Axt-Attacke

Mehr Hilfsbereitschaft statt mehr Straftaten nach Axt-Attacke von Würzburg

Vor einem Monat wurde ein bis dahin unauffälliger Flüchtling zum Attentäter. Würzburg war geschockt. Die Bilanz des Monats danach ist positiv.
In dem Regionalzug bei Würzburg hat am 18. Juli ein Flüchtling mehrere Reisende mit einer Axt angegriffen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
 
von DPA
Die Würzburger Axt-Attacke hat nicht zu einem Anstieg der Kriminalität gegen Flüchtlinge oder Flüchtlingshelfer in Unterfranken geführt. Im Monat nach dem Attentat vom 18. Juli seien nicht mehr entsprechende Straftaten bei der Polizei gemeldet worden als im Monat davor, sagte Polizeisprecher Michael Zimmer.

Zuletzt waren drei Übergriffe auf junge Flüchtlinge in Lohr und Neustadt am Main (beide Landkreis Main-Spessart) bekannt geworden. Unbekannte sollen die drei Jugendlichen im Alter von 17 und 18 Jahren Ende Juli und Anfang August überfallen und verprügelt haben. "Solche Fälle hatten wir aber auch vor zwei Jahren schon", sagte Zimmer. So habe es beispielsweise bereits im Februar 2014 bei Aschaffenburg einen Angriff auf drei pakistanische Asylbewerber gegeben. Eine Zunahme der Gewalt, insbesondere durch das Attentat vor einem Monat, habe es nicht gegeben.

Simone Barrientos, Mitglied des Helferkreises in Ochsenfurt, wo der Täter vor dem Attentat gewohnt hatte, sprach sogar von einer Zunahme der Hilfsbereitschaft unter den Bürgern. Leute kämen auf der Straße auf sie zu und sagten: "Jetzt will ich erst recht helfen", erzählte sie. Lediglich ein Mal sei sie von einem einzelnen Betrunkenen angepöbelt worden. "Das "Spiegel"-Cover, auf dem Ochsenfurt als die "Jetzt-erst-recht-Stadt" bezeichnet wurde, fand ich schon ganz passend", sagte sie.

Die anonymen Hass-E-Mails, die Mitglieder des Helferkreises in den Tagen nach dem Attentat erhalten hatten, seien nach kurzer Zeit abgeflaut, sagte Barrientos. Auch die Anfang August neu eröffnete Flüchtlingsunterkunft in Ochsenfurt hätten die Bürger mit Gelassenheit aufgenommen.

Der 17-jährige Flüchtling hatte am 18. Juli in einem Regionalzug in Würzburg mit einer Axt und einem Messer fünf Menschen schwer verletzt, ein 30 Jahre alter Mann ist immer noch in Lebensgefahr. Nach Auskunft der Würzburger Uniklinik haben die Ärzte gerade damit begonnen, ihn aus dem künstlichen Koma zurückzuholen. Polizisten hatten den Angreifer nach der Tat erschossen.

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