Ermittlungen

Axt-Attentäter von Würzburg war ungeprüft aus Ungarn eingereist

Der junge Mann, der in einem Zug bei Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt verletzt hat, hatte bereits in Ungarn einen Asylantrag gestellt.
Der junge Mann, der in einem Zug bei Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt verletzt hat, hatte bereits in Ungarn einen Asylantrag gestellt. Foto: NEWS5 / Herse
 
Der als Axt-Attentäter von Würzburg bekannt gewordene Asylbewerber hatte vor seiner Einreise nach Deutschland bereits in Ungarn einen Asylantrag gestellt. Er war einem Kinderheim zugewiesen worden, aus dem er entfloh. Das berichtet "Bild" unter Berufung auf ungarische Asyl-Dokumente.

Offizielle Dokumente aus Ungarn zeigen: Dort hatte er seinen Namen mit Khajerkhel Riaz Khan angegeben, in Deutschland mit Riaz Khan Ahmadzai. Als der 17-Jährige fünf Tage später, am 30. Juni 2015, an der deutsch-österreichischen Grenze bei Passau auftauchte und als Flüchtling registriert wurde, sei keine Überprüfung durch Fingerabdrücke erfolgt. Dadurch sei die Asyl-Vorgeschichte des späteren Attentäters unentdeckt geblieben.

Laut Akte wurde er in Ungarn unter dem von ihm angegebenen Namen "Riaz Khan Khajerkhel" einem Kinderheim unweit der Hauptstadt Budapest zugewiesen. Zuvor habe das ungarische Zuwanderungsamt in Budapest dem Asylbewerber Fingerabdrücke abgenommen und diese vorschriftsgemäß in die europäische Fingerabdruck-Datenbank EuroODAC eingespeist, heißt es jetzt von ungarischer Seite.

Und genau da war möglicherweise die Lücke. Laut Bundesinnenministerium hat die Bundespolizei seine Personalien am 29. Juni 2015 aufgenommen, nachdem er mit einer Reisegruppe über die deutsch-österreichische Grenze gekommen war. Der Betroffene sei in Gewahrsam genommen, in Passau polizeilich überprüft und wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise ohne Pass angezeigt worden. Ein übliches Prozedere in solchen Fällen. Seine angegebenen Personalien und Fingerabdrücke wurden zum Abgleich in die nationalen Datenbanken eingegeben - ohne Ergebnis. Dann kam er nach Ochsenfurt.



Polizei warnte vor unkontrollierter Einreise

Genau vor dieser Gefahr hatten auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 Sicherheitsexperten gewarnt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte zunächst Italien dafür kritisiert, dass es nicht Fingerabdrücke von allen Flüchtlingen speichere. Dann zeigte sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle: In Bayern war das genauso wenig der Fall. Die Polizei war mit der großen Zahl ankommender Menschen völlig überfordert.


Im Mittelpunkt stand zeitweise das Revier Passau mit 250 bis 300 aufgegriffenen Flüchtlingen am Tag. Genau da ging der spätere Axt-Terrorist über die Grenze und landete schließlich in Ochsenfurt.

Eine Überprüfung sei erst nach der Bluttat des Flüchtlings Mitte Juli dieses Jahres erfolgt. Ahmadzai (alias Khajerkhel) hat dann am 18. Juli 2016 im einem Regionalzug bei Würzburg vier Menschen angegriffen und schwer verletzt, anschließend hatte er auf der Flucht eine weitere Person mit der Axt attackiert und war schließlich durch Polizeibeamte erschossen worden.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BMAF) wollte sich nicht zu dem Fall äußern, in dem wegen offensichtlicher Verbindungen zur Terrormiliz ISIS inzwischen die Bundesanwaltschaft ermittelt.


Handy mit der Axt zerstört



Der Täter hatte bis unmittelbar vor Beginn seines brutalen Amoklaufes per Handy mit jemanden aus dem Nahen Osten verständigt - ähnlich wie später der Attentäter von Ansbach, der laut Innenminister Joachim Hermann konkrete Handlungsanweisungen per Handy erhalten haben soll. Der Würzburger Täter zerschlug sein Handy anschließend mit der Axt, um Spuren zu verwischen.

Es gibt Zweifel daran, ob er überhaupt afghanischer Herkunft ist - obwohl angebliche Verwandte in der deutschen Botschaft in Kabul die Herausgabe seiner Leiche zur Beerdigung erbeten haben. Der Leichnam muss nach Abschluss der Ermittlung von der Bundesanwaltshaft in Karlsruhe freigegeben werden. Die Würzburger Staatsanwaltschaft benötigt die Leiche des Attentäters laut Behördenleiter Bardo Backert nicht mehr, ihr Teil der Ermittlungen ist in diesem Bereich abgeschlossen.


Hinweise auf Herkunft



Hinweise auf die Herkunft des Toten könnte beispielsweise die Isotopenanalyse geben. Diese Methode wurde bei der Ermittlung zur Herkunft eines Leichentorsos bei Knetzgau 2003 bekannt. Am Geo- und Umweltwissenschaftlichen Institut der Universität München wurde an Gewebeproben des namenlosen Leichnams eine Isotopen-Analyse durchgeführt.

Bei dieser feingeweblichen Untersuchung macht sich die Wissenschaft den Umstand zunutze, dass es in jeder Region des Erdballs unverwechselbare Isotope gibt, die über die Atmung und die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen, dort abgelagert werden und im Labor nachgewiesen werden können. So ist es möglich, ein lebenslanges Bewegungsprofil eines Menschen nachzuzeichnen.

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