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Astronomie

Das himmlischste Hobby

250 Menschen, vorwiegend aus Franken, sind im "Forum Stellarum" angemeldet. Sie blicken gemeinsam hinauf zu den Sternen
Im Weltraum geschehen gigantische Materie-Bewegungen. Die Hobbyastronomen lieben es, in die Tiefen und Weiten des Alls zu blicken.  Foto: dpa - Bildfunk
 
von DIANA FUCHS
D ie Sonne steht schon tief am Himmel. Es ist ein schöner Sommerabend, warm und wolkenlos. "So lieben wir das", sagt Ulf Fiebig grinsend, während er sich eine Pizza bestellt. Der lange Biergarten-Tisch, an dem er Platz genommen hat, ist heiß begehrt. Immer mehr Menschen kommen, begrüßen einander herzlich, setzen sich, trinken und essen. Dabei unterhalten sie sich über geheimnisvolle Dinge: Refraktoren, Reflektoren, Binos, Spektive, Nachführung. Als die Sonne untergegangen ist, schnellen wie auf Kommando alle Blicke nach oben, Richtung Himmel. Was dort passiert, in den unendlichen Weiten des Universums, ist Dreh- und Angelpunkt ihrer monatlichen Treffen, die stets an einem anderen Ort in Franken stattfinden, etwa in Schweinfurt, Kitzingen, Lindelbach oder Gerchsheim.

Ihr gemeinsames Hobby hat die Menschen zusammengebracht. Vereint im "Forum Stellarum - Astronomie in Franken" blicken Lehrer, Gärtner, Physiotherapeut, Steinmetz, Kfz-Meister, Kaufmann, Benediktiner-Pater und Elektro-Ingenieur miteinander ins Weltall. Mit welcher Gerätschaft, hängt vom Typ des Beobachters ab.
Jürgen Degen aus Erlangen hatte schon als Kind ein kleines Teleskop. "Meine Oma hat in der Nähe einer Sternwarte gewohnt. Das war ein cooles Ausflugsziel", erinnert sich der 51-Jährige grinsend. In der Jugend ruhte seine Begeisterung fürs Weltall, wachte aber 2009 schlagartig wieder auf: "Bei einer Star-Party der astronomischen Gemeinschaft Nürnberg hab' ich durchs Teleskop die Jupitermonde beobachten können. Kurz danach hab' ich mir selbst ein gutes Teleskop gekauft."

Thomas Richter aus Würzburg erzählt eine ähnliche Geschichte. Ulf Fiebig aus Kitzingen, der das "Forum Stellarum" im Jahr 2009 mitbegründet hat, hakt ein. Inzwischen, so sagt er, werde er oft gefragt, warum man sich überhaupt noch ein Teleskop kaufen und in der Kälte der Nacht auf einen Berg stellen soll, um das Weltall zu beobachten; es gebe doch mittlerweile im Internet alles in viel besserer Qualität zu sehen. "Ich antworte dann: Weil wir alles live und in echt sehen wollen! Die Photonen, die direkt von dem beobachteten Objekt in meine Augen fallen, waren Millionen bis zu Milliarden Jahre unterwegs zu mir. Das zu wissen, macht es für mich aus!"
Dennoch sei das Internet für die "Astro-Infizierten" ein wichtiges Medium, denn online können Sternenfreunde vergleichsweise leicht in Kontakt miteinander treten - egal, wo sie wohnen. "Und wir finden auch leichter Equipment bei unseren 'Dealern', also den Teleskop-händlern." Vor der Online-Zeit habe wahrscheinlich "jeder von uns gedacht, dass er der einzige Verrückte weit und breit ist".

Übers Internet hat denn auch Karsten Wegner, 27-jähriger Gärtner aus Reichmannshausen bei Schweinfurt, zum "Forum Stellarum" gefunden. Er war durch einen Kumpel zunächst an ein kleines Teleskop gekommen, hat Mond und Jupiter angeschaut und kleinere, helle Galaxien. "Das war faszinierend für mich. Naturwissenschaft finde ich ohnehin spannend." Also kaufte sich Karsten Wegner ein größeres Teleskop, kam aber nicht auf Anhieb damit zurecht. "Zum Glück habe ich dann die Gruppe im Internet entdeckt."

Ulf Fiebig wendet ein, dass es eigentlich andersherum laufen sollte. "Besser ist es, wenn jemand unseren Rat sucht, bevor er kauft." Die Auswahl an Teleskopen sei riesig. Wer 750 bis 1000 Euro investieren könne, der bekomme "etwas Vernünftiges für mehrere Jahre". Fiebig rät allen Interessenten, sich vor dem Kauf genau zu überlegen, was man will: ein modernes GPS-gesteuertes Teleskop mit Go-to-Montierung, das sogar Deep-Sky-Himmelobjekte anhand von Koordinaten fast von alleine findet, oder vielleicht doch lieber ein einfach gebautes Dobson-Teleskop, das ohne viel Technikschnickschnack auskommt und doch tolle Beobachtungserlebnisse ermöglicht?


