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Prunksitzung

Fastnacht in Franken 2017: Söder erklärt sein Faible für Verkleidung

In Veitshöchheim erschien Bayerns Finanzminister als Homer Simpson. Geht das wieder ab? Oder muss er so auf die Münchner Sicherheitskonferenz?
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) kam als Homer Simpson zur Fastnacht ins fränkische Veitshöchheim. Seine Frau Karin verkleidete sich passend als Marge Simpson.  Foto: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat/dpa
 
von IRMTRAUD FENN-NEBEL
Am Morgen danach ist Markus Söder immer ganz rot im Gesicht. Hätte er seine Frau noch mehr rangelassen, ja, dann vielleicht. Dann wäre es ein bisschen sanfter abgelaufen. Zu sanft für den Minister der Finanzen und Heimat. Zaghaftes Herumstreichen mitten in der Nacht, nicht sein Ding. Also drauf mit dem Lösungsmittel und beherzt die Farbe abgerubbelt.
So ging sie hin, seine Maskerade, mit der er am Freitagabend in Veitshöchheim erwartungsgemäß wieder aufgekracht hat. Nach seinen spektakulären Auftritten als Stoiber, Gandhi, Shrek oder Marilyn Monroe waren alle gespannt, wen er diesmal geben würde. Und Söder ließ sich nicht lumpen: Er überraschte als Homer Simpson zur 30. Fastnacht in Franken und zog gemeinsam mit seiner als Marge Simpson verkleideten Gattin Karin Baumüller die Blicke auf sich. "Veitshöchheim ist Kult, die Simpsons sind Kult und meine Kostüme sind irgendwie auch Kult," kommentierte er seine Kostümwahl. Und weiter: "Dieses Jahr ganz bewusst ein positives Kostüm, keine lebenden Figuren oder Superhelden. Trump wäre auf keinen Fall gegangen; erstens bin ich kein Fan und zweitens haben sich die Maskenbildner außer Stande gesehen, die Frisur hinzubekommen."


"Der Olymp des Faschings"

Die Messlatte für seine Kostümierungen hat er selbst immer höher angelegt. "Das erste Mal war ich 2003 als Generalsekretär in Veitshöchheim dabei", erzählte Söder dieser Zeitung vor dem großen Schminken am Freitagnachmittag und geriet gleich ins Schwärmen. "Das war schon damals eine große Ehre. Diese Prunksitzung ist der Olymp des Faschings." Anfänglich sei er im Smoking und mit Narrenkappe aufgelaufen, was ihm aber bald zu langweilig vorkam. Die nötige Inspiration bekam er durch den damaligen Innenminister Günther Beckstein: Dessen Verkleidung als Albrecht Dürer war für Söder der Startschuss zu eigenen, phantasievollen Kostümierungen.

"Einmal im Jahr eine gute Idee zu haben und ganz anders zu sein hat mir immer mehr Spaß gemacht", sagt der Minister. "So hat sich das entwickelt und ist dann irgendwie ganz aufwendig geworden." Woher er die Einfälle nimmt? "Das ist gar nicht so leicht", gibt er zu und betont: "Es sind immer meine eigenen Ideen. Ich bespreche sie mit meinem Team und meiner Familie, weil ich wissen möchte, ob sie meine Kostüme gut finden."


Der Hund als Gradmesser

Finden sie. Vor allem die Kinder. "Für sie ist es cool, wenn die Eltern wenigstens einmal im Jahr locker sind", sagt Söder - und lacht über seinen Versuch, beim Nachwuchs um Komplimente zu fischen. Gradmesser Nummer eins für seine erfolgreiche Verkleidung ist aber der Hund der Familie. "Das ist der ultimative Test", sagt sein Herrchen. "Wenn ich nach dem Schminken nach Hause fahre und der Hund bellt, weil er mich nicht erkennt, dann bin ich wirklich gut maskiert!"

Fragen zur Verkleidung im Vorfeld von Veitshöchheim lässt er konsequent unbeantwortet, um die Überraschung nicht vorwegzunehmen. Was er aber heuer ganz klar sagen konnte: "Den Trump hätte ich auf keinen Fall gemacht, auch wenn manche das dachten. Aber erstens machen das wahrscheinlich fünf andere auch und außerdem möchte ich Personen darstellen, die ich bewundere, Personen, die in die Zeit passen. Meine Kostümierungen sollen ein Signal setzen und enthalten immer eine kleine Subbotschaft."

