Arnstein
Leichenfund in Unterfranken

Sechs tote Jugendliche bei Arnstein: Ermittlungen kurz vor Abschluss

Ein halbes Jahr nach dem tragischen Tod von sechs Jugendlichen im unterfränkischen Arnstein stehen die Ermittlungen nun kurz vor dem Abschluss.
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Sechs tote Jugendliche bei Arnstein: Ermittlungen kurz vor Abschluss. Foto: Daniel Karmann/dpa
Sechs tote Jugendliche bei Arnstein: Ermittlungen kurz vor Abschluss. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Ein halbes Jahr nach dem tragischen Tod von sechs Teenagern in einer Gartenlaube im unterfränkischen Arnstein stehen die Ermittlungen kurz vor ihrem Abschluss. "Der Bericht liegt mir zur abschließenden Entscheidung vor. Ich werde ihn im August prüfen und dann entscheiden", sagte der Leitende Staatsanwalt Boris Raufeisen der Deutschen Presse-Agentur in Würzburg.

Die nun zu prüfenden Ermittlungsakten der Polizei bestehen Raufeisen zufolge aus acht Bänden. Ende August werde voraussichtlich feststehen, ob es zur Anklage kommen wird, die Ermittlungen eingestellt werden oder ob noch weitere Arbeiten nötig sind.

Die sechs Opfer im Alter von 18 und 19 Jahren hatten im Januar bei einer Feier in einer Gartenlaube im Landkreis Main-Spessart Kohlenmonoxid eingeatmet und waren gestorben. Das giftige Gas war von einem in dem Häuschen aufgestellten Stromaggregat ausgestoßen worden. Das Tückische an dem Gas ist, dass es sich geruchslos ausbreitet. Das Gerät darf der Polizei zufolge nicht in Innenräumen betrieben werden.

Update vom Freitag, 3. Februar 2017 um 21.50 Uhr zur Tragödie von Arnstein in Bayern:


Ökumenische Trauerfeier am Sonntag in Arnstein

Nach dem tragischen Tod von sechs Teenagern in Arnstein (Landkreis Main-Spessart) in Unterfranken ist im Rahmen einer ökumenischen Trauerfeier der sechs verstorbenen Jugendlichen gedacht worden. Die Bürgermeister der drei Heimatgemeinden trugen Kerzen in die Kirche, auf denen die Namen der sechs Freunde standen. "Abschied ist uns aufgezwungen. Loslassen müssen wir, aber nicht vergessen", sagte Albin Krämer, Dekan des Dekanats Karlstadt.

Nach Angaben der Ermittler war eine Kohlenmonoxid-Vergiftung die Ursache für den Tod der jungen Menschen. Ausgelöst wurde sie Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge von einem im Gartenhaus betriebenen Stromaggregat. Entdeckt worden waren die Toten vom Besitzer des Gartengrundstückes, der nach dem Rechten sehen wollte, weil seine Kinder eine Feier veranstaltet und sich danach nicht mehr gemeldet hatten. Er fand die leblosen Körper seines Sohnes und seiner Tochter sowie vier weiterer Männer im Alter zwischen 18 und 19 Jahren. Der alarmierte Rettungsdienste hatte nur noch den Tod der Teenager feststellen können.


Wieso stand das Aggregat in der Gartenlaube?

Nachdem die Polizei mitgeteilt hat,dass ein Stromaggregat das giftige Kohlenmonoxid ausgestoßen hatte, an dem die sechs Jugendlichen starben, stellt sich nun die Frage, was es in der Gartenlaube zu suchen hatte und wer es dort aufgebaut hatte.

"Bei solchen Stromaggregaten handelt sich um einen Verbrennungsmotor, das heißt es treten Abgase aus und es ist laut", erklärt Harald Rehmann, Leiter der Würzburger Berufsfeuerwehr. Ein solches Gerät in einem Raum zu betreiben sei vergleichbar mit einem Automotor, der längere Zeit in einer Garage läuft, so Rehmann weiter. Gutachter des bayerischen Landeskriminalamtes haben jedoch bestätigt, dass das Aggregat in dem Gartenhaus in Betrieb war, sagt Michael Zimmer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Auch der darin genutzte Holzofen sei überprüft worden, schnell sei allerdings klar gewesen, dass dieser nicht für das Unglück verantwortlich sein kann.

