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Hungersnot

Am Verhungern

  Im Südsudan ist die Situation besonders schlimm. Hilfsorganisationen schicken Konvois mit Nahrungsmitteln auf die Reise - doch die ist tückisch.
Ein unterernährter Patient bei Nzara im Südsudan.
 
von DIANA FUCHS
S
abine Ludwig ist grundsätzlich ein optimistischer Mensch.Doch derzeit fällt ihr das Lachen schwerer als sonst. Oft sind ihre Gedanken im Südsudan. Die Journalistin und Pressereferentin der DAHW (Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.) ist in viele Krisengebiete der Welt gereist, um die Situation der Menschen dort zu verbessern. In Afrika war sie besonders oft. Wenige Wochen nach einem letzten Besuch im Südsudan im Herbst 2013 brach dort der Krieg aus. Mit schrecklichen Folgen. Eine gute Bekannte wurde während eines Hilfseinsatzes erschossen. Und jetzt überrollt eine Hungersnot das Land.
All das macht Sabine Ludwig wütend und traurig. Dass vor wenigen Tagen ein Hilfstransport der DAHW sein Ziel erreicht hat, Nzara im Südsudan, ist für die Redakteurin ein Lichtblick. Und für viele Menschen die einzige Chance, nicht zu verhungern.

Im Südsudan herrschen Chaos und Hungersnot. Nach insgesamt 40 Jahren sudanesischer Unabhängigkeitskämpfe brachte auch die Eigenständigkeit des Südsudans keinen Frieden. Vor vier Jahren brach ein menschenverachtender Machtkrieg aus - zwischen Präsident Salva Kiir Mayardit und Rebellen-Chef Riek Machar, dem früheren Vize-Präsidenten des Landes. "Der Konflikt zwischen Regierung und Rebellen ist längst ein äußerst brutaler Bürgerkrieg geworden", sagt Sabine Ludwig. "Viele Bauern konnten ihre Felder nicht bewirtschaften, aus Angst, dabei zwischen die Fronten zu geraten und umgebracht zu werden. Bei Yei im südlichen Bundesstaat Central Equatoria haben Soldaten erntereife Felder niedergebrannt." Selbst UNO und Blauhelme können Gewalttaten und Terror nicht verhindern. Noch immer flüchten Hunderttausende in Auffanglager in die Nachbarländer. Doch auch im Sudan, im Tschad, in Äthiopien und Kenia bedroht die große Dürre die Menschen.

"Es gibt vielerorts kein Essen mehr. Sogar in der Hauptstadt Juba sind auf den Märkten kaum mehr Lebensmittel zu haben. Und wenn doch einmal etwas angeboten wird, dann zu Preisen, die für die normalen Menschen völlig unerschwinglich sind", gibt Sabine Ludwig die Berichte ihrer Mitarbeiter vor Ort wieder. "Streit um Nahrung gehört im Südsudan inzwischen zum Alltag. Der Hungertod auch. Es trifft, wieder einmal, vor allem die Ärmsten der Armen. Und die Kinder."

Bei der Stadt Nzara im Bundesstaat Western Equatoria haben mehr als 5000 Flüchtlinge ein Notlager neben einem Krankenhaus aufgeschlagen, das die DAHW unterstützt. Nach einer ersten Versorgung durch das Welternährungsprogramm WFP gab es wochenlang keine Lebensmittel mehr. Vor wenigen Tagen ist ein Lkw mit Hilfsgütern bei den Hungernden angekommen. Die DAHW und ihre Partner hatten in der ugandischen Hauptstadt Kampala Nahrungs- und Hygieneartikel eingekauft und auf die beschwerliche Reise durch Uganda und den Kongo in Richtung Südsudan geschickt. "An der letzten Grenze vom Kongo in den Südsudan wurde der Truck mehrere Tage lang aufgehalten. Zum Glück haben wir einheimische Helfer, die es immer wieder schaffen, sämtliche Schwierigkeiten zu meisten. Weil sie die Strukturen kennen", sagt Sabine Ludwig. Am Krankenhaus in Nzara kümmerten sich die Helfer um die gerechte Verteilung der Hilfsgüter.

"Uns ist es auch sehr wichtig, die medizinische Versorgung irgendwie aufrechtzuerhalten. Dafür müssen wir das Klinikpersonal mit dem Nötigsten versorgen", erklärt Sabine Ludwig. Müsste das Krankenhaus aufgrund fehlenden Personals schließen, könnten auch Lepra- und Tuberkulosepatienten nicht mehr behandelt werden. Die "Krankheiten der Armut" würden sich weiter ausbreiten. Schon jetzt gibt es immer weniger Helfer; fast niemand wagt mehr den gefährlichen Weg in entlegene Gebiete, um Kranken die überlebenswichtigen Medikamente und Nahrungsmittel zu bringen.

Dass viele Angst haben, ist kein Wunder. Der gewaltsame Tod von Lepra-Ärztin und Ordensfrau Veronika Terézia Racková ist nur einer von unzähligen sinnlosen, unfassbaren Morden. Als Sr. Veronika am 15. Mai 2016 gegen Mitternacht vom Harvest-Hospital in Yei, wohin sie eine Notfall-Patientin gebracht hatte, nach Hause fahren wollte, wurde der Wagen von "Soldaten" beschossen. Sie starb wenig später an ihren Verletzungen.

Sabine Ludwig wirkt zugleich betroffen und beeindruckt, wenn sie von Sr. Veronika erzählt. "Sie hat mir einmal gesagt, sie würde ihre Patienten nie im Stich lassen. Wir können nur versuchen, in ihrem Sinn weiterzumachen."
Die aktuelle Lieferung werde reichen, um 5000 Menschen rund drei Monate am Leben zu erhalten. Und was dann? "Es ist absehbar, dass die Lage in Nzara sich bis dahin nicht entspannt. Wir werden noch einen Transport auf die Reise schicken müssen." Wie der erste wird dieser rund 50.000 Euro verschlingen - Spenden von Menschen, die nicht zusehen wollen, wie Mitmenschen an Hunger sterben.
"Leider ist kein Ende der Not abzusehen", schaut Sabine Ludwig in eine düstere Zukunft. "Die Konflikte zwischen den Volksgruppen sind schwierig zu lösen. Meine Erfahrung ist: Je ärmer ein Land, desto anfälliger für Konflikte." Den Kopf in den Sand zu stecken, komme trotzdem nicht in Frage. Sr. Veronika hätte das auch nie getan.

INFO:Die DAHW (Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.) wurde vor 60 Jahren in Würzburg gegründet. Sie ist Vollmitglied im "Bündnis Entwicklung hilft" (BEH) und arbeitet seit 1973 im Sudan. Ihr Spendenkonto für hungernde Menschen in Ostafrika: IBAN DE35 79050000 0000 009696, BIC: BYLADEM1SWU.
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