Deshalb war es also heuer der Comic-Familienvater Homer Simpson, in dessen Maske Söder für einen Hingucker sorgte. Um derart perfekt auszusehen, saß er am Freitagnachmittag stundenlang geduldig in der Maskenbildnerei des Staatstheaters Nürnberg. Dort hatte er schon vor zwei Monaten wegen seiner Verwandlung vorgesprochen. "Die Mitarbeiter machen das sehr professionell und schminken auch andere Politiker wie Maly oder Beckstein", verrät Söder. Kostenlos geschehe seine Maskierung nicht, das Theater erhalte dafür von ihm eine finanzielle Entschädigung.


Schlecht essen mit Fingernägeln

Aus Erfahrung weiß der Minister, dass ihn so manches Kostüm ganz schön ins Schwitzen bringt. Aus unterschiedlichen Gründen: Shrek zum Beispiel war nicht nur kleidungstechnisch warm, auch das Abrubbeln der grünen Farbe aus dem Gesicht war eine Herausforderung. Oder der Auftritt als Marilyn Monroe: "Ich habe großen Respekt davor, wie Frauen mit langen Fingernägeln überhaupt Nahrung zu sich nehmen können. Ich habe es nicht geschafft", sagt Söder und lacht, wenn er an diesen Abend zurückdenkt. Ach ja, und da war noch was: "Meine Frau hat leichte Kritik an meiner Sitzhaltung als Marilyn geübt. Sie sei einer Diva nicht würdig, hat sie damals gesagt."


Quergelegt im Auto

Auch nicht so ganz geklappt hatte es mit der Sitzhaltung für die Verkleidung als Punker. "Damit die Frisur hält, musste ich mich im Auto querlegen." Überhaupt sei das "Halten" der Maske so eine Sache. "Über die Schminke wird nochmal was drüber gesprüht, damit sie im Scheinwerferlicht am Abend nicht verläuft", sagt Söder.
Das macht es allerdings auch besonders herausfordernd, alles wieder abzukriegen. "Meine Frau würde mir schon mehr dabei helfen, das wäre sicher auch sensibler." Aber wenn er nachts um 1 nach Hause kommt, habe er keine Lust auf langwierige Prozeduren. Söder ist pragmatisch: "Ich nehme eine alkoholhaltige Lösung und versuche, mein Gesicht in den Ursprungszustand zu versetzen".

Das dürfte heuer wegen der aufwendigen Maskerade besonders lange gedauert haben - und ging nicht spurlos vorüber. "Am Morgen nach Veitshöchheim sehe ich immer eher rötlich aus", sagt der Minister und lacht schon wieder. "Vielleicht lassen sie mich gar nicht durch die Kontrollen der Sicherheitskonferenz in München, weil sie meine Identität nicht zweifelsfrei feststellen können." Haha, kleiner Scherz.

Aber es ist ja Faschingszeit, somit ist scherzen nicht nur erlaubt - es muss sogar sein. So wie am Freitag in Veitshöchheim. "Das ist ein Höhepunkt im Jahr und einfach eine Gaudi", sagt Söder. "Diese Veranstaltung widerlegt die These, dass die Franken nicht lustig seien und beweist unsere große Toleranz, wenn es ständig Beleidigungen von der Bühne ins Publikum hagelt."


Mythos Veitshöchheim

Nach dem Eintreffen der Gäste gebe es in der ersten halben Stunde ein großes Hallo: Wer ist da, wer trägt welches Kostüm? "Und dann freuen wir uns aufs Programm", berichtet der Minister und kann gar nicht aufhören, die Veranstaltung über den grünen Klee zu loben. "Veitshöchheim ist die beste Faschingssitzung des Jahres, da ist jeder Auftritt ein Knaller." Aber auch die pfiffigen Kostüme der Gäste spielten eine große Rolle. "Das ist heute Teil des Mythos Veitshöchheim."

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