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Landwirtschaft

Er ist Chef und Handlanger

Frank Böhm hat zunächst eine andere Ausbildung gemacht, bevor er den Familienbetrieb weiterführte. Er ist Kräuterbauer im Apothekergärtlein Frankens.
Kräuterbauer Frank Böhm begutachtet die Echinacea. Der Sonnenhut wird als Heilpflanze unter anderem gegen Husten, Halsschmerzen und bei Mandelentzündungen eingesetzt. Foto: Ursula Lux
 
Bauer sein, das ist Tradition in der Familie Böhm. "Mein Opa war a Bauer, mein Vater ist Bauer und ich bin‘s a." Frank Böhm führt die Familientradition weiter, er arbeitet im Apothekergärtlein Frankens als Kräuterbauer. Auch wenn ihm der landwirtschaftliche Betrieb sozusagen in die Wiege gelegt wurde, er hätte durchaus auch die Chance gehabt, etwas anderes zu machen.
Er hat Praktika als KFZ-Mechatroniker gemacht und im Büro einer Kräuterfirma, aber "das hat mir beides nicht gefallen", betont er. Damals sei er gerne Schlepper gefahren und draußen gewesen. "Landwirt ist doch der schönste und vielseitigste Beruf der Welt", sagt Böhm bis heute.
Obwohl er auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, hat er seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Nach dem Realschulabschluss besuchte er die Landwirtschaftsschule in Schweinfurt, machte seine Meisterprüfung in Münsterschwarzach und besuchte Fortbildungen in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf.


Kräuterführungen und Ehrenamt

Dass er seinen Beruf liebt, sieht man auch an seinem ehrenamtlichen Engagement. In seiner Heimatgemeinde bietet Böhm Kräuterführungen an. In Triesdorf beispielsweise sitzt er im Prüfungsausschuss, beim Berufswettbewerb der Landjugend in Bayern ist er dabei und coacht die Bewerber, die sich für den Bundeswettbewerb qualifiziert haben. Bei diesem Wettbewerb beweist der Nachwuchs in den "Grünen Berufen", dass er in Theorie und Praxis sein Handwerk beherrscht. Unter anderem beim Geschicklichkeitsfahren mit dem Mähdrescher.
Der Landkreis hat keine Probleme mit dem Nachwuchs. Die Zahl der erfolgreich absolvierten Abschlussprüfungen für den Beruf des Landwirts ist seit Jahren konstant hoch. 2016 haben elf Auszubildende die Ausbildung abgeschlossen, zeigt die Statistik des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).
Auch ein Grund für Böhms Entscheidung, den Beruf seiner Vorfahren weiterzuführen, war die Lebensweise. "Als Bauer lebst du mit und in der Familie und im Dorf. Du kennst dein Dorf und die Leute kennen dich." Und so ist Böhm natürlich auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, Mitglied in vielen Vereinen, er ist im Dorf fest verwurzelt. Im Landkreis hat rund ein Viertel der Vollzeitbauern keinen Nachfolger, das ist bei den Böhms anders. Noch ist Frank Böhm "MiFa", mitarbeitender Familienangehöriger, aber irgendwann wird er den Betrieb sicher übernehmen.
Einen Hof mit 110 Hektar Land, davon rund 80 Hektar Kräuteranbau, der Rest Getreide und Wiesenflächen. "Als Bauer musst du von allem was verstehen, vom Boden, von den Pflanzen, vom Pflanzenschutz, dem Maschinenbau, und du musst Einkäufer und Verkäufer zugleich sein", erklärt Böhm. Er genießt die Selbstständigkeit. "Du bist dein eigener Chef, aber gleichzeitig auch der Polanti", ein Handlanger also.
Der Familienbetrieb Böhm ist einer von fünf Vollerwerbslandwirten in Schwebheim. Früher war jeder zweite im Dorf Bauer, meint Frank Böhm. Rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis haben seit 2007 aufgegeben.
Der Bauernhof ist heute ein ganz anderer, erklärt Böhm. Den "Mischbetrieb" mit fünf Hühnern, zwei Schweinen, einer Kuh und einigen Äckern, den gibt es heute nicht mehr. Der Strukturwandel zwinge die Landwirte, immer mehr wirtschaftlich zu arbeiten, das heißt, sich zu spezialisieren, entweder Tierzucht oder Ackerbau oder, wie bei ihm, Sonderkulturen. Auch müsse man sich mit immer mehr Bürokratie herumschlagen. Keiner mache sich eine Vorstellung, was an so einem Hof an Buchführung, Antragsstellungen und Dokumentationen hänge. "Als Bauer bist du der gläserne Mensch", erklärte Böhm.


Maschinen will niemand

Über vier Prozent der Erwerbstätigen im Landkreis Schweinfurt schaffen in der Landwirtschaft. Von der Bevölkerung werde der Beruf einerseits "schon akzeptiert", meint Böhm. Andererseits aber will keiner, dass das Dorf beispielsweise nach Baldrian riecht oder dass Traktoren oder die Trocknung der Kräuter Lärm verursachen. Große Maschinen will in der Bevölkerung keiner, aber befestigte Feldwege nutzen die Leute dann doch gerne zur Abkürzung. Das Verhältnis der Landkreisbürger zu ihren Bauern sei eben zwiespältig. Auch dass es letztlich die Bauern sind, die die Kulturlandschaft erhalten und pflegen, "raffen die wenigsten", meint Böhm.
Im Familienbetrieb der Böhms gibt es noch etwas Ungewöhnliches. Während der Vater schon gerne auf ökologischen Kräuteranbau umstellen würde, ist der Junior dagegen. Meistens ist es ja umgekehrt. Zwar würden Bio-Kräuter wesentlich besser bezahlt, aber man könne halt auch nur wesentlich weniger Fläche bearbeiten. Der Kräuteranbau ist ohnehin schon mit viel Handarbeit verbunden, so muss das Unkraut zwischen den Kräutern beispielsweise nach wie vor per Hand gehackt werden; beim biologischen Anbau käme da noch mehr Handarbeit dazu. Außerdem sieht Böhm den Sinn nicht so recht ein. Der hauptsächliche Unterschied liege in der Düngung, erklärt er. Während Biobauern mit Hornspänen düngen, düngt er mit Kalkammonsalpeter. "Das ist auch nichts Chemisches", erklärt der Landwirt, sondern in Kalk gebundener Stickstoff.
In einem Punkt aber unterscheidet sich die Landwirtschaft heute kaum von der vor Jahrhunderten. "Der Bauer lebt mit der Natur und ist auch von ihr abhängig." Da spielt der Klimawandel eine große Rolle. "Es wird immer wärmen und die Regenzeiten verschieben sich, also brauchen wir Sorten, die das vertragen", erklärt der Junglandwirt. Ohne Beregnung gehe bei seinen Kräutern ohnehin gar nichts. "Drei Tage ohne Wasser, und die Pflanzen sind nicht mehr zu verkaufen, die Farbe ändert sich und die Inhaltsstoffe haben eine andere Zusammensetzung."
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