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Weinanbau

Neue Wege im unterfränkischen Weinbau mit Technologie aus Israel

Unterfranken ist die trockenste Region Bayerns. Wer hier Wein anbauen will, braucht gute Ideen zur Bewässerung. Eine neue Technologie kommt aus Israel.
Die Anschluss-Schläuche der neuen Weinberg-Bewässerungsanlage am «Thüngersheimer Scharlachberg» in Thüngersheim. Die Anlage ist die erste in Deutschland, die Brunnenwasser in einem Tank speichert und mit im Winter gewonnenem Wasser im Sommer die Reben wässern kann. Foto: Meike Maser-Plag/LWG/dpa
 
von DPA
Die Hänge des Thüngersheimer Scharlachbergs im Landkreis Würzburg sind bis zu 45 Grad steil. Das ist so steil, dass Daniel Heßdörfer sich zur Sicherheit an einem Rebengestell festhält, als er von dem Schotterweg hinabsteigt. Unter glühender Sonne inspiziert er die Schläuche der neuen Bewässerungsanlage. Er zeigt auf den schwarzen Schlauch mit schmalen, pinken Streifen. Alle 50 Zentimeter ist ein kleines Loch im Schlauch. Genau 1,6 Liter Wasser kommen aus jedem dieser Löcher pro Stunde - tropfenweise. Sie befeuchten die Erde genau an den Wurzeln der Rebstöcke. "Es geht hier nicht um Luxusbewässerung", sagt Heßdörfer.

Unterfranken ist die trockenste Region Bayerns. Wasser ist hier kostbar - im Weinbau genauso wie in der übrigen Landwirtschaft. Während in Südbayern im Durchschnitt 1000 bis 1200 Millimeter Regen im Jahr fallen, sind es in Unterfranken gerade einmal 550. Wenn kein Regen aufzufangen ist, muss das Wasser anderswo herkommen.


Wasser wird im Winter gespeichert und im Sommer verbraucht

Bei der von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) entwickelten neuen Anlage in Thüngersheim kommt das Wasser aus einem Brunnen. Einzigartig in Deutschland macht die Pilotanlage jedoch etwas anderes: Sie ist die erste Anlage, die das Wasser im wasserreichen Winter speichert und im wasserarmen Sommer damit die Reben wässert. Daniel Heßdörfer ist als Sachgebietsleiter für Weinbau und Qualitätsmanagement bei der LWG zuständig für die Anlage. Zur Eröffnung kam sogar Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU). Mit einem Knopfdruck hat er die Anlage am Dienstag in Betrieb gesetzt.

Das Herzstück der Anlage steht 100 Höhenmeter über dem Brunnen. Auf einem kleinen Plateau über den Weinhängen, wo die Sonne noch ein wenig heißer brennt, haben die Techniker der LWG einen kreisrunden Wellblechtank errichtet. 250 Kubikmeter Wasser fasst der Tank, das reicht für acht Hektar Reben. Damit das Wasser nicht verdunstet, spannt sich eine schwarze Plastikfolie über den Tank. Heißt es im Sommer "Wasser marsch", fließt das Nass allein durch die Schwerkraft in Leitungen den Berg hinab und wässert die Reben.


Know-how aus der Wüste

Um die Anlage planen und bauen zu können, haben sich die Ingenieure der LWG Hilfe aus einer Wüstenregion geholt. "Das Know-how ist in Israel", erklärt Heßdörfer. Schon seit Jahrzehnten beschäftigten sich Fachleute dort damit, wie man Wasser sparen könne. Die Idee zur Zusammenzuarbeit entstand 2015 während des Jubiläums 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen. Minister Brunner reiste mit Heßdörfer und anderen Experten der LWG nach Israel, eine Kooperation mit einer israelischen Firma kam zustande.

Dass Unterfranken nun auf israelische Methoden zurückgreift, liegt am Klimawandel. Die Rieslingtrauben zum Beispiel seien früher in Franken nie ganz reif geworden, erzählt Heßdörfer. Inzwischen reiften sie jedes Jahr ganz aus. Und bekämen im Sommer teils massiven "Trockenstress", wie es im Fachjargon heißt. Kann ein Winzer dann kein Wasser etwa aus dem Main nehmen, weil der Pegel zu niedrig ist, drohen Ernteausfälle und schlimmstenfalls der finanzielle Ruin.

Durch den Trockensommer 2015, in dem nur etwas mehr als die Hälfte des üblichen Regens fiel, sei auch politisch viel in Bewegung geraten, sagt Heßdörfer. Das Thema Wasserknappheit stehe jetzt ganz oben auf der Agenda.

Von Bastian Benrath, dpa

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