Kripo und Staatsanwaltschaft ermitteln nun, wer für das Aufstellen und die Installation des Stromaggregats in dem Gartenhaus bei Arnstein verantwortlich ist. Möglicherweise drohen dem Verantwortlichen juristische Konsequenzen.

Wie funktioniert ein Stromaggregat?

Ebenfalls ist weiter rätselhaft, ob die sechs Freunde bereits schliefen und das Gerät weiterlief und aber, ob die Party noch im Gange war, als sie vom Gas vergiftet wurden. Dazu kann die Polizei keine Angaben machen.

Die endgültigen Obduktionsergebnisse der jungen Frau und der fünf jungen Männer stehen noch aus.
Mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren hüllt sich die zuständige Staatsanwaltschaft in Würzburg allerdings weitgehend in Schweigen. So bleibt unter anderem die Frage, was mit dem Aggregat betrieben wurde, offen. Ebenso unklar ist, ob sich das Gerät im selben Raum wie die Opfer befand.


Die vorläufigen Obduktionsergebnisse mit der Todesursache gab es bereits am Dienstagnachmittag. Die sechs Jugendlichen starben in der Gartenlaube an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. "Das ist das aktuelle Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchungen", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Würzburg.

Die jungen Unterfranken hatten eine Party in der Laube gefeiert und mit einem Holzofen geheizt. In jener Nacht sanken die Temperaturen auf -11 Grad. Kohlenmonoxid ist geruchslos und unsichtbar.

Wie gefährlich Vergiftungen mit Kohlenmonoxid sind, zeigte sich jüngst bei einem anderen Fall in Franken, nämlich in Neuhaus an der Pegnitz im Nürnberger Land. Dort hatten ein Vater und sein Sohn in einer Scheune Abgase eingeatmet. Auch die beiden bemerkten die Gefahr nicht, bis der Vater schließlich bewusstlos zu Boden sank. Der ganze Artikel Nürnberger Land: Vergiftung durch Kohlenmonoxid - Sohn mit letzter Kraft Hilfe


Hintergrund: Kohlenmonoxid ist ein "heimtückisches Gas"

Das giftige Gas entsteht unter anderem, wenn bei der Verbrennung von Holz nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht. Da Kohlenmonoxid keinen Geruch hat, bemerken Betroffene oft zu spät, dass sie das Gas eingeatmet haben. "Es ist ein heimtückisches Gas", sagt Professor Berthold Jany von der Missio-Klinik in Würzburg. Insbesondere im Schlaf ist die Gefahr zu ersticken groß. Für Öfen gibt es deshalb spezielle Melder, die Umstehende warnen, wenn Kohlenmonoxid ausströmt.

Die Polizei hat am Dienstagmorgen noch um Verständnis geworben, dass die Obduktion der sechs Leichen dauern könne. "Das können noch Tage sein - das ist nicht absehbar", sagte ein Sprecher der unterfränkischen Polizei. "Das sind komplizierte Testverfahren, die da angewendet werden."


Sechs tote Jugendliche in Gartenlaube: Was war in Arnstein geschehen?

Ein Vater fand am Sonntagvormittag seine Tochter und seinen Sohn zusammen mit vier weiteren Jugendlichen tot in seiner Gartenlaube. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Teenager feststellen. Spuren wie Verletzungen, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten, gab es indes nicht. Seit Sonntagmittag rätselte die Polizei über die Ursache für den sechsfachen Tod nach einer kleinen Party in dem Häuschen.

Die Bild-Zeitung berichtete am Dienstagmorgen, dass die Polizei intern von einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung ausgehe. Über diese Version wurde bereits mehrfach spekuliert. In der Laube auf einem Privatgrundstück bei Arnstein befinde sich nämlich ein Holzofen, der ein Leck gehabt haben könnte. Auch die ARD-Tagesthemen hatten diese Ursache am Sonntagabend schon in Erwägung gezogen. Unklar bleibt aber dennoch, warum die Jugendlichen das nicht wussten. Schließlich ist es die Gartenlaube des Vaters.