"Einfach auf mich wirken lassen"

"Ich liebe mein Dobson", stellen Mareike Thimm aus Volkach und Angie Schmidt aus der Nähe von Schweinfurt übereinstimmend fest. Nach dem Motto "Mechanik statt Elektronik" könne sie jederzeit spontan den Nachthimmel beobachten, sagt Angie Schmidt. "Ich bin eher die Romantikerin, Maße und technische Details sind mir nicht so wichtig. Ich möchte das, was ich da oben sehe, einfach auf mich wirken lassen - dafür ist mein kleines, leicht zu transportierendes Dobson ideal." Die Schweinfurterin Martina Rücker nutzt sogar oft nur einen Feldstecher. "Damit sieht man auch schon allerhand in unserem Sonnensystem."

Ganz anders geht Uwe Schultheiß in der Nacht zur Sache. Er schaut nicht nur, er fotografiert auch nicht - er zeichnet das, was er durchs Teleskop sieht, mit feinen Bleistiftstrichen nach. Später vergleicht er seine Kunstwerke mit den Fotos der Kollegen, die jedes Mal aufs Neue verblüfft sind, wie jemand allein durch Schauen so exakte Proportionen und Farbabstufungen hinbekommt. Schultheiß selbst findet das Malen entspannend. "Wenn der Himmel nachts klar ist, kribbelt's bei mir und ich muss raus." Aber er betont auch: "Wenn du in die Sterne schauen willst, musst du leidensfähig sein. Je kälter die Luft, desto sauberer ist sie auch. Bei minus 15 Grad ist der Blick in den Himmel genial."
Zum Beispiel vom Kreuzberg zwischen Volkach, Nordheim und Sommerach aus. Dort treffen sich die Sternenfreunde gern, weil wenig Lichtverschmutzung herrscht. "Generell findet man wenige wirklich dunkle Beobachtungsplätze. Dass auch nachts überall alles beleuchtet sein muss, versteh' ich echt nicht", kommentiert Ulf Fiebig kopfschüttelnd. Wenn die Forumsmitglieder Zeit haben, fahren sie auch gern in die Rhön, wo es besonders gute, dunkle Beobachtungsplätze gibt.

Apropos Dunkelheit: Am 21. August werden zwei Forumsmitglieder eine totale Sonnenfinsternis erleben: Florian Bleymann fliegt eigens in die USA, an die Westküste Oregons, um die "Sofi" erleben und fotografieren zu können - die Kameraausrüstung wird einen Extra-Koffer brauchen. Pater Christoph Gerhard, Cellerar des Benediktinerklosters Münsterschwarzach und leidenschaftlicher Hobby-Astronom, ist zeitgleich in Nebraska. Seit Wochen fiebern die Franken dem großen Tag entgegen.

Die anderen Forums-Mitglieder drücken ihnen fest die Daumen für gutes, wolkenloses Wetter. Sie sind schon ganz "heiß" auf Original-Fotos. Einige, zum Beispiel Ulf, liebäugeln damit, zur nächsten Sofi zu reisen, die bei uns in Europa zu sehen sein wird - das wird 2026 in Spanien der Fall sein. "Das wäre traumhaft", sagt Ulf, der als Kind immer Astronaut werden wollte und mittlerweile eine eigene kleine Sternwarte betreibt. Der Familienvater hat gelernt zu warten. "Unser Hobby braucht Geduld und Zeit."

Dafür wird man aber auch himmlisch belohnt. Egal, ob man den Fokus auf die 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromeda-Galaxy richtet oder auf die imposanten, aus interstellarer Materie bestehenden "Säulen der Schöpfung" im 7000 Lichtjahre entfernten Adlernebel - die 36-jährige Mareike Thimm beschreibt ihre Gefühle beim Sterngucken so: "Es ist einfach großartig und faszinierend, wenn einem klar wird, wie gewaltig das Universum ist und wie klein wir sind."


INFO: Neben spontanen Treffen, die über die Hompage des "Forum Stellarum" vereinbart werden, trifft sich der harte Kern der Hobby-Astronomen jeden Monat einmal zum Astro-Stammtisch. Das nächste Treffen findet am Donnerstag, 3. August, in Schweinfurt statt.
Infos/Kontakt: www.forum-stellarum.de
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