über abgelenkt schwätzende, an ihren fünf verschiedenen Weinen nippende Zuschauer bis hin zu betretenem Schweigen war in den sechs Stunden bis zum sehnsüchtig erwarteten Mitternachtsbuffet jede erdenkliche Reaktion dabei.

Eine Jury, darunter der Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, Bernhard Schlereth und die Redakteure der BR-Sendungen, traf sich einen Tag nach dem Casting, um die Favoriten des Abends zu küren und in den Sendungen zu platzieren. Welche Künstler dabei sein werden, bleibt eine Überraschung.

Nur so viel verriet Redakteur Rüdiger Baumann: Insgesamt habe der Abend die große Vielfalt an Künstlern der mehr als 300 fränkischen Fastnachtsvereine gezeigt. Nun könne die Jury "aus dem Vollen schöpfen", um die Sendungen zu bestücken. Der Vorwurf, der BR nehme "nur noch die Profis" sei widerlegt. Denn bei dem Casting durften sich nicht nur alte Fernsehhasen beweisen, sondern vor allem regional bekannte Künstler.


Vom fränggisch loggeren Typ

Gute Chancen auf einen weiteren Auftritt dürfte der Student Jonas Paul aus Bergrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) haben, der in pfiffigen Liedern einem Oberpfälzer Flüchtling die fränkische Sprache erklärte: "Dreggsgerät ist ein Gerät, wo selten geht".

Die totale Integration vollzog die Preußin Claudia Bill, die in Effeltrich (Lkr. Forchheim) auf einem Apfelacker fränkisches Asyl beantragte. Mancher Zuschauer bog sich vor Lachen, als die Essenerin mit heraushängender Zunge und Gesichtsmuskelakrobatik den "fränggisch loggeren Typ" nachahmte.

Hoch im Kurs beim Publikum stand auch der notorisch alkoholisierte "Schmied von Bischbrunn", Thomas Väth, bei dem sich alles um Bier, Wein, Jägermeister, "Einen Magen wie diesen" oder die Oberweite seiner Frau drehte. Als während seines Auftritts kurzzeitig Mikrofon und Licht ausfielen, witzelte Oliver Tissot, dieser Künstler sei wohl leider in Zeiten der Sexismusdebatte zu lustig.


Höchste Auszeichnung des Fastnacht-Verbandes

Tissot moderierte gewohnt kurzweilig und wortspielgewaltig durchs Programm, während Nicole Then mit vier Weinprinzessinnen über die verkosteten Weine plauderte. Musikalische und tänzerische Akzente setzte die Gruppe Spilk, "Eselsohren"-Chef Andy Stange mit seiner "Jamaica"-Combo sowie eine Schautanzgruppe der TSG Veitshöchheim.

Im Namen des Fastnacht-Verbandes überreichte Bernhard Schlereth die höchste Auszeichnung, den Till von Franken in Gold, an den Lengfelder Roland Wagner für seine Jugendarbeit. Außerdem wurden der Erlanger Hans Siegel sowie der Würzburger Michael Wedeniwski geehrt.


Termine im Bayerischen Fernsehen:

"Närrische Weinprobe": Freitag, 12. Januar 2018, 19.30 Uhr
"Fastnacht in Franken": Freitag, 2. Februar, 19. Uhr

Autorin: Angelika Kleinhenz
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