Sechs Tote Teenager bei Würzburg: Das Obduktionsergebnis steht fest

Letzte Klarheit brachte am Dienstagnachmittag die Obduktion der sechs jungen Leute. Laut Staatsanwalt sollte auch eine umfassende Blutuntersuchung vorgenommen werden. Grund war, herauszufinden, ob sich körperfremde Stoffe im Blut befinden, wie etwa Drogen oder ob es eben Anzeichen für eine Vergiftung gibt.

Zudem soll die Polizei Informationen der Bild-Zeitung zufolge in der Gartenlaube auch Drogen gefunden haben. Welche Drogen und ob Betäubungsmittel etwas mit dem Tod der sechs jungen Menschen zu tun haben könnten, ist bisher unklar.

Jetzt stellt sich die Frage: War es ein Unfall oder beabsichtigt? Am Montagmorgen gab es in Medienberichten Andeutungen auf einen erweiterten Suizid. Anlass habe ein Facebook-Post des toten Mädchens gegeben.


Arnstein: Spekulationen über die Todesursache der toten Jugendlichen in der Gartenlaube

Die Polizei wollte Spekulationen am Montag weder bestätigen noch dementieren. Björn Schmitt, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken sagte auf Nachfrage von inFranken.de: "Derzeit können wir gar nichts ausschließen." Auch die Möglichkeit eines kollektiven Selbstmordes kann die Polizei laut Sprecher zum jetzigen Zeitpunkt nicht verneinen.

Könnten Drogen etwas mit dem Tod der jungen Leute zu tun haben?

Laut anderen Jugendlichen aus Arnstein seien "synthetische Drogen in Arnstein nicht ungewöhnlich". Vermutungen, dass bei den Todesfällen genau solche Drogen im Spiel gewesen sein könnten, machen derzeit in den sozialen Netzwerken die Runde. Polizeisprecher Schmitt kann entsprechende Spekulationen nicht kommentieren.

Der Feuerwehr-Kommandant Jürgen Illek, der zum Einsatzort gerufen wurde, sagte, er habe in seiner langen Dienstzeit schon viele Tote gesehen. "So etwas Schlimmes habe ich aber noch nie erlebt."

Der Leiter der Polizeiinspektion Karlstadt, Thomas Miebach, dessen Dienststelle zuerst alarmiert worden war, stand am Montag im Schnee vor dem Grundstück und war sichtlich angegriffen: "So etwas habe ich in meiner 40-jährigen Dienstzeit noch nicht erlebt", sagt er. Im Feuerwehrhaus in Arnstein war eine Auffangstation errichtet worden. Dort kümmerten sich Notfallseelsorger und Pfarrer um die Angehörigen der Todesopfer.

Miebach hat die Leitung der Ermittlungen zum Tod der sechs jungen Leute an die Kriminalpolizei Würzburg abgegeben. Diese untersucht den Tod der jungen Leute gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Würzburg.


Einsatzkräfte erhalten Unterstützung von psychosozialem Berater

Feuerwehrleute, die bei dem Einsatz in Arnstein dabei waren, wurden von einem psychosozialen Feuerwehr-Berater unterstützt. Bernd Brönner von der Psychosozialen Notfallversorgung der Feuerwehr (PSNV) bot zum Lagezentrum umfunktionierten Feuerwehrhaus Arnstein Einsatzkräften seine Hilfe an.

Die Menschen in Arnstein sind schockiert - viele kannten die Familie

Auch in Arnstein im Landkreis Main-Spessart sind die Menschen nach dem Drama geschockt. Niemand kann fassen, was in dem Gartenhäuschen passierte. Das Mitgefühl für die Eltern, die zwei Kinder verloren haben, ist riesig. Franz-Josef Sauer (CSU), der Zweite Bürgermeister von Arnstein ist erschüttert: "Dem betroffenen Vater in die Augen zu sehen - das kann man in keiner Schule lernen."

"Furchtbar. Das ist die Dramatik des Schicksals." So kommentiert Franz Josef Sauer, der zweite Bürgermeister von Arnstein, die jüngsten Informationen, dass die Jugendlichen an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starben, die durch das Aggregat entstand. Aufgabe der politischen und der kirchlichen Gemeinden bleibe es, die Eltern der toten Jugendlichen, den Angehörigen und Freunden weiter den "geschützten Rahmen zu bieten", den sie für ihre Trauer benötigen.
Sauer weiter: "Das braucht noch Zeit." Nach wie vor kämen viele Menschen an den Gedenkort unter der Pieta in der Wallfahrtskirche Maria Sondheim, um der Toten still zu gedenken. In der Kirche ist am Sonntag um 17 Uhr eine weitere öffentliche Gedenkfeier angekündigt, unter der Leitung des katholischen Dekans Albin Krämer und des evangelischen Pfarrers Tilmann Schneider. Bereits zuvor werden die ersten Opfer in ihrer Heimatgemeinde beerdigt.


Region Arnstein rückt in der Trauer näher zusammen


Gebetsstunde zum Gedenken an die sechs Jugendlichen in Arnstein

Am Montagabend gab es eine ökumenische Gebetsstunde zum Gedenken an die sechs Jugendlichen in der Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus. Sie stand unter dem Leitwort "Wir halten inne ... Zeit für Trauer, Erinnern, Gebet".

Der Gottesdienst wurde gestaltet von Dekan Albin Krämer, Pfarrer Nikolaus Stanek, dem evangelischen Pfarrer Tilmann Schneider und Pastoralreferentin Raphaela Holzinger.

Im Anschluss bestand die Möglichkeit, in der Grundschule von Arnstein mit Seelsorgern zu sprechen. In der Wallfahrtskirche Maria Sondheim wurde ein Ort der Trauer eingerichtet. Am Sonntagabend war die ökumenische Notfallseelsorge Main-Spessart in Zusammenarbeit mit den Seelsorgern vor Ort im Einsatz.

Doch nicht nur in Arnstein ist die Anteilnahme groß. Auch in der Nachbarstadt Hammelburg ist man fassungslos. "Ich bin sehr betroffen vom schrecklichen Ereignis in Arnstein", sagt etwa der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth.

Rätsel um tote Teenager in Unterfranken: Was wir wissen

Das Gartenhäuschen auf einem Privatgrundstück in der Nähe von Arnstein (Lkr. Main-Spessart) war am Sonntag zum Schauplatz einer schrecklichen Tragödie geworden: Dort waren in der Nacht von Samstag auf Sonntag sechs miteinander befreundete, junge Leute zu Tode gekommen.

Bei den Toten handelt es sich um fünf junge Männer und eine junge Frau im Alter von 18 und 19 Jahren aus den Kreisen Main-Spessart und Schweinfurt. Dies bestätigt der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Björn Schmitt. Ein junger Mann und die junge Frau sind Geschwister und die Kinder des Mannes, der sie fand. Unter den anderen jungen Männern ist auch der Freund der Tochter.
Schmitt zufolge gehört das Gartenhäuschen dem Vater von zwei der toten jungen Leute. Laut Polizei wusste der Mann, dass die sechs Freunde in der Samstagnacht im Gartenhaus feiern wollten.

Der Vater begann sich Sorgen zu machen, als er am Sonntagmorgen keinen Kontakt zu seinen Kindern herstellen konnte. "Gegen 11 Uhr am Sonntag machte sich der Vater auf, um auf dem Grundstück nach dem Rechten zu sehen. Da fand seine eigenen Kinder tot vor, seine Tochter und seinen Sohn", berichtet Schmitt. Zusammen mit ihren vier Freunden lagen die beiden Kinder des Mannes reglos in den Räumen des Gartenhauses.


Verletzungen seien nicht zu erkennen

Der geschockte Vater habe dann den Notruf gewählt, habe Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt verständigt. Der Notarzt habe aber bei allen sechs jungen Leuten nur den Tod feststellen können. Augenscheinliche Verletzungen seien nicht zu erkennen gewesen.


Spurensicherung beim Gartenhäuschen

Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr fuhren zwei Leichenwagen langsam an schneebedeckten Feldern vorbei über den vereisten Feldweg zu dem einsam liegenden Gartenhäuschen auf der Gemarkung, die Arnsteiner als "Eulenberg" kennen. Während die Bestatter die toten Teenager abholten, verließen Beamte der Spurensicherung den Ort des schrecklichen Geschehens. dvd/dpa/rh
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